Malte Dreher (Herausgeber)Lesedauer: 5 Minuten

Didier Saint-Georges von Carmignac „Europa geht stark aus der Krise“

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Glauben Sie an große Würfe der Politik?

Saint-Georges: Ja, ich bin sehr optimistisch. Aus einem recht einfachen Grund: Weil einfach etwas getan werden muss. Gerade in Italien und hier in Frankreich. Gerade bei uns Franzosen gibt es das große Bedürfnis nach einem Politikwechsel. Macron hat eine respektable Mehrheit, und er wird schnell vorangehen. Das ist ein großer Unterschied zu 1995. Da gab es eine vereinte Opposition, und Reformen hatten es schwer. Dem ist heute nicht so. Eine vergleichbare Entwicklung werden wir auch in Deutschland und Italien erleben. Bis diese Reformen aber einen Effekt haben, wird Zeit vergehen. Der Effekt auf die Marktstimmung könnte sich hingegen schon viel schneller bemerkbar machen.

Steht Europa eine goldenen Dekade bevor?

Saint-Georges: Die Möglichkeit besteht. Der große Gewinner der Finanzkrise 2008 in den USA waren die USA selbst. So merkwürdig das klingt. Europa galt als fragiles Konstrukt. Wackelig und vor dem Zusammenbrechen. Das Kapital floss in die US-Wirtschaft. Und heute? Europa ist stark, und das Kapital kommt langsam zurück. Da sind wir wieder bei der Währung. Nun braucht es die richtigen Projekte und Visionen. Aus einem Krisenmodus heraus ist noch nichts Großes entstanden. Die Chance haben wir nun.

Macron wurde wegen seines Programms und seines Willens zur Veränderung gewählt. Warum haben so viele Amerikaner für Donald Trump gestimmt?

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