Wenn man sein Portfolio europäisch ausrichten möchte, kommt man an den kleineren und mittleren Werten, sprich Small & Mid Caps, nicht vorbei. Die Anlageklasse hat zwar einige schwierige Jahre hinter sich, doch die Erholung, begonnen im Jahr 2025, setzt sich weiter fort, auch in der Breite. Wir stellen für dieses Segment den Bellevue Entrepreneur Europe Small (ISIN: LU0631859229) vor. Der Anlass könnte kaum passender sein: Der Fonds hat vor kurzem sein 15-jähriges Jubiläum gefeiert.
Beeindruckende Erfolgsbilanz
In einer Branche, in der zahlreiche europäische Aktienfonds einen Zeitraum von zehn Jahren am Markt nicht überleben, sind 15 Jahre bemerkenswert. Noch beeindruckender als das reine Überleben ist die historische Erfolgsbilanz: Seit seiner Auflegung im Juni 2011 erzielte der Fonds eine annualisierte Nettorendite von knapp 11 Prozent. Damit hat die Strategie ihre Benchmark (MSCI Europe ex UK Small) über den gesamten Zeitraum geschlagen und gehört im Vergleich zur Peergroup konstant zum obersten Quartil. Grund genug, das Konzept, den Prozess und das Team dahinter im Detail zu durch-leuchten.
Eingespieltes Trio
Ein aktiver Managementansatz steht und fällt mit der Erfahrung der handelnden Personen. Bei Bellevue wird der Fonds von einem eingespielten, paneuropäischen Team mit sich ergänzenden Sektorschwerpunkten geführt:
- Birgitte Olsen, CFA: Mit 31 Jahren Anlageerfahrung ist sie das Gesicht der Strategie. Sie kam 2008 zu Bellevue und verantwortet primär die Bereiche Industrie, Energie, Bau, Grundstoffe und Finanzen.
- Laurent Picard, SFAF: Er stieß 2018 zum Team (25 Jahre Branchenerfahrung) und fokussiert sich auf die Sektoren Technologie, Telekommunikation, Medien, Versorger sowie ESG-Themen.
- Eduardo Bravo: Der Neuzugang aus dem Jahr 2025 bringt 14 Jahre Erfahrung ein und deckt hauptsächlich die Sektoren Gesundheit, Basiskonsum und zyklischen Konsum ab.
Glaubwürdigkeit durch „Skin in the game“
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Anleger ist die finanzielle Ausrichtung des Managements. Bei Bellevue ist das Portfoliomanagement über ein klares Vergütungsmodell persönlich an der Strategie beteiligt: 50 Prozent der variablen Vergütung der Manager werden in Anteilen des Bellevue Entrepreneur Europe Small und/oder in Aktien der Bellevue Group ausgezahlt. Diese Anteile unterliegen einer vierjährigen Haltefrist. Damit sitzen Fondsmanager und Anleger buchstäblich im selben Boot.
Die Anlagephilosophie: Der Eigentümer-Vorteil im Fokus
Die Philosophie des Hauses Bellevue im Bereich „Entrepreneur-Investing“ beruht auf einer fundamentalen Erkenntnis: Eigentümergeführte Unternehmen agieren anders und häufig erfolgreicher als rein managergeführte Konzerne. Der Fonds investiert daher gezielt in europäische Small- und Mid-Cap-Unternehmen, bei denen mindestens zwei Drittel des Portfolios in eigentümer- oder familiengeführten Unternehmen allokiert sind. Bellevue definiert dies so, dass Gründer, Familien oder maßgebliche Großaktionäre mindestens 20 Prozent der Stimmrechte halten oder aktiv im Verwaltungsrat/Management vertreten sind. Und genau aus dieser Struktur ergeben sich wichtige langfristige Vorteile:
- Interessengleichheit: Die Eigentümer haben einen substanziellen Teil ihres privaten Vermögens im Unternehmen investiert. Der klassische „Principal-Agent-Konflikt“ (Manager gegen Aktionäre) wird dadurch eliminiert.
- Langfristige Vision: Unternehmerische Eigentümer denken in Generationen und nicht in Finanz-Quartalen. Sie sind bereit, auch in konjunkturell schwierigen Phasen antizyklisch zu investieren, um langfristig gestärkt aus Krisen hervorzugehen.
- Finanzielle Stärke: Solche Unternehmen zeichnen sich historisch durch konservative Bilanzen, überdurchschnittliche Margen und eine hohe Rentabilität des eingesetzten Kapitals (Roce) aus.
