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Autoproduktion bei VW Foto: IMAGO / STAR-MEDIA
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ESG im globalen Bewertungswettlauf

„Europa ist seinen Mitbewerbern bei Nachhaltigkeit voraus“

Maximilian Anderl, UBS Asset Management

Herr Anderl, europäische Aktien haben sich in der Vergangenheit im weltweiten Vergleich unterdurchschnittlich entwickelt. Warum erwarten Sie, dass sich das ändern wird?

Maximilian Anderl: Europäische Aktien beziehungsweise ihre Indizes sind vor allem aufgrund der schwachen Performance von Sektoren wie Banken und Energie schlechter gelaufen als der Weltmarkt. Aber die landläufige Meinung, dass der europäische Markt gleichbedeutend mit den Sektoren Finanzen und Energie ist, stimmt nicht mehr.

Stattdessen hat sich das Gesamtgewicht von Banken- und Energieaktien im MSCI Europe in den vergangenen zehn Jahren fast halbiert. Im Gegensatz dazu sind die Sektoren Gesundheitswesen, IT, Industrie und zyklische Konsumgüter am meisten gewachsen und machen heute fast die Hälfte der europäischen Indizes aus. Die heute deutlich durchmischtere Sektorenzusammensetzung bietet Anlegern eine viel bessere Auswahl an wachsenden, qualitativ hochwertigen Unternehmen.

Lohnt jetzt der Einstieg? Sind europäische Aktien derzeit attraktiv bewertet?

Anderl: Obwohl das Wachstum der europäischen Sektoren Gesundheitswesen, IT, Industrie und zyklische Konsumgüter eine höhere Bewertung europäischer Aktien rechtfertigen sollte, werden sie im Vergleich zu anderen entwickelten Märkten, wie zum Beispiel den USA, immer noch mit einem Abschlag gehandelt. Und nicht nur das: In den vergangenen Jahren hat sich die Bewertungslücke zwischen europäischen und US-amerikanischen Aktien deutlich vergrößert. Anleger sollten diesen Bewertungsunterschied als Kaufsignal betrachten: Europa ist aus zyklischer Sicht und nicht zuletzt auch wegen der sich verbessernden Stimmung rund um den Brexit gut positioniert, um von der wirtschaftlichen Erholung zu profitieren.

Wie stehen europäische Aktien im Vergleich zu Anleihen im Niedrigzinsumfeld da?

Anderl: Da die Zinsen mit großer Wahrscheinlichkeit noch länger niedrig bleiben, werden Bargeld und erstklassige Anleihen auf absehbare Zeit wohl negative Realrenditen liefern. Unternehmen hingegen, die seit langem eine sichere und nachhaltige Dividende zahlen, werden diese wahrscheinlich auch in Zukunft beibehalten.

Somit scheinen Aktien weiterhin chancenreicher als Anleihen, besonders wenn man die hohen Dividendenrenditen mit den extrem niedrigen Renditen von Staatsanleihen vergleicht. Und: Im Verhältnis zu den Dividendenrenditen in anderen Regionen überweisen europäische Unternehmen ihren Investoren hohe Ausschüttungen.

Viele Länder haben Konjunkturprogramme aufgelegt, um ihren Volkswirtschaften dabei zu helfen, sich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu erholen. Warum ist das so wichtig für Europa?

Anderl: Die finanzielle Feuerkraft, die wir vonseiten der EU sehen, ist beträchtlich. Noch wichtiger ist jedoch, dass es sich hier um eine gemeinsame Anstrengung aller Mitgliedsstaaten handelt und die vereinbarten Reformen auf einen langfristigen Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft abzielen. Dies dürfte nicht nur die fiskalische und institutionelle Integration innerhalb des Blocks vertiefen, sondern auch das Vertrauen der Investoren stärken und europäische Anlagen stabilisieren.

Mit den Reformen ist ein gewaltiges Maßnahmenpaket für mehr Nachhaltigkeit im europäischen Wirtschaftsleben geschnürt worden. Welche Rolle spielt Europa auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft?

Anderl: Wir sind der Meinung, dass Europa seinen globalen Mitbewerbern beim Thema Nachhaltigkeit voraus ist. Governance ist in den meisten europäischen Unternehmen seit vielen Jahrzehnten tief verwurzelt und im Zeichen der Corona-Pandemie wurde deutlich, wie wichtig das „S“ in ESG ist und welchen großen Stellenwert es in Europa hat.

Um die Umwelt viel stärker als bislang zu schützen, hat sich die EU verpflichtet, das Ziel der Kohlenstoffneutralität bis 2050 zu erreichen. Da die USA jüngst dem Pariser Abkommen wieder beigetreten sind und große Akteure wie Japan, Korea und China sich ebenfalls zur Kohlenstoffneutralität verpflichtet haben, sollten diese koordinierten Bemühungen auch auf andere Märkte rund um die Welt übergreifen.

Letzte Frage: Warum sollten sich Anleger nachhaltige Fonds von UBS Asset Management näher ansehen?

Anderl: Für Anleger, die nach Portfolios mit den besten Ideen in Europa suchen, bietet das Concentrated Alpha Equity Team eine Reihe von ESG-integrierten oder auf Nachhaltigkeit fokussierten Fonds inklusive wettbewerbsfähiger Track Records. Indem wir wesentliche Nachhaltigkeitsdaten mit unserem fundamentalen Verständnis von Unternehmen kombinieren, wollen wir für unsere Kunden besser informierte Anlageentscheidungen treffen.

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