Ethnologen im Occupy-Camp: Auch reiche Familienväter machen mit

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Welche Menschen stecken hinter der Occupy-Bewegung? Was motiviert sie zu ihrem Engagement? Welche Vorstellungen haben Sie von einem "neuen" Finanzsystem? Diesen Fragen ging die Heidelberger GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung in einer ethnologischen Studie nach. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

„Jeden Abend eine Party mit den coolsten Typen feiern“

So stellen Menschen, die die Forscher als „Utopisten und Aussteiger“ bezeichnen, zwar eine große Gruppe innerhalb der Bewegung dar. Diese Occupy-Aktivisten sind weniger an konkreten politischen Lösungen interessiert als am generellen Diskurs (Utopisten) beziehungsweise am sozialen Drumherum (Aussteiger). „Abgekoppelt von Bindungen an Familie und Arbeitswelt äußert diese Gruppe fundamentale Systemkritik, und sieht sich als Opfer des Systems“, erklären die Forscher. „In meiner Heimatstadt gibt es leider kein Camp, wo man an jedem Abend eine Party mit den coolsten Typen feiern kann“, ist laut den Forschern die typische Aussage, die sie von Vertretern dieser Gruppe hörten.

„Für eine gerechtere Welt einstehen“

Daneben gibt es aber auch eine andere Gruppe innerhalb der Occupy-Bewegung, die man dort nicht unbedingt vermuten würde – die „integrierten Idealisten“. Diese Gruppe setzt sich aus wohlsituierten, gut ausgebildeten Berufstätigen mit Familie zusammen, die eine informierten und differenzierten Blick auf das Finanzsystem haben. Sie verbringen einen Teil ihrer Zeit im Camp neben Arbeitswelt und Familie. Diese Menschen streben nach sozialer Gerechtigkeit und einem nachhaltigen gesellschaftlichen Wertewandel. „Ich will ich für eine gerechtere Welt einstehen", so motivieren sie ihre Teilnahme an den Protesten.

Neben Gruppendiskussionen und Einzelgesprächen mit Frankfurter Occupy-Aktivisten suchten die Forscher auch Sympathisanten der Bewegung auf. Auch hier erlebten sie eine Überraschung, denn unter den Occupy-Befürwortern fanden sich neben (geprellten) Anlegern auch Bankangestellte. Sie alle teilen den Wunsch, dass „sich Banken wieder stärker nach dem Modell der Genossenschaftsbanken ihrem eigentlichen Kerngeschäft widmen: Der Verwaltung und Sicherung des Geldes, der Kreditvergabe für realistische und seriöse Geschäftsideen, sowie der Kundenberatung und Aufklärung im Sinne des Kunden".

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