Suche
Lesedauer: 6 Minuten

DPAM-Experte „EU-Taxonomie könnte zu technisch werden“

Seite 2 / 3

Zu den neuen Wirtschaftszweigen, insbesondere im Hinblick auf die Marktkapitalisierung, gehören die Herstellung von Arzneimitteln, Chemikalien, Nahrungsmitteln und Getränken und elektronischen Geräten sowie die Tierproduktion, der Pflanzenbau und die Fischerei. Angesichts der erheblichen Investitionslücke von 350 Milliarden Euro pro Jahr zur Erreichung der Klima- und Energieziele für 2030 (das heißt 55 Prozent Treibhausgasreduzierung gegenüber dem vorindustriellen Niveau) und zusätzlicher Investitionen in Höhe von 100 bis 150 Milliarden Euro pro Jahr zur Erreichung umfassenderer Umweltziele ist die Herausforderung nach wie vor enorm.

Die vorgeschlagenen Kriterien sehen jedoch keine wesentliche Erweiterung des Tätigkeitsbereichs vor, sondern konzentrieren sich auf die ursprünglich erfassten Tätigkeiten wie Stromerzeugung, Verkehr und Gebäude. Dadurch werden sie restriktiver und erfordern eine wesentlich umfangreichere Datenerhebung. Für die in die Liste aufgenommenen Tätigkeiten (zum Beispiel die pharmazeutische Industrie, die pflanzliche Erzeugung oder die Lebensmittel- und Getränkeindustrie) sind die Zulassungskriterien nicht nur sehr technisch, sondern auch recht restriktiv. Darüber hinaus deckt die Liste nicht alle relevanten Teiltätigkeiten innerhalb der betreffenden Branchen ab. Im Folgenden werden einige konkrete Beispiele aufgeführt:

>>>Vergrößern

Quelle: DPAM

Der Konsultationszeitraum läuft bis Ende September, und die Arbeitsgruppe beabsichtigt, der Europäischen Kommission ihren endgültigen Taxonomiebericht bis November vorzulegen. Die formelle Verabschiedung (durch einen delegierten Rechtsakt) wird für 2022 erwartet. Da der jüngste IPCC-Bericht den Druck erhöht und die UN-Klimakonferenz 2021, COP 26, näher rückt, sind im endgültigen Entwurf möglicherweise noch erhebliche Änderungen am Geltungsbereich und an den technischen Prüfkriterien zu erwarten.

Wie im IPCC-Bericht betont wird, sind beispiellose Maßnahmen erforderlich, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius und die physischen Risiken zu begrenzen. Das globale CO2-Budget schrumpft, und das bedeutet, dass in jeder Branche so schnell und effizient wie möglich Anstrengungen zur Reduzierung der Emissionen unternommen werden sollten.

Im Moment begrüßen wir die Entwicklungen aufrichtig und sind gespannt auf die nächsten Schritte. Denn sowohl die Unternehmen als auch die Finanzindustrie müssen für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit sorgen, um Investitionen in glaubwürdige grüne Aktivitäten zu lenken.

Laut einer bislang vertraulich behandelten Version der dritten Arbeitsgruppe des IPCC-Bewertungsberichts (dessen Bericht erst im nächsten Jahr veröffentlicht werden soll) müssen die jährlichen Ausgaben um das Fünffache steigen, um die geforderten Ziele zu erreichen, wobei die Treibhausgasemissionen bis 2025 ihren Höchststand erreichen, Kohle- und Gaskraftwerke bis 2030 auslaufen und alle neuen Öl- und Gaserschließungen sofort gestoppt werden müssen (in Übereinstimmung mit den Ergebnissen der IEA).

Mehr zum Thema