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Euro-Dollar-Annäherung

Bringt der schwache Euro den ersehnten Aufschwung?

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Eigentlich könnte Peter Langerman herzhaft zugreifen. Macht er aber nicht, obwohl eine Einkaufstour in Deutschland für ihn um mehr als ein Viertel billiger ist als vor einem Jahr. „Ich bin ein ganz schlechter Einkäufer“, gesteht der Chef von Franklin Mutual Advisers ein. Selbst in das nahe seiner Wohnung gelegene Tiptop-Einkaufszentrum „Short Hills Mall“ in New Jersey zieht es ihn nur selten. Allerdings beobachtet er in seiner Heimat einen anderen Effekt. „Der Tourismus in Richtung Europa erlebt einen Aufschwung. Die Leute sagen: ‚Hey, das ist ein richtiges Schnäppchen‘ und reisen in die Eurozone“, erzählt Langerman.

Goldman Sachs stapelt ganz tief

Grund dafür ist der Wechselkurs zwischen Dollar und Euro. Um 26 Prozent wertete der Dollar in zwölf Monaten auf (Stand: 25. März 2015). Ursache ist eine Mischung aus den ungleich laufenden Volkswirtschaften, Zinslandschaften und Geldströmen (siehe Grafik). Und nur wenig spricht dafür, dass der Boden schon erreicht ist. Die Parität – ein Dollar für einen Euro – ist zum Greifen nahe. Viele Prognosen reichen sogar noch tiefer. So erwartet der Chefwährungsanalyst von Goldman Sachs, Robin Brooks, für Ende 2016 einen Kurs von 85 US-Cent je Euro. Ende 2017 sollen es sogar nur 80 Cent sein. Nun schießen solche Prognosen gern mal übers Ziel hinaus – siehe auch beim Ölpreis 2008 und beim Goldpreis 2012 – der Abwärtstrend gilt allerdings als so weit gesichert.

Unklar ist dagegen, wie sich das auf Handel und Wirtschaft auswirkt. Sicherlich gibt es die grobe Regel: Der Export des abwertenden Landes kann seine Waren billiger anbieten, ohne Einbußen in der eigenen Währung hinnehmen zu müssen. Den direkten Preiseffekt auf Ex- und Import zwischen Eurozone und USA haben wir in der Grafik ausgerechnet.

Allerdings haben wir dabei der Einfachheit halber konstante Dollar-Preise unterstellt. Es lässt sich aber nicht ausrechnen, wie stark der Export an der Preisschraube drehen wird und wie die Nachfrage darauf reagiert. Diese Preiselastizität ist je nach Branche und Konjunkturzyklus verschieden. Zudem hat inzwischen jedes größere Unternehmen eine Abteilung, die sich mit Währungsmanagement beschäftigt. Dank der der-zeit ähnlichen kurzfristigen Zinssätze bei Euro und Dollar kostet es fast nichts, den Euro-Dollar-Kurs über ein paar Monate abzusichern.

Hinzu kommt der Umstand, dass Unternehmen verstärkt vorverarbeitete Güter aus anderen Währungsräumen importieren. Indem deren Preise ebenfalls auf den Wechselkurs reagieren, bilden sie ein Gegengewicht zu den veränderten Absatzpreisen und senken deren Effekt. In Deutschland stieg der Anteil solcher aus dem Ausland eingeführten Vorprodukte von 19 Prozent im Jahr 1995 auf 27 Prozent im Jahr 2009. In den USA waren es 2009 lediglich 11 Prozent.



Quelle: Bloomberg/DAS INVESTMENT


Ein bisschen Währungseffekt ist da

All diese Umstände lassen den Währungseffekt wahrscheinlich schwächer ausfallen, als viele hoffen. „Bezogen auf das verarbeitende Gewerbe zwischen 1995 und 2007 leistete der Wechselkurs lediglich einen Beitrag von 2,9 Prozent zum Exportwachstum“, zitieren die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) eine Studie des Instituts für Welt-wirtschaft Kiel.

Gleichwohl ist der Währungseffekt vorhanden und er wird der Eurozone helfen. So verweisen die LBBW-Mitarbeiter auf eine Zahl von BASF: Die Chemiker ver-dienen 50 Millionen Euro mehr, wenn der Dollar um nur einen Cent aufwertet. Analysten der ING Diba schätzen, dass 10 Prozent Währungsabwertung das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone um 0,3 Prozentpunkte wachsen lassen. Bei bisher 26 Prozent wären das immerhin schon 0,8 Prozentpunkte.

Deshalb ist es für die leidgeplagte Eurozone am Ende doch aus rechnerischer und vor allem psychologischer Sicht das, was Poul Kobberup, Investmentchef der dänischen PFA Pensionskasse, gegenüber „Bloomberg“ in einen einzigen Satz packte: „Die Euro-Schwäche ist wahrscheinlich das stärkste Argument für eine stärkere Wirtschaft in Europa.“

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