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Turm des Westminsterpalast in London: Experten befürchten, dass in jedem Fall eine Katastrophe auf die Briten zukommt, unabhängig davon, ob dem Abschied des Landes aus der EU ein Abkommen zugrunde liegt oder nicht.  | © Getty Images

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Kuddelmuddel auf dem Kontinent

Landesweite Unruhen, rationiertes Benzin, explodierende Kriminalität und nicht zuletzt ein Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten – was wie die Lage in einem Bürgerkriegsland klingt, droht offenbar einer der größten Volkswirtschaften der Welt. Analysten sagen dieses Szenario für das Vereinigte Königreich voraus, sollte es die Europäische Union ohne ein Abkommen verlassen. Erst auf Druck des Parlaments war Englands Premierminister Boris Johnson überhaupt bereit, das für den internen Gebrauch bestimmte Dokument zu veröffentlichen.

Nicht ohne eine letzte Finte: Aus dem im August noch als wahrscheinliches Szenario deklarierten Bericht machte die Regierung den schlimmsten anzunehmenden Fall, einen Worst Case, der wenig wahrscheinlich sein soll. Ein knappes Jahr zuvor warnte die Bank of England dagegen bereits vor der übelsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. In ihrer jüngsten Analyse legten die Notenbanker nach und berechneten, dass die Wirtschaftsleistung im Fall eines ungeregelten Abschieds innerhalb eines Jahres um 5,5 Prozent schrumpfen dürfte. Zugleich könnte das Britische Pfund ein Viertel seines Werts verlieren und die Inflation stark zunehmen, viele Arbeitsplätze könnten verschwinden. Die schwache Währung hat bereits Opfer gefordert. Zusammen mit der gedämpften Reiselust der Briten wurde sie dem Londoner Reiseveranstalter Thomas Cook zum Verhängnis, der im September Insolvenz anmelden musste. Für rund 600.000 Reisende, die zu diesem Zeitpunkt mit dem 1841 gegründeten Unternehmen unterwegs waren, endete der Urlaub abrupt.

Nicht wenige Experten befürchten ohnehin, dass in jedem Fall eine Katastrophe auf die Briten zukommt, unabhängig davon, ob dem Abschied des Landes aus der EU ein Abkommen zugrunde liegt oder nicht. Selbst für ein geregeltes Goodbye berechnete etwa die Bertelsmann-Stiftung einen britischen Wohlfahrtsverlust von immerhin 32 Milliarden Euro. Rund 57 Milliarden Euro wären es ohne Scheidungsvertrag. Davon bleiben die übrigen Staaten Europas nicht unberührt, allen voran Deutschland. Infolge des Brexit-Chaos ging der deutsch-britische Handel bereits merklich zurück. 2017 noch fünftwichtigster Partner Deutschlands, belegt Großbritannien inzwischen nur noch den siebten Rang. „Der Brexit ist bereits jetzt eine große Belastung für die deutsche Wirtschaft“, stellt DIHK-Präsident Eric Schweitzer fest.

Und das sind nur die hausgemachten Probleme. Die Konjunktur außerhalb Europas scheint ebenfalls schwach auf der Brust zu sein. So lastet der regelmäßig aufflammende Handelskrieg zwischen den USA und China schwer auf der Weltwirtschaft, was die Aussichten europäischer Exporteure noch mehr eintrübt. Weitere Gefahren gehen vom Zwist im Nahen Osten aus, dessen Eskalation den Ölpreis explodieren lassen kann, ebenfalls ein klassischer Konjunkturkiller. Angesichts dieser Perspektiven überrascht es wenig, dass Anleger derzeit kaum begeistert sind, ihr Geld in europäische Unternehmen zu stecken. Im Gegenteil: Sie trennen sich auf breiter Front von ihren Titeln.

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