Markus Peters, Senior Portfoliomanager Fixed Income, AB

Markus Peters, Senior Portfoliomanager Fixed Income, AB

Europäische Anleihen

AB Income Studie: Zuversichtliche Berater, skeptische Kunden

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DAS INVESTMENT.COM: Herr Peters, in Ihrer Umfrage haben Sie 2.000 Berater und Investoren global befragt, davon 500 in Europa. Mal allgemein gefragt: Beeinträchtigt die Niedrigzinsphase die Stimmung?

Markus Peters: Das kann man wohl sagen. Viele Anleger befürchten, dass sie ihr angestrebtes Ziel, stetige und attraktive Einkünfte zu erzielen, möglicherweise nicht erreichen. Dieser Pessimismus kontrastiert stark mit der Auffassung von Finanzberatern, die nach ihrer Selbsteinschätzung die Erwartung ihrer Kunden sehr wohl erfüllen können.

Eine erstaunliche Diskrepanz.

Peters: In Europa klaffte die Lücke zwischen Berater- und Kundeneinschätzung am weitesten auseinander. Hier schätzten 79 Prozent der Anlageberater ihre Fähigkeit, die Renditeerwartungen ihrer Kunden zu erfüllen, positiv ein. Die Kunden hingegen waren deutlich weniger zuversichtlich – nur 26 Prozent stimmten dieser Einschätzung zu.

Global zeigten sich sieben von zehn Beratern zuversichtlich, angemessene Erträge erzielen zu können. Im Gegensatz zu 61 Prozent der Kunden, die befürchteten, sie könnten ihre Ertragsziele verfehlen.

Das liegt aber doch sicherlich daran, dass die aktuellen Nullzinsen die Schlagzeilen bestimmen…

Peters: Nicht ausschließlich. Ein weiterer Grund kann darin liegen, dass Finanzberater und Kunden einen unterschiedlichen Kenntnisstand zu Produktlösungen im derzeitgen Marktumfeld haben. Die AB-Umfrage zeigte nämlich auch, dass in Europa weniger als ein Drittel der Anleger ein Gespräch mit ihrem Finanzberater über ihre Einkommensstrategie geführt hatten. In anderen Regionen, beispielsweise in den USA, wurde dieses Thema intensiver angegangen. Entsprechend höher fiel die Zuversicht der US-Anleger aus, das gewünschte Einkommen zu generieren.

Sind häufigere und intensivere Gespräche also die Lösung?

Peters: Reden ist sicher gut, Handeln sollte man aber auch. Denn es gibt ja noch ein ganz objektives Problem: In den vergangenen Jahrzehnten lagen die mit sicheren Anlagen erzielbaren Renditen massiv über den heutigen Niveaus. Um ein paar Prozentpunkte Rendite im Jahr zu erzielen, reichte es traditionell aus, in Bankeinlagen und Staatsanleihen zu investieren. Diese Zeiten sind vorbei und kommen vermutlich auch so schnell nicht wieder.

Wieso nicht?

Peters: Die Notenbanken haben zwar die Zinsen erfolgreich niedrig gehalten. Mit dem Ansinnen, die Konjunktur in ihren Ländern anzukurbeln, tun sich die Währungshüter jedoch deutlich schwerer. Das gilt besonders für Europa. Es ist somit wahrscheinlich, dass uns die derzeitige Niedrigzinsphase noch für einen längeren Zeitraum erhalten bleibt. Der traditionelle Anlageansatz hat somit heute ausgedient.

Wie können Anleger auf diese Situation reagieren?

Peters: Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass die meisten Investoren größten Wert auf verlässliche Einkünfte bei stabiler Entwicklung ihres eingesetzten Kapitals legen. Um dieser Idealvorstellung bestmöglich zu entsprechen, präferieren wir eine umsichtig ausbalancierte Strategie. Mit einem Portfolio aus beispielsweise Staatsanleihen, und High Yield-Rentenpapieren kann der Spagat zwischen Sicherheit und Ertragsgenerierung gelingen. So können selektierte Hochzinsanleihen überdurchschnittliche laufende Erträge und mögliche Wertzuwächse bieten. Die Staatsanleihen sollen dann für Stabilität im Portfolio sorgen. Durch eine aktive Allokation zwischen diesen Marktsegmenten lässt sich das Chance-Risiko-Profil eines entsprechend diversifizierten Portfolios sodann noch weiter verbessern.

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