Viele Anleger scheuen lange Laufzeiten bei Anleihen. Die Sorge vor Kursverlusten bei steigenden Zinsen sitzt tief. Doch eine aktuelle Analyse des Multi Family Office HQ Trust zeigt: Diese Vorsicht kostet Rendite. Wer länger investiert, verdient im Schnitt nicht nur mehr, sondern erlebt auch weniger Schwankungen.

Jan Tachtler, Fondsselektor bei HQ Trust, hat die durchschnittlichen Gesamterträge von Euro-Staatsanleihen verschiedener Laufzeiten untersucht. Sein Fazit: Je länger die Laufzeit, desto höher war in der Vergangenheit der durchschnittliche Ertrag.

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HQ-Trust-Analyse: Langläufer bei Staatsanleihen bringen im Schnitt höhere Erträge. | Bildquelle: HQ Trust

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Ein Jahr halten: Höhere Rendite, mehr Schwankung

Der Experte verglich fünf Laufzeitklassen – von ein bis drei Jahren über fünf bis sieben Jahre bis hin zu Anleihen mit mehr als zehn Jahren Restlaufzeit. Dabei betrachtete er zwei typische Haltedauern: ein Jahr und fünf Jahre. Der untersuchte Zeitraum umfasst rund 25 Jahre, von Ende 1999 bis Oktober 2025.

Bei einer einjährigen Haltedauer erzielten Anleger mit Kurzläufern – Anleihen mit einer Restlaufzeit von ein bis drei Jahren – im Schnitt einen Ertrag von 2,19 Prozent pro Jahr. Bei Bonds mit einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren lag der Ertrag im Schnitt bereits bei 3,72 Prozent. Langläufer mit mehr als zehn Jahren Restlaufzeit brachten Anlegern im Mittel sogar 4,98 Prozent pro Jahr.

Der Preis für die höhere Rendite: Mit der steigenden Laufzeit nahmen auch die Schwankungen zu. Bei nur einem Jahr Haltedauer schwankten die Erträge von Langläufern zwischen minus 32 Prozent und plus 34 Prozent. Doch genau hier zeigt sich die Bedeutung der Haltedauer.

Zeit als Stabilisator: Fünf Jahre glätten die Ausschläge

Wer jedoch fünf Jahre durchhielt, erlebte deutlich geringere Ausschläge. Die Spanne lag hier nur noch zwischen minus 7 Prozent pro Jahr und plus 14 Prozent pro Jahr. Das gilt auch für die anderen Laufzeiten: Bei Anleihen mit einer Restlaufzeit von fünf bis sieben Jahren reduzierte sich die Schwankungsbreite von minus 13 Prozent bis plus 16 Prozent (ein Jahr Haltedauer) auf minus 1 Prozent pro Jahr bis plus 8 Prozent pro Jahr (fünf Jahre Haltedauer).

Die längere Haltedauer glättet extreme Ausschläge, da unterschiedliche Marktphasen einfließen.

Was der Fondsselektor Anlegern rät

Tachtler empfiehlt Anlegern mit längerem Anlagehorizont, langlaufende Anleihen nicht grundsätzlich zu meiden. Langläufer bringen im Durchschnitt höhere Erträge als Kurzläufer – und zwar über verschiedene Marktphasen hinweg. Die oft gefürchtete Volatilität von Langläufern relativiere sich deutlich, wenn man die Anleihen nicht nach einem Jahr verkaufe, sondern mehrere Jahre halte. Zeit sei bei Anleihen ein wichtiger Stabilisator.

Der Experte warnt jedoch: Diese Durchschnittswerte gelten für normale Zinsumfelder. Bei einer inversen Zinskurve, wenn die kurzfristigen Zinsen höher sind als die langfristigen, kann die Rechnung anders aussehen. Zudem gebe es bei Anleihen keine Gewinngarantie. Auch bei fünf Jahren Laufzeit könne am Ende ein Minus herauskommen.

Mischung aus verschiedenen Laufzeiten als Lösung

Wer noch sicherer aufgestellt sein möchte, kombiniert verschiedene Laufzeiten im Portfolio, rät der Experte. So profitiere man sowohl von der Flexibilität kurzer Laufzeiten als auch von den höheren Erträgen längerer Papiere.