Europäische Aktien

Stärkste Rally seit 2009 erwartet

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Der Stoxx Europe 600 Index wird 2015 etwa 18 Prozent zulegen, ergab der Durchschnitt aus neun Schätzungen, die Bloomberg zusammengestellt hat. Damit würde sich der europäische Aktienindex besser entwickeln als amerikanische Titel und den verlorenen Boden nach Chinas Yuan-Abwertung im August wieder komplett aufholen. Um dies zu erreichen, ist ein Kurssprung von 13 Prozent in weniger als vier Monaten nötig. Für den Standard & Poor’s 500 Index wird für dieses Jahr ein Zuwachs von 6,9 Prozent prognostiziert. „Die Wette auf Europa fußt darauf, dass die Gewinne besser als im Rest der Welt ausfallen werden. Und wenn man sich die Bewertungskennzahlen anschaut, scheint der Markt das nicht einzupreisen“, sagte Dennis Jose, Aktienstratege für Europa bei Barclays in London, telefonisch gegenüber Bloomberg. „Es scheint Skepsis zu herrschen, wenn man sich anschaut, wie Europa im Verhältnis zu anderen Regionen bewertet wird, doch wir glauben, dass sich die Ertragskraft verbessern wird.“ Die Gewinne der Unternehmen im Stoxx Europe 600 werden dieses Jahr voraussichtlich um 35 Prozent zulegen, zeigen Daten von Bloomberg. Im Vergleich dazu dürfte sich der Anstieg bei den Firmen im S&P 500 auf 4,6 Prozent belaufen und bei den Mitgliedern im MSCI Emerging Markets Index auf 2,4 Prozent. Das europäische Kurs-Buchwert-Verhältnis ist relativ zu den USA so günstig wie seit 1975 nicht mehr, erklärte Jose. Europäische Aktien werden das Jahr im Schnitt wohl bei einem Stand von 1,74 beenden, was das niedrigste Niveau seit 2012 wäre, verglichen mit einem Verhältnis von 2,5 bei US- Unternehmen. Außerdem wird Chinas wirtschaftliche Abkühlung allmählich verlaufen und von dem Wachstum in Europa aufgewogen werden, erwarten Barclays und Société Générale. Die europäischen Unternehmen werden den Anlegern die weltweit besten Erträge liefern, weil sie von wachsenden Volkswirtschaften, einem schwächeren Euro und niedrigeren Energiepreisen profitieren, erklärte Roland Kaloyan, Leiter europäische Aktienstrategie bei Société Générale. „Um eine Wein-Metapher zu benutzen: es wir ein Prädikatsjahr für europäische Aktien“, sagte Kaloyan telefonisch aus Paris. „Wir sehen mehr Aufwärtspotenzial in der Eurozone als im Rest der Welt.“
Doch nicht alle sind so optimistisch. Chefökonom Willem Buiter von Citigroup sagte für die nächsten paar Jahre eine globale Rezession voraus. Diese werde wahrscheinlich von den Schwellenländern ausgehen; besonders China drohe eine harte Landung, schrieb er letzte Woche in einem Bericht. Jose von Barclays und Kayolan von SocGen gehören zu den zuversichtlichsten Strategen in der Umfrage. Für den Benchmark- Index prognostizieren die beiden zum Jahresende einen Stand von 430 beziehungsweise 400 Punkten. Die höchste Schätzung gab UBS Group mit 440 Zählern ab, während ING Groep NV dem Index mit 360 am wenigsten zutraut. Die Differenz zwischen den optimistischsten und weniger zuversichtlichen Prognosen hat sich im Vergleich zu der Umfrage vom Juli auf 80 Punkte verdoppelt. Analyst Michael Kopmann von der DZ Bank hält europäische Aktien für attraktiv, nachdem sie aufgrund der Griechenland- Krise und der Abwertung des chinesischen Yuan von ihrem Hoch aus um 14 Prozent abgerutscht sind. „Da wir jetzt eine Korrektur erlebt haben, erhalten wir bei europäischen Aktien gute Bewertungen“, sagte Kopmann. „Nach der Korrektur fangen die Anleger an sich zu fragen, wie viel tiefer der Markt noch fallen kann. Das ist der Punkt, an dem die fundamentale Lage wieder in den Fokus rückt, und wir sehen dort gute Argumente, die einen Anstieg unterstützen.“

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