DAS INVESTMENT: Herr Nörrenberg, Sie waren beim Börsengang von Etoro live an der Nasdaq dabei. Wie war das?
Pascal Nörrenberg: Das war mein erstes IPO überhaupt, und ich muss sagen: Das Bell Ringing in Frankfurt ist nicht zu vergleichen mit dem am Times Square in New York. Es war eine große Ehre, dabei sein zu dürfen. Besonders beeindruckend war die Familienstory: Unser Gründer Yoni Assia ist 2007 gestartet, und jetzt ist auch er an die Börse gegangen – genau wie sein Vater damals mit dem ersten israelischen Unternehmen an der Nasdaq. Der Direktor der Nasdaq sagte, das sei eine Premiere: Zum ersten Mal haben Vater und Sohn jeweils ein Unternehmen dort gelistet.
Der Ausgabepreis der Aktie lag bei 52 Dollar, der erste Kurs bei 69. Das klingt nach einem erfolgreichen Start.
Nörrenberg: Ja, der Start war erfolgreich für uns. Wichtig ist: Für uns hört die Reise hier nicht auf, sie beginnt erst richtig.
Deutschland ist für Etoro die zweitwichtigste Region. Wie positionieren Sie sich im hart umkämpften Markt gegen Trade Republic und Co.?
Nörrenberg: Unser großer Vorteil ist die globale Ausrichtung. Wir sind in über 75 Ländern aktiv, haben 1.500 Mitarbeiter und zehn Offices weltweit. Das bedeutet: Bei uns bekommen Sie nicht nur die deutsche Sichtweise, sondern auch die Meinung der Argentinierin, des Kanadiers, der Australierin. Die haben vielleicht eine ganz andere Perspektive auf die Märkte. Viele lokale Broker sind in einem, zwei oder drei Ländern tätig – da haben Sie einen gewissen Home Bias.
Aber viele Deutsche scheuen den Handel in Dollar.
Nörrenberg: Wo ein Währungsrisiko ist, ist auch eine Währungschance. Schauen Sie sich das Depot der 80er Jahre an: Bayer, Siemens, Münchener Rück. Das Depot der Generation 2025 ist Tech-getrieben, da ist auch Krypto dabei – und diese Assets notieren originär alle in US-Dollar. Bei uns kaufen Sie die Nvidia-Aktie direkt an der Nasdaq mit dem entsprechenden Spread, nicht über eine lokale Börse in Euro. Wir sagen: Machen Sie es wie die Big Guys – der Norwegische Staatsfonds oder vermögende Private-Banking-Kunden diversifizieren auch über Währungen.
Was bieten Sie außer Aktien?
Nörrenberg: Wir sind klar Multi-Asset aufgestellt. Über 5.500 Aktien, ETFs, Krypto, für den, der es mag, auch CFDs. Besonders spannend finde ich unsere Smart Portfolios – über 100 vorgefertigte Portfolios zu Themen wie Clean Energy, das Warren-Buffett-Portfolio oder AI-Fokus. Das Besondere: null Management-Gebühren. Wir haben auch eine Kooperation mit Blackrock – die geben uns die Struktur vor für fünf verschiedene Risikokategorien, praktisch wie Robo-Advisor, aber kostenlos. Und seit Kurzem bieten wir ab dem ersten US-Dollar 3,5 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld. Das hatten wir vorher nur für Kunden ab 50.000 US-Dollar.
Und jetzt auch ETF-Sparpläne – das deutsche Lieblingskind.
Nörrenberg (lacht): Genau, da habe ich sehr drauf gedrängt. Die bieten wir seit ein paar Wochen an. In Ländern wie Großbritannien kennt man das gar nicht, aber hier ist es einfach ein Muss. Wir versuchen, die globalen Vorteile mit lokalen Bedürfnissen zu verbinden.
Im Frühjahr herrschte nach den Zollankündigungen eine hohe Volatilität – wie haben Ihre Kunden reagiert?