Die Stilrichtung
Ergänzt wird dieser Eigentümer-Fokus durch eine konsequente Stilunabhängigkeit und einen High-Conviction-Ansatz. Das Team schränkt sich nicht stur auf „Growth“ (Wachstum) oder „Value“ (Substanz) ein. Vielmehr wird das Portfolio flexibel und opportunistisch über die drei Stile Value, Garp (Growth at a reasonable price) und High Growth diversifiziert, um in jeder Marktphase die besten risikoadjustierten Renditen zu erzielen.
Der Investmentprozess
Der Investmentansatz des Fonds ist überwiegend diskretionär und wird durch tiefgehende quantitative Analysen gestützt und validiert. Der Bottom-up-Prozess filtert das europäische Nebenwerte-Universum systematisch, im Anlageuniversum befinden sich rund 2.000 Titel.
Das Team konzentriert sich bei Neuinvestitionen typischerweise auf Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 300 Millionen und 10 Milliarden Euro. Zudem wird eine durchschnittliche tägliche Handelsliquidität von mindestens einer Million Euro vorausgesetzt. Neben harten ESG-Ausschlüssen fließen erste qualitative Kriterien und makroökonomische Megatrends ein.
Fundamentalanalyse (Qualitativ & Quantitativ)
- Qualitativ: Die Auswahl der Einzeltitel erfolgt im Rahmen eines Bottom-up-Ansatzes und stützt sich auf eine Kombination aus qualitativen und quantitativen Analysen. Im qualitativen Auswahlprozess stehen insbesondere die Stabilität und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells, die Marktstellung des Unternehmens, eine solide Unternehmensführung (Corporate Governance) sowie die Kompetenz des Managements im Fokus. Bevorzugt werden Unternehmen mit langfristig orientierten Eigentümerstrukturen, beispielsweise durch Gründerfamilien oder bedeutende Ankeraktionäre. Ebenso spielen eine enge Interessenübereinstimmung zwischen Management und Anteilseignern sowie ein verantwortungsvoller und effizienter Einsatz des Kapitals eine wesentliche Rolle.
- Quantitativ: Finanzkennzahlen dienen der kritischen Überprüfung der These. Organisches Wachstum, Margenstabilität, Kapitalrendite (Roce), Cashflow-Generierung und die Bilanzstärke werden akribisch analysiert. Das Team bevorzugt Unternehmen mit einer Net-to-Cash-Position oder einer Verschuldung von weniger als 1 x Ebitda. Höhere Verschuldungsgrade erfordern einen klaren, plausiblen Entschuldungspfad.
- Innerer Wert und 30-Prozent-Sicherheitsmarge: Die Bewertung bildet das Herzstück. Das Team ermittelt für jeden Titel einen fairen, inneren Wert, der durch Basis-, Aufwärts- und Abwärtsszenarien modelliert wird. Ein Einstieg erfolgt in der Regel nur dann, wenn das rechnerische Aufwärtspotenzial gegenüber dem inneren Wert mindestens 30 Prozent beträgt. Gleichzeitig muss das Abwärtsrisiko klar begrenzt sein. Kennzahlen wie KGV, EV/Ebitda oder die Free-Cashflow-Rendite dienen dabei als analytische Werkzeuge und nicht als isolierte Kaufkriterien.
- Sukzessiver Positionsaufbau: Neue Positionen werden im Portfolio grundsätzlich schrittweise und opportunistisch aufgebaut. Ein starres „All-in“ gibt es nicht. Geschwindigkeit und Timing hängen eng von der Marktliquidität ab, um den Markteinfluss im Small-Cap-Bereich so gering wie möglich zu halten.
Portfoliokonstruktion
Das Ergebnis dieses Prozesses ist eine konzentrierte High-Conviction-Strategie mit typischerweise 35 bis 45 Werten. Die durchschnittliche Position liegt bei 2 bis 3 Prozent. Die größten Positionen nehmen bei Erstallokation maximal 3,5 bis 4,5 Prozent ein, können jedoch bei starker Wertentwicklung im Zeitverlauf darüber hin-auswachsen. Aktuell machen die Top-10-Positionen 32,9 Prozent des Portfolios aus, was die hohe Überzeugung des Teams unterstreicht.
