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Märkte bewegen Aktien, Zinsen, Politik. Und Menschen. Deshalb präsentieren wir dir hier die bedeutendsten Analysen und Thesen von Top-Ökonomen - gebündelt und übersichtlich. Führende Volkswirte und Unternehmensstrategen gehen den wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen clever und zuweilen kontrovers auf den Grund.
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Johannes Mayr ist Chefvolkswirt der Anlagegesellschaft Eyb & Wallwitz.Bildquelle: Eyb & Wallwitz / Canva
Europäische Währungsunion: Politik und Gesellschaft sind gefordert, die tiefergreifenden strukturellen Probleme zu lösen, die mit der Eurokrise sichtbar wurden, meint Johannes Mayr. Was das jedoch genau bedeutet und welche Wege daraus resultieren, erklärt er in seinem Beitrag.
Vor 25 Jahren wurde der Euro als gemeinschaftliche Währung eingeführt. Die Idee war, durch eine gemeinsame Währung die Integration Europas zu fördern, Handelsbarrieren zu reduzieren und den Wohlstand zu steigern. In den ersten Jahren schien dieser Plan aufzugehen.
Doch spätestens mit der Eurokrise wurden die tiefgreifenden strukturellen Probleme sichtbar. Diese sind lösbar. Aber die Entscheider und Entscheiderinnen scheuen bisher die Antwort auf eine zentrale Frage: Zurück zu Maastricht oder vorwärts zur politischen Union. Die politischen und finanziellen Kosten werden für beide Wege als zu hoch angesehen.
Dabei wird gerade in Deutschland häufig eines übersehen: Die höchsten Kosten fallen im „Weiter so“ an. Denn Europa fällt im internationalen Vergleich zunehmend zurück. Und das Risiko von politischen Krisen ist hoch. Das zeigt die aktuelle Entwicklung in Frankreich eindrucksvoll.
Schwachstellen der Währungsunion liegen offen
Vor der Einführung der Währung und in den ersten zehn Jahren danach profitierte der Süden Europas besonders von der Währungsunion. Das Wechselkursrisiko wurde ausgepreist. Ausländisches Kapital wurde angezogen. Die Zinsen sanken dramatisch und eröffneten der öffentlichen und der privaten Hand neue Finanzierungsmöglichkeiten.
All das hat den Ländern einen starken wirtschaftlichen Aufschwung beschert. Gleichzeitig profitierte in den Kernländern die Industrie über einen starken Außenhandel. Auch hier fiel die Bilanz insgesamt positiv aus. In dieser Zeit schienen die offensichtlichen Konstruktionsfehler und strukturellen Schwachstellen der Währungsunion wenig relevant.
Doch die Eurokrise deckte diese schonungslos auf. Im Zuge der Finanzkrise zuvor schärften internationale Investoren ihre Risikoeinschätzung und bewerteten vor allem die hohen Verschuldungsniveaus der Staatshaushalte und die wirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion neu.
Den betroffenen Ländern drohte der Zugang zum Finanzmarkt versperrt zu werden. Es bedurfte erheblicher politischer und finanzieller Anstrengungen der Mitgliedsstaaten, um die Währungsunion zusammen zu halten. Im Zusammenspiel mit der EZB spannten sie große finanzielle Rettungsschirme, die ein Auseinanderbrechen und ein Wiederaufflammen verhindern sollten. „Whatever it takes“.
Kurzfristig gelang das. Aber über Jahre beschäftigte sich Europa notgedrungen vor allem mit sich selbst. Denn die entscheidenden strukturellen Schwachstellen der Währungsunion wurden nicht adressiert. Und das hatte enorme ökonomische Folgen. Seit dieser Zeit geht die Schere in der Wirtschaftsleistung zu anderen großen Wirtschaftsräumen wie den USA weit auseinander.
Euro-Raum war und ist kein optimaler Währungsraum
Kern des Problems ist die Struktur der Währungsunion selbst. Für das langfristige Funktionieren einer solchen gibt es theoretisch zwei Optionen. Die Erste fußt auf ökonomischer Homogenität der Mitgliedsstaaten und der Mobilität der Produktionsfaktoren. Eine Region erfüllt die Theorie eines optimalen Währungsraums, wenn Arbeit und Kapital innerhalb sehr mobil sind.
So finden beispielsweise in einem Land konjunkturell freigesetzte Arbeitskräfte in einem wirtschaftlich besser laufenden Mitgliedsland Beschäftigung. Die nationalen Sozialsysteme werden entlastet, der betroffene Staat kann sich der Konjunkturstimulierung widmen und kann diese dann auch ohne eigene Geld- und Wechselkurspolitik erreichen. Dabei darf es für Arbeitnehmer wie auch für Investoren keinen großen Unterschied machen, in Land A oder in Land B der Währungsunion zu arbeiten beziehungsweise zu investieren.
Wenn diese Kriterien nicht erfüllt sind, kann eine Währungsunion langfristig nur dann zusammengehalten werden, wenn sich die Mitgliedsstaaten auf zentrale und umfangreiche fiskalische Transfermechanismen zur Finanzierung von Ungleichgewichten und Bekämpfung ökonomischer Krisen einigen können.
Ob Analysten, Portfoliomanager oder CEOs: Unsere Experten sind Marktprofis aus dem Asset Management, die ihre Einblicke mit Ihnen teilen. Sie liefern klare Markteinschätzungen, fundierte Analysen und berichten darüber, wie sie ihre Strategien taktisch anpassen.
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