Uwe Zöllner, Manager des Franklin European Dividend Fund

Uwe Zöllner, Manager des Franklin European Dividend Fund

Europäische Aktien

„Erstmals wieder Tendenz zu positiven Gewinnrevisionen“

//
Herr Zöllner, viele Unternehmen haben mittlerweile ihre Zahlen fürs erste Quartal 2015 veröffentlicht. Wie läuft die Berichtssaison in Europa?

Uwe Zöllner: Mehr als die konkreten Ergebnisse beschäftigen zurzeit die Analystenerwartungen das Geschehen. Seit Beginn des Jahres 2015 zeichnet sich erstmals eine Tendenz ab, dass Gewinnrevisionen wieder nach oben gehen, dass also vorsichtigere Schätzungen durch einen optimistischeren Ausblick ersetzt werden. Das ist eine neue Erfahrung für Europa nach fast vier Jahren andauernder negativer Revisionen und lässt hoffen für das Börsenjahr 2015.

Gab es böse Überraschungen für Sie bei den Ergebnisveröffentlichungen?

Wir hatten vereinzelt negative Überraschungen für Unternehmen aus unserem Portfolio. Zum Beispiel bei TGS Nopec. Bei dem norwegischen Anbieter geowissenschaftlicher Daten für Unternehmen in der Sparte Öl- und Gasexploration haben die niedrigeren Ölpreise für einen starken Nachfrageeinbruch gesorgt. Interessanterweise reagierten die Märkte nur kurzfristig negativ, und die Rückschläge konnten in sehr kurzer Zeit wieder aufgeholt werden. Noch richten die Märkte ihr Augenmerk auf die Zukunft und betrachten Rückschläge als vorübergehend.

Das heißt, es gibt zurzeit wichtigere Treiber oder Bremsen für die Aktienmärkte, die die Unternehmensergebnisse überlagern?

Mehr als für die tatsächlichen Quartalszahlen interessieren sich die Marktteilnehmer im Augenblick für die Frage, wie sich die Weltkonjunktur entwickelt. In den vergangenen Monaten wurden die europäischen Börsen beflügelt von der Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne in Europa. Grund dafür waren niedrigere Ölpreise, nachlassender Druck in einigen Krisenstaaten, zum Beispiel in Spanien, aber insbesondere der festere Dollar. Vor allem stieg die Hoffnung auf höhere Exporte in die USA, wo sich immer stärker eine wirtschaftliche Erholung durchsetzt.

Dieser Optimismus ist jetzt schon wieder vorbei?

Nach der ersten Euphorie beobachten die Börsianer nun aufmerksam, ob sich die USA halten können oder wieder das Risiko einer Abschwächung besteht. Die Unsicherheiten an den Bond-Märkten sind als zusätzlicher Belastungsfaktor ins Spiel gekommen. Wir betrachten dies in erster Linie als eine Konsolidierungsphase und sehen den kommenden Monaten weiterhin optimistisch entgegen. Allerdings würde es mich nicht wundern, wenn wir für eine Weile verstärkte Unsicherheit und stärkere Kursschwankungen erleben. Der kurzfristige Nachrichtenstrom birgt ja immer mal wieder unvorhersehbare Überraschungen, die dann die eher kurzfristig orientierten Marktteilnehmer verunsichern. Wir beobachten dies genau, um gegebenenfalls die sich bietenden Kaufgelegenheiten zu nutzen.

Das zweite Quartal neigt sich schon langsam dem Ende zu. Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Werden die Zahlen zum zweiten Quartal besser, schlechter oder ähnlich ausfallen?

Solche kurzfristigen Vorhersagen sind immer mit einer Menge Unsicherheiten behaftet, weshalb wir unsere eigene Anlagestrategie nie auf solche kurzfristigen Betrachtungen abstellen. Ich denke aber, dass wir in den Zahlen zunehmend die bereits erwähnten positiven Einflüsse reflektiert sehen werden und würde auf eine weitere Verbesserung der Ergebnisse tippen.

Wo liegen die Risiken für europäische Aktien?

Es gibt durchaus Herausforderungen. Die Geopolitik dürfte die Stimmung und das Wirtschaftswachstum belasten. Wir gehen davon aus, dass die Performance in den einzelnen Sektoren und Ländern weiterhin stark variiert. Schließlich wirken sich niedrige Ölpreise und ein schwacher Euro unterschiedlich auf verschiedene Marktbereiche aus. Insgesamt bleiben wir für den Rest des Jahres jedoch optimistisch für europäische Aktien. Wir meinen, dass nicht die Wette auf ein einzelnes makroökonomisches Thema zum Anlageerfolg führt, sondern Stockpicking für die Wertentwicklung in diesem Jahr entscheidend sein wird. Wir versuchen die Marktvolatilität für Zukäufe in Unternehmen zu nutzen, die unserer Einschätzung nach starke und nachhaltige Wettbewerbsvorteile, gesunde Bilanzen und kräftige Cashflows vorweisen können. Gern können diese auch aus unpopulären Marktsegmenten kommen.

Mehr zum Thema
nach oben