Europäische Aktien

Europäische Aktien mit Bewertungsabschlägen

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Europäische Aktien konnten zu Beginn des Jahres deutlich zulegen. Die Investoren honorierten damit die erwarteten quantitativen Lockerungen der Europäischen Zentralbank (EZB). EZB-Chef Mario Draghi kündigte anschließend einen Plan zum Ankauf von Euro-Staatsanleihen an. Das Programm sieht Wertpapierkäufe im Volumen von 60 Milliarden Euro monatlich vor. Damit fiel es umfangreicher aus als erwartet. Unter dem Eindruck der geldpolitischen Expansion fiel der Euro auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt.

Gegenwind für die Märkte entfachten allerdings Nachrichten aus Politik und Konjunktur. So gewann eine linksorientierte Partei die Parlamentswahlen in Griechenland. Dies löste Sorgen aus, dass populistische Strömungen auch andere schuldengeplagte Nationen erfassen und destabilisieren könnten. Außerdem senkten Weltbank und Internationaler Währungsfonds ihre Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum in den Jahren 2015 und 2016. In den USA blieb der Aufschwung im vierten Quartal 2014 unterdessen hinter den ursprünglichen Prognosen zurück, während China im vergangenen Jahr mit 7,3 Prozent so schwach wuchs wie seit 24 Jahren nicht mehr.

Rückenwind für Defensivtitel

Im Branchenvergleich neigten antizyklische Sektoren zur Stärke. Überdurchschnittlich entwickelten sich vor allem ausgewählte Unternehmen aus der Gesundheitsbranche. Besonders große Freude bereitete abermals der Biotech-Sektor. Dieser zeigte in den vergangenen Jahren generell solide Wertzuwächse. Zahlreiche Branchenunternehmen konnten Forschungserfolge vorweisen. Außerdem verfügten sie über eine hohe Preissetzungsmacht. Nachahmerpräparate – sogenannte Biosimilars – haben bisher nicht zu einer Erosion der Branchenumsätze geführt.

Verschiedene Unternehmen aus den Sektoren Energie und Grundstoffe überzeugten ebenfalls. So konnte sich ein portugiesisches Ölunternehmen von seinen Tiefständen lösen. Die Gesellschaft meldete für das vierte Quartal 2014 ein solides Wachstum seiner Fördermengen. Die Aktie eines niederländischen Chemiekonzerns stieg auf den höchsten Stand seit Jahren. Das Unternehmen berichtete zum wiederholten Mal über Verbesserungen in allen Geschäftsbereichen und auch über höhere Margen. Die Gesellschaft profitierte zudem vom gefallenen Ölpreis, auf den rund 95 Prozent seiner Material- und Energiekosten entfielen.

Ausblick: Biotechnologie-Unternehmen auf dem Vormarsch

Die gesunkenen Energiepreise stellen gleichwohl keinen Grund dar, Aktien aus dem Energiesektor generell zu meiden. Vielmehr sollte die weitverbreitete Furcht vor einer Übersättigung des Ölmarktes attraktive Einstiegsgelegenheiten für langfristig orientierte Value-Anleger bieten. Zahlreiche Titel aus diesem Sektor notierten in der letzten Zeit auf historischen Tiefständen. Zwar kann niemand genau vorhersagen, wann Energieaktien wieder in höhere Regionen vorstoßen. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass dies im Verlaufe langfristiger Anlagezeiträume geschehen wird.

Auch Biotechnologie-Unternehmen sehen wir nach wie vor positiv. Einige dieser Gesellschaften dürften ihr Geschäftsvolumen weiterhin mit prozentual zweistelligen Zuwachsraten steigern können. Das wertschaffende Potenzial dieser Unternehmen spiegelt sich vielfach noch immer nicht in den aktuellen Bewertungen wider.

Europäische Aktien verfügen auch insgesamt über weiteres Potenzial. Sie werden nach wie vor mit Bewertungsabschlägen gehandelt – und das zu einer Zeit unmittelbar bevorstehender quantitativer Lockerungen der EZB. Wer günstige Titel aus Europa nach dem Bottom-up-Prinzip selektiert, sichert sich eine gute Position für langfristige Wertzuwächse.