Barbara Bocks
12.12.2023

Indirekt in Kryptowährungen investieren ETP, ETF, ETN, ETC: Das sind die Unterschiede

Krypto-Coins auf der Tastatur
Krypto-Coins auf der Tastatur: Kryptowährungen sind zwar risikoreich, aber bei vielen beliebt. Mit ETPs können Anleger:innen indirekt in die Anlageklasse investieren.
© Imago Images / Lobeca

Für Kryptoinvestoren läuft es in diesem Jahr richtig gut. Vor kurzem ist der Kurs des Bitcoin, der wichtigsten Kryptowährung, kurzfristig über die wichtige 40.000-US-Dollar-Marke gesprungen. Aktuell steht er am 12. Dezember 2023, nachmittags bei 38.500 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Kurs der ältesten Kryptowährung damit um knapp 150 Prozent zugelegt und zieht die Kurse zahlreicher anderer Kryptowährungen wie Ethereum oder Avalanche ebenfalls nach oben.

Grund für die starken Kursgewinne beim Bitcoin sind immer konkreter werdende Gerüchte um potenzielle Spot-ETFs in den USA. Bisher können institutionelle Investoren noch nicht über ETFs in die Kryptowährung investieren. Viele Experten versprechen sich von der Genehmigung der Spot-ETF-Anträge zahlreicher Fondsgesellschaften wie Blackrock und Grayscale einen starken Anstieg des Bitcoin-Kurses, weil die ETFs die Nachfrage erhöhen könnten.

In zwei Jahren ist es durchaus realistisch, dass Bitcoin bei über 100.000 Dollar gehandelt wird“, erklärt beispielsweise Luke Nolan, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Coinshares im Interview. Aber das hängt aus Sicht des Experten „natürlich von einer Vielzahl von unvorhersehbaren Faktoren ab“. Sollte es eine größere institutionelle Akzeptanz und einen stärkeren regulatorischen Rahmen für Bitcoin geben, „steht ein Kurs von mehr als 120.000 US-Dollar nicht außer Frage“.

Mehr Hintergründe zu dem aktuellen Stand und eine Einschätzung weiterer Experten zu einer Genehmigung der Spot-ETFs findest du hier.

Du gehst davon aus, dass die Kurse langfristig weiter steigen und überlegst dir in Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum zu investieren, hast aber keine Lust, dich selbst um eine Wallet zu kümmern? Dann könntest du dir ETNs einmal genauer anschauen.

Was ist ein ETN?

Die Abkürzung ETN steht für Exchange-Traded-Note.

ETNs sind börsengehandelte Schuldverschreibungen, die wie ETFs ausgefallene Anlageklassen nachbilden. Dazu zählen auch Kryptowährungen. Ähnlich wie ETFs bilden ETPs die Wertentwicklung eines zugrundeliegenden Index oder Basiswerts ab.

„Ein ETP auf Bitcoin bietet Anleger:innen einen vertrauten, einfachen und sicheren Zugang über ein passives Instrument“, sagt ein Experte von Fidelity International. Einer der Vorteile gerade beim Kauf von Kryptowährungen, ist, dass Anleger:innen sich nicht extra eine gesicherte Wallet zulegen müssen, um beispielsweise in den Bitcoin zu investieren.

Oft werden diese Produkte auch in Wertpapierprospekten als ETPs, also Exchange-Traded-Products, bezeichnet. Das ist aber etwas ungenau.

Denn als Exchange Traded Product wird streng genommen die Oberkategorie für die folgenden börsengehandelten Indexprodukte bezeichnet:

ETF und ETN: Unterschiede bei Gebühren und im Pleitefall

Die Gesamtkostenquote von Bitcoin-ETNs am deutschen Markt unterscheiden sich je nach Anbieter. Am Handelsplatz Xetra liegen sie, je nach Anbieter, zwischen 0,75 und 2 Prozent.

In unserem ETF der Woche haben wir auch einige Bitcoin-ETNs und deren Konditionen gegenüberstellt. Eine Übersicht über Krypto-ETNs auf alle möglichen Kryptowährungen auf dem Handelsplatz Xetra findest du hier.

ETFs bilden automatisiert einen Wertpapierindex wie den deutschen Leitindex Dax oder den globalen Industrieländerindex MSCI World nach. Die laufenden Kosten von ETFs liegen meist zwischen auf 0,03 bis 0,7 Prozent pro Jahr.

Außerdem fallen auch beim Kauf und Verkauf von ETFs Kosten an. So müssen Anleger:innen eine sogenannte Orderprovision zahlen, die sich je nach Depotanbieter unterscheidet und sich größtenteils aus einem Festbetrag und einem prozentualen Anteil an der Anlagesumme zusammensetzt. Diese wird auch beim Verkauf fällig.

