Eugen Weinberg

Eugen Weinberg

Eugen Weinberg: „Goldaktien sind kein Gold-Ersatz und werden es niemals werden“

//
DAS INVESTMENT.com: Welche Trends beobachten Sie gerade am Goldmarkt?

Eugen Weinberg:
Der Goldpreis ist seit dem Hoch im September 2011 um rund 30 Prozent gefallen. Ausschlaggebend waren die ETF-Verkäufe und massiver Exodus der Anleger an der Terminbörse. Zwar kaufen insbesondere Kleinanleger vermehrt Goldbarren und –münzen, jedoch können diese Käufe noch keine Unterstützung bieten. Eine nachhaltige Trendwende sehen wir erst, wenn der Markt erneut die Inflations-, Finanzmarkt-, Wirtschafts- und geopolitische Risiken im Blick hat.

DAS INVESTMENT.com: Nach dem April-Preisrutsch könnte man meinen, dass insbesondere institutionelle Anleger den Preistrend beim Gold bestimmen. Ist es für Sie wichtig, den Kontakt zu diesen zu halten beziehungsweise deren Investitionsverhalten besonders im Blick zu haben? Bevorzugen Sie derzeit andere Edelmetalle als Gold?

Weinberg:
Gold entwickelt sich immer mehr zu einem Anlagemetall und einer alternativen Währung. Deshalb ist es enorm wichtig die Handlungen und die Stimmungsschwankungen der Anleger genau zu beobachten. Gold ist aktuell das einzige Edelmetall, das sich insbesondere in den Krisenzeiten wie eine Versicherung und eine Alternativwährung verhält und nicht wie ein konjunktursensibles Industriemetall.

DAS INVESTMENT.com: Wird der Goldpreis sich dieses Jahr noch erholen? Unter welchen Umständen ist eine Rückkehr über die 1.600-Dollar-Marke möglich?

Weinberg:
Wir sind davon überzeugt, dass sich mittel- bis langfristig der Goldpreis wieder erholen wird. Ausschlaggebend dafür sind die nach wie vor vorhandenen Probleme und Risiken, die einen höheren Goldpreis rechfertigen. Wir freuen uns also nicht, wenn der Goldpreis steigt, denn dieser Anstieg geht nur mit den steigenden Risiken einher.

DAS INVESTMENT.com: Welche „Game Changer“ könnten künftig den Goldpreis maßgeblich beeinflussen? Sind es die Zentralbanken, die zunehmend aufkaufen?

Weinberg:
Mir fallen viele mögliche „Game Changer“ ein: Die Käufe der Zentralbanken, fallende Aktienkurse, steigendes Anlegerinteresse, besseres Chart-Bild, steigende Inflationsrisiken und vieles mehr. Ich vermute allerdings, dass wie so häufig der Umschwung von einer unerwarteten Seite kommt, zum Beispiel durch einen „totalen globalen Währungskrieg“.

DAS INVESTMENT.com: Was sollte man derzeit kaufen: Goldaktien oder doch lieber den Barren? Warum?

Weinberg:
Ganz klar den Barren! Denn Goldminen und Gold sind zwei völlig unterschiedliche Anlageklassen. Die Goldaktien sind kein Gold-Ersatz und werden es niemals werden. Der Blick auf die Performance von Gold und Goldaktien während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 liefert den Beweis.

DAS INVESTMENT.com: Der kleine Bruder: Wie sehen Sie Silber-Investments? Hat das Edelmetall derzeit/von Zeit zu Zeit Investitionsvorteile gegenüber Gold?

Weinberg:
Ich kann bei Silber derzeit keine Vorteile gegenüber Gold erkennen. Es ist weiter ein Industriemetall, das allerdings von der Industrie wegen der hohen Preise gemieden wird. Erst wenn es Silber gelingt sich als Anlagemetall bei den Anlegern durchzusetzen, kann man den Preisvergleich mit Gold anstellen. Dafür ist es allerdings noch zu früh.

DAS INVESTMENT.com: Was ist Ihrer Meinung nach das größte Vorurteil/Missverständnis in Bezug auf Gold, das im breiten Markt besteht?

Weinberg:
Der größte Fehler, dem die allermeisten Marktteilnehmer unterliegen, ist der Fokus auf dem Goldpreis und der Frage, wo der Goldpreis hingeht. Denn der Goldpreis ist wie eine Versicherungsprämie, die von äußeren Umständen abhängt. Die Preisziele sind dabei völlig irrelevant. Wichtig ist die Beantwortung der Frage, ob man eine Portfolio-Versicherung benötigt oder auf diese verzichten kann.

DAS INVESTMENT.com: Ihr liebster Gold-Gegenstand: Der Barren im Tresor, die Gold-Armbanduhr oder…?

Weinberg:
Golduhren finde ich häufig protzig, die Goldbarren dagegen sehr schön. Ich musste auch feststellen, dass ich mich von ihnen gar nicht trennen kann.

DAS INVESTMENT.com: Was und wann war Ihre erste Begegnung mit einem Gold-Investment?

Weinberg:
Ich erinnere mich an den goldenen Ehering meines Vaters, der für ihn das Wertvollste im ganzen Haushalt war. Dass dies nicht nur am Material lag, wurde mir erst viele Jahre später bewusst.


Teil 1 der Gold-Serie mit Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel, lesen Sie hier.

Mehr zum Thema
Martin Siegel: „Zentralbanken spielen für den Goldpreis eine untergeordnete Rolle“
Gold-Serie: „Nicht der Goldpreis, sondern der Wert des Papiergeldes schwankt“
Mark Mobius: "Gold hat nach wie vor Potenzial"
nach oben