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Experten-Produktcheck Europa verzichtet bei hohen Absicherungen auf ärztliches Zeugnis

Frederik Borchardt
Frederik Borchardt: Er ist der Experte in Sachen Risikolebensversicherung bei DAS INVESTMENT. | Foto: Borchardt Versicherungsmakler / Matthias Adams mit Canva

Die Europa hat für ihre Risikolebensversicherung zwei Änderungen angekündigt. Die eine betrifft eine wichtige Größe in den Annahmerichtlinien, die sogenannte ärztliche Untersuchungsgrenze. Bei der anderen geht es um einen kleinen Beitragsvorteil für Paare. Was ist von dem Update und dem Produkt selbst zu halten?

Was bei hohen Absicherungssummen zu beachten ist

Unter anderem wegen der Inflation sind die nachgefragten Absicherungshöhen für eine Hinterbliebenenabsicherung gestiegen. Gleichzeitig sind die Einkommen gewachsen, somit auch der Absicherungsbedarf. Darauf sollten, ja müssen Versicherer, soweit sie wettbewerbsfähig bleiben wollen, reagieren und ihre Annahmerichtlinien anpassen. Ob ein Versicherer mit seinem Tarif attraktiv für Kunden ist, hängt auch von der Frage ab, ab wann die normalen Fragen nicht mehr ausreichend sind und der Versicherer mehr Angaben verlangt, etwa in Form eines ärztlichen Zeugnisses.

Bei hohen Absicherungssummen versuche ich immer, das ärztliche Zeugnis zu vermeiden, notfalls, indem die gewünschte Versicherungssumme auf zwei Anbieter aufgeteilt wird. Die Aufteilung bringt allerdings auch Nachteile mit sich, etwa dass im Leistungsfall Ansprüche gegenüber zwei Unternehmen geltend gemacht werden müssen.

Neue Untersuchungsgrenze gehört zur Marktspitze

Die Europa gehört mit der neuen Regelung, nach der nun 650.000 Euro für Personen bis Alter 50 ohne ärztliches Zeugnis versichert werden können, zu den Anbietern am Markt, welche dieses Kriterium sehr gut erfüllen. Zuvor waren nur 400.000 Euro möglich. Nur für Personen ab Eintrittsalter 50 ist ab einer Versicherungssumme die Beantwortung der Risikofragen allein nicht ausreichend. Ein umfangreiches ärztliches Zeugnis ist aber auch dann erst ab 650.000 Euro Versicherungssumme erforderlich. Zwischen 500.000 bis 650.000 Euro sind einige allgemeine Fragen zum Gesundheitszustand zu beantworten, welche entweder der Hausarzt ausfüllt oder für die sich der Versicherte über den Medical Home Service (MHS) untersuchen lässt.

Höhere Untersuchungsgrenzen gibt es am Markt kaum. Die Europa zieht damit auch mit einem ihrer wohl größten Mitbewerber am Markt gleich. Die Hannoversche hatte die Untersuchungsgrenze Anfang 2024 ebenfalls auf 650.000 Euro angehoben. 

„Paar-Aktion“ ohne langfristigen Effekt

Die zweite Änderung ist die sogenannte „Paar-Aktion“. Dabei handelt es sich im Kern um einen Beitragsnachlass für den Abschluss von zwei Verträgen innerhalb der Familie. Er wird gewährt, wenn zwei Partner bis zum 31. Juli 2024 jeweils eine Risikolebensversicherung bei der Europa abschließen oder wenn bis zu dem Zeitpunkt ein zweiter Vertrag zu einem bereits bestehenden abgeschlossen wird. Jeder Versicherte erhält dann einen Beitragsnachlass in Höhe von 25 Euro geteilt durch die Laufzeit des Vertrages in Form eines Guthabens auf dem Beitragskonto.

