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Gute Aussichten für Anleger Wie Europa den Krisen trotzt und warum das größte Risiko von den USA ausgeht

Schornstein eines Mehrfamilienhauses an einem kalten Wintertag in Stuttgart
Schornstein eines Mehrfamilienhauses an einem kalten Wintertag in Stuttgart: In Deutschland haben die Haushalte ihren Gasverbrauch um 26 Prozent gesenkt. | Foto: Imago Images / Arnulf Hettrich

Anleger waren ursprünglich nicht auf ein glückliches Jahr 2023 eingestellt: Die Inflation und die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen haben sie dazu veranlasst, für dieses Jahr eine Rezession zu erwarten. In den USA wird zwar lediglich eine Stagnation erwartet, dank hoher Sparguthaben der US-Verbraucher und eines dynamischen Arbeitsmarktes – verglichen mit der erwarteten Rezession in Europa eine beneidenswerte Position.

Der Konsens geht von zwei Quartalen mit negativem Wachstum im Winter 2022/23 und einem Wachstum von -0,1 Prozent für das gesamte Jahr aus. Unser Team war seit Beginn des Krieges in der Ukraine sogar noch pessimistischer und rechnete mit einem Rückgang des BIP um ein Prozent in diesem Jahr, da billige Energie aus Russland fehlt und die Einschränkung bei der Versorgung hieß, dass die Energieknappheit die Wirtschaftstätigkeit beeinträchtigen würde.

Glück gehabt: Stagnation statt Rezession

Agnes Belaisch, Barings

Doch eine ungewöhnliche Kombination aus Glück und Angst führte zu dem notwendigen Rückgang der Energienachfrage und hat dadurch den Schmerz begrenzt: Erstens lagen die Temperaturen glücklicherweise 8 Grad Celsius über dem 30-jährigen historischen Winterdurchschnitt.

Zweitens haben die Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Energieknappheit ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Botschaft “Ich reduziere, ich schalte ab, ich verzögere“, die beispielsweise in den französischen Medien lanciert wurde, sowie die “EcoWatt“-Handy-App zur Warnung vor bevorstehenden Energienotfällen, die an erst kürzlich gelöschte Covid-Apps erinnerte, signalisierten der Bevölkerung, wie wichtig es ist, in Sachen Energiedisziplin zusammenzuhalten.

Die Angst vor Stromausfällen in der dunklen Jahreszeit erwies sich als wirksamer als höhere Preise, um die Energieeffizienz zu steigern. Selbst im stark exponierten Deutschland haben die Haushalte ihren Gasverbrauch um 26 Prozent und die Industrie sogar um 34 Prozent gesenkt. Soviel Glück hat Europa nicht jeden Tag.

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Wir sind nun optimistischer. Die Wirtschaftstätigkeit wird wohl im gesamten Jahr 2023 nicht schrumpfen. Bei jedem Wetter dürfte noch genügend Energie vorhanden sein, um eine Rationierung in diesem Winter zu vermeiden. Die Lagerbestände werden zum Ende des Winters auch höher sein, so dass sie für den nächsten Winter leichter wieder aufgefüllt werden können.

Da die Rationierung entfällt und die Verringerung der Energienachfrage durch wärmere Temperaturen und nicht durch eingeschränkte Wirtschaftstätigkeit erreicht wird, ändert sich die Prognose für 2023 von einem Rückgang der Wirtschaftstätigkeit nun in Richtung einer Stagnation.

2024 stabilisiert sich die Inflation

Da sich die Preise weiter an die teurere Energie anpassen, wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Politik weiter straffen. Teurere Energieträger in einem weltweit begrenzten Angebotsumfeld bedeuten, dass sich das allgemeine Preisniveau im Laufe des Jahres nach oben korrigieren muss, denn die Verbraucherpreise müssen die höheren Kosten decken. Diese Umstellung könnte das ganze Jahr dauern, unter anderem wegen der steigenden Energienachfrage in China, die sich nach den Produktionsstopps wieder einpendelt, bevor sich die Inflation im Jahr 2024 wieder auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.

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