Was kommt als Nächstes? Jürgen Stark, ehemaliger EZB-Chefvolkswirt. Quelle: Getty Images

Was kommt als Nächstes? Jürgen Stark, ehemaliger EZB-Chefvolkswirt. Quelle: Getty Images

Euro-Bonds für Hollandes Wahlversprechen?

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In seinem Gastbeitrag im „Handelsblatt“ bezweifelt Jürgen Stark, dass François Hollande Euro-Bonds fordert, um die Krisenländer zu stärken. Vielmehr bräuchte der neue französische Staatspräsident die günstigen Anleihen, um seine Wahlversprechen einzulösen.

Der ehemalige Chefvolkswirt der EZB befürwortet die Haltung der Kanzlerin gegenüber Euro-Bonds. Die gemeinsamen Anleihen widersprächen nicht nur der „Nicht-Einstandsklausel“ des Maastricht-Vertrages, sie würden auch falsche Anreize setzen: Durch niedrige Zinsen würde die Reform- und Sparbereitschaft in den Schuldenstaaten sinken.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen möge, als ob Frankreich für die Schuldenstaaten einstehen möchte, so sei dies nicht der Fall: Frankreich würde von Euro-Bonds profitieren. Schließlich habe das Land bereits sein Top-Rating verloren und müsse hohe Zinsen für Anleihen zahlen. Zudem sei die Wirtschaft reformbedürftig und der Staat hoch verschuldet.

Die Wahlversprechen Hollandes widersprächen aber nötigen Reformen und Sparmaßnahmen. Ohne Reformen sei Frankreich jedoch gezwungen noch mehr neue Schulden aufzunehmen – diese seien aber wegen der gestiegenen Risikoaufschläge sehr teuer. Euro-Bonds wären also nicht nur für die Krisenländer, sondern auch für Frankreich die günstigere – und bequemere Lösung.

Stark lehnt es ab, für EU-Mitgliedsstaaten zu bürgen, ohne Einfluss auf die Ausgabenpolitik der Länder zu bekommen. Damit würden keine Anreize zum Sparen und Reformieren gegeben. Aus diesem Grund, und wegen der fehlenden demokratischen Legimitation ist er gegen Euro-Bonds.

Zum vollständigen Interview vom „Handelsblatt“ geht es hier:

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