Dieser Bonus sollte sicherlich nicht der Hauptgrund für die Tarifauswahl sein – es ist als eine Marketing-Aktion des Versicherers zu werten. Ein paar andere Gesellschaften – etwa die Baloise – bieten ähnliches an, dort aber dauerhaft und nicht als Aktion befristet auf wenige Wochen. Auf den Beitragsvorteil kann man in der Beratung aber sicherlich ganz gut im Zusammenhang mit den steuerlichen Vorteilen der „Über-Kreuz”-Versicherung, gerade bei unverheirateten Paaren, hinweisen.

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Ob aber derselbe Versicherer für beide Partner empfohlen werden kann, hängt von weiteren Kriterien, unter anderem von den Ergebnissen der Risikovoranfragen ab, keinesfalls nur von einem Mengenrabatt in Form eines Guthabens auf dem Beitragskonto. Insofern würde ich das Ganze eher kritisch sehen. Aus dem Kleingedruckten ergibt sich außerdem, dass die 25 Euro je Vertrag über zwei Jahre verrechnet werden, im ersten Kalender­jahr 15 Euro und im zweiten Kalender­jahr zehn Euro.

 

Europa überzeugt bei Beiträgen, Risikovoranfragen und Bedingungswerk

In meiner Beratungspraxis spielt die Europa eine vergleichsweise große Rolle. Das liegt zum einen an den oft sehr günstigen Beiträgen, guten bis sehr guten Entscheidungen von (medizinischen) Risikovoranfragen und den seit Jahren angebotenen Sonderaktionen mit vereinfachten Risikofragen. Über die Aktion bei Aufnahme eines Immobiliendarlehens mit nur zwei Gesundheitsfragen konnte man auch schon vor der Erhöhung der Untersuchungsgrenze bis zu einer Versicherungssumme von 800.000 Euro ohne ärztliches Zeugnis versichert werden. 

Auch die Bedingungsqualität der angebotenen Tarife der Europa ist im Marktvergleich aus meiner Sicht gut bis sehr gut. Die normalen Gesundheitsfragen, also jenseits von Sonderaktionen mit einfachen Gesundheitsfragen, sind im Vergleich ebenfalls gut. So gibt es keine Frage zu unbehandelten Beschwerden (Beschwerden ohne Arztbesuch). Die Abfragezeiträume sind marktüblich bis leicht überdurchschnittlich gut. Der Abfragezeitraum ambulant, auch bezüglich der Psyche, beträgt fünf Jahre. Eine Nachversicherungsgarantie und Verlängerungsoption (im Premium-Tarif) sind enthalten. Ein Zusatzbaustein mit einer Kapitalleistung bei Krebserkrankung kann gegen Mehrbeitrag eingeschlossen werden.

Schlanker Tarif ein Vorteil in der Risikoleben

Insgesamt sind die Tarife der Europa, was über die Kernanforderungen an eine Risikolebenspolice hinausgehende Leistungen angeht, eher schlank gehalten, was mir persönlich gut gefällt, weil die Kölner beim zentralen Thema Hinterbliebenenabsicherung bleiben und es nicht allzu sehr mit Leistungen anderer Versicherungsarten vermischen. Dieser Aspekt führt dazu, dass der Anbieter bei vielen Kunden einfach passt. Die Anhebung der Untersuchungsgrenze macht die Tarife der Europa nun nochmals etwas attraktiver.

Über den Autor:

Frederik Borchardt, Jahrgang 1977 ist Versicherungsmakler mit den Schwerpunkten Arbeitskraftabsicherung, Krankenversicherung und Risikoleben. Nach Abitur und einem abgebrochenen Jura-Studium wurde er Versicherungsfachmann nach § 34d GewO. Nach langjähriger Tätigkeit für das Maklerunternehmen des Vaters ist er seit 2024 Inhaber des Unternehmens Borchardt Versicherungsmakler in Frankfurt am Main.  Zwischenzeitlich arbeitete er auch als Autor und Berater für eine Weiterbildungsplattform.

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