Nörrenberg: Wir haben gesehen, dass viele in eine Art Starre verfallen sind. Die Deutschen sind oft von Verlustangst geprägt. Sie haben nicht massiv verkauft, aber weniger gehandelt, einfach abgewartet. Eine kleine Umschichtung Richtung Europa haben wir gesehen, vor allem in Defense-Aktien, die gerade sehr gefragt sind. Aber keinen klaren Shift raus aus US-Tech.
Wie nutzen Sie KI bei Etoro?
Nörrenberg: KI spielt für uns eine starke Rolle – Israel ist da sehr weit, unser Gründer und viele Teams sind Tech-affin. Wenn Sie ein Portfolio bei uns haben, bekommen Sie morgens eine anderthalb Minuten lange, KI-generierte Zusammenfassung, maßgeschneidert auf Ihre Portfolio-Werte. Das ist schon live. Beim Thema Customer Service und Chatbots schauen wir natürlich auch, was möglich ist. Wir sind da sehr neugierig als Company.
Was ist Ihnen beim Service wichtig?
Nörrenberg: Das ist ein großes Asset von uns: Sobald man Club-Member wird, bekommen Sie immer jemanden persönlich an die Strippe. Ich habe selbst mal bei verschiedenen Brokern Konten eröffnet – bei einem musste ich eine Mail schreiben und habe nach zehn Tagen eine Antwort bekommen. Da war der Drops längst gelutscht. Banking is people – das gilt auch in der digitalen Welt.
Sie selbst haben bei der Deutschen Bank eine Banklehre gemacht. Wie war Ihr Weg zu Etoro?
Nörrenberg: Ich habe mich schon mit 14, 15 Jahren für die Börse interessiert, den ersten Optionsschein gekauft. Nach der Banklehre und dem VWL-Studium war ich bei verschiedenen Banken – Citi in Frankfurt und London, ING, UBS. Ich habe Retail Sales gemacht, Institutional Sales, vermögende Kunden betreut, Private Equity, Hedge Funds – wirklich alle Asset-Klassen gesehen. Die Direktbanken der ersten Generation wie Consors waren meine Kunden.
Das Thema Demokratisierung der Geldanlage hat mich immer fasziniert. Nach all den Jahren in der alten Welt wollte ich wieder in die digitale, in die neue Welt. Da ergab sich die Chance bei Etoro.
Was sollten Nachwuchskräfte in der Finanzbranche heute mitbringen?
Nörrenberg: Neugierde und breites Wissen sind wichtig. Trader würde ich heute keinem mehr raten zu werden – das ist alles automatisiert. Aber selbst in dieser digitalen Welt gilt noch: Banking is people. Die persönliche Komponente spielt eine große Rolle. Wir sitzen hier zwar von morgens bis abends vor dem Laptop, aber der persönliche Austausch im Team ist entscheidend. Bei uns gilt übrigens: drei Tage Office – Dienstag, Mittwoch, Donnerstag – und zwei Tage Homeoffice. Diese Mischung funktioniert gut.
Was erwarten Sie für die nächsten Jahre?
Nörrenberg: Tech wird weiter dominieren, genauso wie KI. Die USA bleiben führend, weil sie flexibler sind. Aber generell glaube ich: Die Trends, die jetzt im Fokus stehen, werden uns die nächsten fünf Jahre begleiten.
Über Pascal Nörrenberg
Pascal Nörrenberg ist seit 2023 als Regional Manager DACH und Managing Director bei Etoro tätig. Zuvor war er im Wealth Management der UBS sowie als Head of Capital Markets Sales bei ING aktiv. Seine Karriere begann er bei der WestLB, mit Stationen bei Citi in Frankfurt und London. Nörrenberg verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im internationalen Bank- und Kapitalmarktgeschäft. Er ist Diplom-Volkswirt (Universität Bayreuth und Sorbonne).