Wächst ein Portfoliounternehmen durch seinen eigenen Erfolg über die Grenze von 10 Milliarden Euro Marktkapitalisierung hinaus, führt dies nicht automatisch zum Verkauf. Die 10-Milliarden-Schwelle gilt als Orientierung für Neuanlagen. Überzeugen fundamentale Daten und das Chance-Risiko-Verhältnis weiterhin, begleitet das Ma-nagement erfolgreiche „Gewinner“ auch in das Large-Cap-Segment.
Das Portfoliomanagement agiert völlig frei von Top-down-Vorgaben. Es gibt keine internen Mindest- oder Höchstgewichtungen für Branchen oder Regionen. Die Länder- und Sektorgewichte sind das reine Ergebnis des Bottom-up-Stockpickings. Die Bench-mark dient ausschließlich als Performance- und Risikoreferenz, nicht als Konstruktions-Vorlage.
Verkaufsgründe
Der Fonds verfolgt eine klar definierte Verkaufsdisziplin sowohl auf der Aufwärts- als auch auf der Abwärtsseite, die auf expliziten Bewertungszielen basiert. Für jede Beteiligung legt das Investmentteam einen Zielkurs auf Basis des inneren Werts fest, der wiederum durch Basis-, Aufwärts- und Abwärtsszenarien unterlegt ist. Die Positionsgrößen sowie Portfolioentscheidungen orientieren sich am erwarteten Chance-Risiko-Profil im Verhältnis zu diesem Zielkurs. Dabei handelt es sich jedoch nicht um starre oder öffentlich kommunizierte Kursziele.
Auf der Aufwärtsseite werden Positionen in der Regel reduziert oder verkauft, wenn sie sich dem Zielkurs annähern oder ihn erreichen und das verbleibende Aufwärtspotenzial das eingegangene Risiko nicht mehr rechtfertigt oder im Vergleich zu anderen Investmentmöglichkeiten unattraktiv erscheint. Auf der Abwärtsseite wird die Investmentthese überprüft. Ist sie strukturell beeinträchtigt, werden der innere Wert und die Zielkurse neu bewertet. Ergibt sich daraus kein überzeugendes Chance-Risiko-Verhältnis mehr, wird die Position veräußert.
Währungsabsicherung
Fremdwährungsrisiken (wie gegenüber dem Schweizer Franken, dem Britischen Pfund oder den skandinavischen Währungen) werden auf Portfolioebene nicht systematisch abgesichert. Währungen werden nicht als Alpha-Quelle betrachtet, sondern das Risiko wird als integraler Bestandteil des jeweiligen Unternehmensinvestments akzeptiert. Für Anleger stehen jedoch währungsgesicherte Anteilsklassen zur Verfügung.
Das Risikomanagement
Die Risikosteuerung bildet ein Fundament der Anlagestrategie und zielt primär darauf ab, dauerhafte Kapitalverluste zu verhindern. Die tragenden Säulen dieses Ansatzes umfassen eine detaillierte fundamentale Analyse, eine konsequente Bewertungsdisziplin, eine hohe Finanzkraft der Zielunternehmen sowie einen strukturierten Portfolioaufbau. Die Risikoanalyse erfolgt dabei sowohl für die einzelnen Vermögenswerte als auch für das Gesamtportfolio.
Bei der Betrachtung einzelner Werte startet der Prozess mit einer fundierten qualitativen und quantitativen Analyse. Dadurch sollen strukturelle Schwachstellen aufgedeckt, die Eignung und Motivation der Unternehmensführung eingeordnet sowie die finanzielle Stabilität der Unternehmen überprüft werden. Ein besonderer Fokus liegt auf einer gesunden Bilanzstruktur und der Begrenzung potenzieller Einbußen.
Käufe werden grundsätzlich nur getätigt, wenn der aktuelle Preis einen angemessenen Bewertungsabschlag beinhaltet. Strenge Kriterien bei der Bewertung sowie das Durchspielen von Negativszenarien steuern die Gewichtung der Positionen und deren laufende Kontrolle.
Wenn man sich das Risikomanagement auf Portfolioebene betrachtet, erfolgt die Risikosteuerung mittels einer breiten Streuung über Unternehmen, Sektoren und Geschäftsmodelle, disziplinierte Positionsgrößen sowie eine konsequente Berücksichtigung der Liquidität. Die kontinuierliche Überwachung des Portfolios sowie die regelmäßige Überprüfung der Investmentthesen stellen sicher, dass Risiken frühzeitig erkannt und bei veränderten Rahmenbedingungen entsprechend adressiert werden.
