Euro und Dollar

Euro-Parität rückt nach EZB-Maßnahmen immer mehr in Fokus

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Am Freitag fiel die Gemeinschaftswährung auf den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren unter die Marke von 1,10 Dollar zurück, nachdem der EZB-Präsident tags zuvor Details zum Bond- Kaufprogramm bekannt gegeben hatte. Mit dem Bonddkaufplan hoffen die Währungshüter, die Deflationsgefahr zu bannen und das Wachstum in der Region anzukurbeln.

Optionskontrakte signalisieren, dass Investoren sogar noch pessimistischer zum Euro werden. Royal Bank of Scotland Group erklärte am Donnerstag, dass der Euro bereits im nächsten Monat auf die Parität zum Dollar zurückfallen könne.

"Wir sehen keine Kreditvergabe der Banken, keine Investitionen der Unternehmen oder der Regierungen - wir verlassen uns darauf, alles über die Währung zu regeln”, sagte Alberto Gallo, Leiter europäische Makrokredit-Analyse bei RBS in London. “Es besteht definitiv Druck auf den Euro, innerhalb des nächsten Monats sogar noch weiter nachzugeben in Richtung Parität.”

In einer Bloomberg-Umfrage gehen 93 Volkswirte im Median davon aus, dass die Gemeinschaftswährung das Jahr bei 1,10 Dollar beenden wird. Zum Jahresbeginn hatten sie noch 1,18 Dollar vorhergesagt. Freitagmittag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,0971 Dollar 0,5 Prozent schwächer. Der Euro verzeichnete damit den siebten Tag in Folge Verluste.

Europäische Staatsanleihen kletterten und der Euro fiel zurück, nachdem Draghi am Donnerstag hatte erklärt, die Notenbank werde auch Bonds mit Negativrenditen bis zum Einlagensatz von -0,2 Prozent kaufen. Er bestätigte, dass monatlich 60 Milliarden Euro an Wertpapieren im Rahmen der sogenannten quantitativen Lockerung (QE) bis mindestens September 2016 erworben werden sollen. Das Programm hätte damit ein Volumen von 1,1 Billionen Euro.

In den USA bereitet sich die Federal Reserve indes darauf vor, die Leitzinsen erstmals seit der Finanzkrise von derzeit nahe Null wieder etwas anzuheben. Dadurch erhöht sich die Attraktivität von in Dollar denominierten Vermögenswerten.

“Euro-Dollar sollte sich deutlich nach unten bewegen”, sagte Chris Turner, Leiter Devisenstrategie bei ING Groep NV in London. Er rechnet damit, dass die Parität bis zum Jahresende erreicht wird.

Die Gemeinschaftswährung hat sich bereits acht Monate in Folge zum Dollar verbilligt. Unter der Parität notierte der Euro zuletzt im Dezember 2002. Im Jahr 2000 hatte er sein Allzeittief bei 82,30 Cent erreicht.

Seit Januar mehren sich die Vorhersagen einer möglichen Parität, nachdem die EZB verstärkt über Konjunkturmaßnahmen diskutiert hat, um das Wachstum anzukurbeln. Barclays Plc und TD Securities Inc. zählen zu den Banken in einer Bloomberg-Umfrage, die damit rechnen, dass der Euro bis zum Jahresende auf die Marke von einem Dollar zurückfallen wird. Morgan Stanley, Goldman Sachs Group Inc. und Citigroup Inc. sagen einen entsprechenden Rückgang für 2016 voraus.

Ein Blick auf die jüngsten Maßnahmen und Konjunkturzahlen “bestätigt, warum wir den Euro negativ sehen”, Shahab Jalinoos, weltweiter Chef für Devisenstrategie bei Credit Suisse Group AG in New York. “Wir hatten einen recht langen Zeitraum der Konsolidierung des Euro, in dem der Euro praktisch nirgendwohin gegangen ist. Dadurch entsteht Raum für den Markt, seine Waffen neu zu laden und den Euro zu verkaufen.”

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