Der größte Unterschied zwischen ETNs und ETFs ist neben den höheren Kosten von ETNs die rechtliche Struktur.

ETFs sind als Sondervermögen vor einer Insolvenz des Emittenten geschützt.

Das ist bei ETNs nicht so. Bei den sogenannten Inhaberschuldverschreibungen, die an der Börse gehandelt werden, gehen Anleger:innen im schlimmsten Fall leer aus, wenn der Emittent pleitegeht.

Daher sind viele ETNs besichert: entweder physisch oder synthetisch. Das funktioniert ähnlich wie bei ETFs:

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  • Wenn Emittenten ETPs physisch unterlegen, kaufen sie das zugrundeliegende Produkt, also beispielsweise den Bitcoin.
  • Ansonsten bilden die Fondsgesellschaften die Wertentwicklung über Swaps und Derivate ab. Diese ETPs nennen sie dann synthetisch unterlegt.

Für Fondsgesellschaften selbst ist der Aufwand für die Auflage eines ETPs oder einer ETN ähnlich. Sie dauert laut Angaben von Fidelity International ungefähr vier Monate. „Regulierungsbehörden agieren allerdings bei weniger etablierten digitalen Währungen vorsichtiger.“ Dadurch könne die Auflage länger dauern, heißt es bei Fidelity International.

Aktuell gibt es auf dem Handelsplatz Xetra einige Krypto-ETPs und Baskets, also Zusammenstellungen von Kryptowährungen. Zum Angebot gehören beispielsweise ETNs auf Währungen wie:

  • den Klassiker und Wertspeicher Bitcoin
  • der Token der Börse Binance, den Binance Coin
  • die Plattform Ethereum, deren Blockchain für NFTs und zahlreiche Metaverse-Anwendungen genutzt wird
  • der Ethereumkonkurrent Cardano, die Smart-Contract-Plattform von Charles Hoskinson
  • Ripple, ein Zahlungsnetzwerk, das bereits von Banken eingesetzt wird, basierend auf einem Open-Source-Protokoll und viele mehr.

Der vom Volumen her größte Bitcoin-ETP auf Xetra ist Physical Bitcoin von der ETC Group mit einem verwalteten Vermögen in Höhe von knapp 1.120 Millionen Euro (Stand: 11. Dezember 2023). Er hat eine Gesamtkostenquote in Höhe von 2 Prozent.

Krypto-ETPs: Rendite schwankt stark

Noch viel mehr als die Kosten schwanken jedoch die Renditen von Kryptowährungs-ETPs, die beispielsweise den Bitcoin nachbilden.

Kein Wunder.

Lag der Bitcoin-Kurs Anfang des Jahres 2022 noch bei knapp 41.800 Euro, erreichte er nach einem schwierigen Jahr 2022 am 4. April 2023 wieder einen Wert von knapp über 25.600 Euro. Aktuell steht er am 12. Dezember nachmittags wieder bei einem Kurs von knapp 38.440 Euro.

Das ist aber noch ganz schön weit entfernt vom Allzeithoch des Kurses bei 61.500 Euro im November 2021.

Daher schwanken auch die Renditen des ETC Group Physical Bitcoin stark, je nach Anlagezeitraum.

Performance

ETC Group Physical Bitcoin

1 Monat

9,66%

3 Monate

56,72%

6 Monate

58,26%

1 Jahr

133,34%

2 Jahre

-12,42%

3 Jahre

144,02%

 Quelle: Börse Frankfurt, Daten vom 12. Dezember 2023

Fondsanbieter geben ETPs nicht nur auf Kryptowährungen aus, sondern auch auf andere Vermögenswerte wie die US-Fonds von Ark Invest, der Investmentgesellschaft von Cathie Woods.

Über ETPs in Ark-Invest-ETFs investieren

„Mit unseren ETPs verschaffen wir Anlegern einen Zugang zu solchen Papieren, die für sie ansonsten unzugänglich wären, da das Investment entweder an besondere Bedingungen geknüpft ist oder der Kurs des Basiswerts eine Beteiligung für normale Anleger ausschließt“, sagt Jose Carlos Gonzales, CEO von Leverage Shares.

Der Anbieter hat beispielsweise Ende Januar 2022 ETPs aufgelegt, die auf den Strategien von Ark Invest basieren. In  ETFs der amerikanischen Investmentgesellschaft von Cathie Wood können deutsche Privatanleger:innen normalerweise nicht direkt investieren, da es sich um US-Produkte handelt, die in Europa nicht zugelassen sind.

Teilweise sind ETPs aber auch gehebelt. Das heißt, dass Anleger:innen bei diesen Produkten mit einem zweifachen Hebel beispielsweise doppelt von der Kursentwicklung des Basiswerts profitieren, aber auch doppelt so hohe Verluste einfahren können. Für Einsteiger:innen ist das in der Regel definitiv zu riskant.

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