Eine zusätzliche unabhängige Kontrollinstanz bildet die zentrale Risk-Management-Funktion von Bellevue Asset Management. Sie überwacht die Einhaltung sämtlicher Anlagerichtlinien, die Liquidität und die Risikokennzahlen auf Portfolioebene und ergänzt den Investmentprozess um eine weitere unabhängige Kontrollinstanz.
Wann läuft es besonders gut und wann nicht?
Die Strategie entfaltet ihre Stärken vor allem in Marktphasen, in denen europäische Aktien und speziell Small & Mid Caps stark nachgefragt sind. Da das Team einen hochflexiblen, stilunabhängigen Ansatz pflegt (Value, Garp und Growth nebeneinander), kann sich der Fonds in unterschiedlichen Markt- und Faktorumfeldern behaupten. Er ist nicht auf die Outperformance eines einzelnen Anlagestils angewiesen, sondern profitiert in breiten Aufwärtsphasen vom erfolgreichen Stockpicking.
Herausfordernd für das Konzept sind Marktphasen, die von ausgeprägter Risikoaversion (Risk-off) oder sehr geringer Marktliquidität geprägt sind. In Zeiten von globalen Panikverkäufen oder extremen Liquiditätsengpässen neigen Investoren dazu, Nebenwerte pauschal und unabhängig von ihren fundamentalen Qualitäten zu veräußern. Obwohl sich das Investmentteam auf die Ertragskraft der einzelnen Unternehmen konzentriert, kann sich der Fonds in solchen Phasen den makroökonomischen Kapitalströmen und marktbreiten Abwertungen nicht vollständig entziehen.
Nachhaltigkeit (ESG): Artikel 8 mit klarem Profil
Der Fonds wird gemäß der europäischen Offenlegungsverordnung als Artikel-8-Produkt klassifiziert. Der ESG-Ansatz von Bellevue basiert nicht auf starren, automatisierten Ausschlussfiltern, sondern ist tief in die fundamentale Analyse integriert. Neben weitreichenden Ausschlüssen wie Verstößen gegen den UN Global Compact, Menschenrechte oder kontroversen Waffen nutzt das Team MSCI ESG-Research und bewertet die ESG-Risiken im Rahmen eines eigenen „Entrepreneur Scorings“. Mehr als die Hälfte des Portfolios weist ein MSCI ESG Rating von AA oder AAA auf.
Portfolio-Struktur
Der Fonds hält einen Median in der Marktkapitalisierung von rund 3 Milliarden Euro. Anhand der Einzeltitel wird der Fokus auf Nischenmarktführer mit starken Bilanzen deutlich. Rund 27 Prozent des Portfolios ist aktuell in Unternehmen investiert, die eine Netto-Cash-Position aufweisen. Das Portfolio zeigt eine aktive Positionierung, die sich deutlich von klassischen, benchmark orientierten Produkten abhebt (Active Share rund 90 Prozent).
Qualität und Disziplin zahlen sich aus
Das 15-jährige Jubiläum des Bellevue Entrepreneur Europe Small beweist eindrucksvoll: Die konstant überdurchschnittlichen Ergebnisse sind kein Zufall, und der Fokus auf familien- und eigentümergeführte Unternehmen ist keine Marketing-Floskel, sondern ein wissenschaftlich und praktisch bewährter Performance-Bringer. Durch die Kombination aus hoher operativer Qualität, soliden Bilanzen und einer aktiv gelebten Verkaufs- und Bewertungsdisziplin hat sich der Fonds seine Lorbeeren absolut verdient.
Die enge Verzahnung des Portfoliomanagements mit der Strategie („Skin in the game“) sowie die Unabhängigkeit von starren Länder- und Sektorgrenzen machen den Fonds zu einem erstklassigen, aktiv gemanagten Portfolio-Baustein für das europäische Neben-werte-Segment.
- Sektor: Aktienfonds Small & Mid Cap Europa
- Auflegung: 30.06.2011
- Ertragsverwendung: thesaurierend
- Fondsgesellschaft: Waystone Management Company (Lux)
- ISIN: LU0631859229
- Performance YTD: 12,46%
- Performance 1 Jahr: 16,53%
- Performance 3 Jahre: 56,48%
- Performance 5 Jahre: 27,26%
- Performance 10 Jahre: 128,35%
- TER: 2,20%
- Volumen in Mio. EUR: 187