Christoph Bruns ist Fondsmanager, Teilhaber und Vorstand bei Loys. Foto: Stefanie Preuin

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Teilhaber und Vorstand bei Loys. Foto: Stefanie Preuin

„Europa gleicht einer Großmutter"

Christoph Bruns über Dax, Dollar, Öl und globale Aktienmärkte

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Von den Kurskorrekturen der globalen Aktienmärkte bleibt auch der Dax nicht verschont. Bereinigt man die Dax Performance um die Dividenden, so steht der Dax aktuell in etwa auf dem Niveau des Jahres 1999. Eine große Entwicklung sei demnach aus der Sicht von Bruns nicht zu erkennen.

Wenn es um Fortschrittlichkeit und Entwicklung geht, sieht Bruns den MDax als deutlich attraktiver an. Aus seiner Sicht ist es im Übrigen auffällig, dass sich Dividenden immer mehr zum Couponersatz entwickeln.

Unabhängig von der Entwicklung des Landes findet Bruns japanische Unternehmen aufgrund attraktiver Bewertungen interessant.

Doch nicht nur die Aktienmärkte hat Bruns kritisch hinterfragt. Auch sieht er erste Anzeichen dafür, dass der Höhenflug des Dollars zeitnah enden wird. Dafür spreche aus seiner Sicht die schwache konjunkturelle Entwicklung der US Wirtschaft, sowie die nicht zur Entwicklung passende Geldpolitik der US Notenbank. Auch das Ende der Rohstoffbaisse hält Bruns nicht für unwahrscheinlich.

Besonderes Augenmerk legt Bruns auf die globalen Krisenherde. Der starke Preisverfall des Öls sei zyklischer Natur. Demnach könne der Verfall nicht ewig weitergehen und ein Umschwung wird früher oder später vollzogen werden. Wann genau dies der Fall sein werde sei jedoch nicht abzusehen.

Bruns hält eine Umstrukturierung der chinesischen Wirtschaft für unumgänglich. Vor allem bei der inländischen Kaufkraft sieht er Verbesserungspotenzial. Daher versteht Bruns zwar die Sorgen vieler Investoren, doch hält er Furcht und Hysterie für übertrieben und unangebracht, da China trotz allem eine starke Volkswirtschaft mit Entwicklungspotenzial ist.

Die Bankenkrisen sieht Bruns als nicht überwunden an. Amerikanische Banken haben mit vergebenen Ölkrediten zu kämpfen deren Rückzahlung noch in den Sternen steht. Vor allem europäische Banken sieht er in einer unvorteilhaften Position. Italienische Banken leiden unter faulen Krediten, die Deutsche Bank muss schwere Rückschläge hinnehmen und die Entwicklung der Royal Bank of Scotland ist beunruhigend.

Auch politisch gibt es zahlreiche Hürden zu überwinden. So sei Griechenland weiter reformunfähig, während der Ukrainekonflikt durch Stillstand geprägt ist. Deutschland sieht er als neues Sorgenkind an, da die Flüchtlingskrise mit dem aktuellem Kurs nicht zu bewältigen sei. Zwar führe diese kurzfristig zu gewissen Konjunkturimpulsen, doch langfristig sei die angewandte Strategie schädlich. Der demografische Wandel droht langfristig eine Schuldenkrise auszulösen.

Abschließend beschreibt Bruns Europa mit einem Zitat des Papstes: „Europa gleicht einer Großmutter, die weder fit, noch vital und nicht länger fruchtbar ist“. Zum Schluss hält Bruns fest: Größtes Problem ist der massive globale Zinsverfall. Hier sieht er, wie nicht anders zu erwarten, keine Alternativen zu Aktien. Zwar sei der Tiefpunkt wohl nicht erreicht, doch sieht er daher in Zukunft attraktive Preise winken. Wir sind gespannt! Diese Analyse erschien zuerst in DER FONDS ANALYST – dem zweimal monatlich erscheinenden Informationsdienst für professionelle Investmentstrategien in internationalen Aktien-, Renten- und Spezial-Fonds. Herausgeber ist die Greiff capital management AG, Investmentmanager und Analyst für fondsbasierte Anlagestrategien. Verantwortlicher Redakteur ist Edgar Mitternacht, Vorstand und Portfoliomanager weitere Redakteure: Volker Schilling, Vorstand und Portfoliomanager, und Robert Habatsch, Portfoliomanager. Unter https://twitter.com/DERFONDSANALYST können Sie DER FONDS ANALYST auf Twitter folgen.

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