Francois Vetri von SAM

Francois Vetri von SAM

Ethische Maschinenpistolen? Ein Kommentar

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Der Hintergrund: Neun der zehn geprüften Fonds investieren direkt oder indirekt in Rüstungsfirmen, alle waren im Bereich Öl und Gas unterwegs und einer, der ausdrücklich mit dem Verzicht auf Atomkraft wirbt, ist an einem Kernkraft-Produzenten beteiligt. Die Grünen-Bundestagsfraktion reagierte prompt: „Waffen und Atomkraft haben in einem Nachhaltigkeitsfonds nichts zu suchen", so Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick.  Wo Nachhaltigkeit drauf stehe, müsse auch Nachhaltigkeit drin sein. Er fordert nun Mindestkriterien für alle  als nachhaltig beworbenen Fonds. Gemeinsamer Nenner mit der Studie:
SAM unterstützt den Ruf nach einer unabhängigen Autorität, die ein klares Definitionswerk etabliert, anhand dessen die verschiedenen Ansätze der nachhaltigen Geldanlage geregelt und erklärt werden. Das schafft Klarheit, kann als Orientierungshilfe dienen und Missverständnissen vorbeugen. In Abwesenheit eines solchen Definitionswerks ist es die Aufgabe der Fondsanbieter, die Vertriebspartner und die Öffentlichkeit aufzuklären. Zur Methodologie der Studie:
Ohne genau zu wissen, wie sich die zehn untersuchten Fonds positionieren, scheint es sich bei einer Mehrzahl der Fonds um Produkte zu handeln, die den Best-in-Class Ansatz verfolgen. Im Zusammenhang mit dem Dow Jones Sustainability Index (DJSI), der 1999 von SAM ins Leben gerufen wurde, wenden wir diesen ebenfalls an. Er bedeutet, dass man keine Branche per se ausschliesst. Es werden jedoch nur die Unternehmen in den DJSI World aufgenommen, die innerhalb ihrer Branche zu den unternehmerisch nachhaltigsten gehören (die besten 10 Prozent pro Sektor). Grund für den Best-In-Class Ansatz: Es soll ein Wettbewerb um einen Platz im DJSI entstehen – und das in sämtlichen Branchen. Es ist uns über die Jahre gelungen, diesen Wettbewerb tatsächlich zu schaffen. Unternehmen aus der ganzen Welt bemühen sich immer stärker um einen Platz im DJSI. Würde man kontroverse Branchen von Beginn an ausschließen, hätten Unternehmen aus diesen Sektoren keinen Anreiz mehr, sich zu verbessern. Dass sich aber genau Unternehmen aus kontroversen Industrien in Bezug auf Nachhaltigkeit verbessern wollen und müssen, kann nur im Sinne aller sein. Diese Legitimation des Best-In-Class Ansatz vermissen wir in der Studie. Was bedeutet das für die Anleger?
Anleger müssen gemeinsam mit dem Bankberater entscheiden, wo ihr Geld investiert werden soll. Will man Aktionär der fortschrittlichsten Unternehmen aller Branchen werden, bieten sich durchaus Best-In-Class-Konzepte an. Will man kontroverse Branchen meiden, muss der Bankberater Fonds mit strengen Ausschlusskriterien finden. Wer hingegen in Unternehmen investieren will, die Lösungen bieten für wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen wie beispielsweise Energie-, Wasser-, Basismaterialien- und Agrarlandknappheit sowie Klimawandel und demographische Veränderungen, der ist mit Themenfonds gut bedient. Je nach Präferenz des Anlegers, finden sich dann ganz unterschiedliche Aktien im Fonds. All diese Ansätze haben ihre Daseinsberechtigung und sind eine Form der nachhaltigen Geldanlage. >> Hier geht es zur Studie

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