Ulrike Kastens ist Analystin Volkswirtschaft, Sal. Oppenheim

Ulrike Kastens ist Analystin Volkswirtschaft, Sal. Oppenheim

Europäische Währungsunion

Investitionen werden 2015 schwach bleiben

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Auch wenn der deutliche Rückgang der Ölpreise einen Kaufkraftgewinn für Verbraucher darstellt und von fiskalischer Seite kein Gegenwind aufkommen wird, so bleiben unsere Prognosen für die Eurozone insgesamt doch sehr verhalten.

Dies liegt entscheidend an den zunehmenden Divergenzen zwischen den einzelnen Staaten der EWU. Positiv fallen vor allem die Länder der Peripherie auf, die sich nicht zuletzt aufgrund einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit auf einem moderaten Wachstumskurs befinden.

An erster Stelle sind in diesem Zusammenhang Irland und vor allem Spanien zu nennen. Letztere können durch eine Reduktion ihrer Lohnstückkosten Exporterfolge vorweisen, was sich auch positiv auf die Binnennachfrage auswirkt.

Frankreich und Italien fallen weiter zurück, Deutschland mit weniger Dynamik

Dagegen fallen zwei wichtige Kernländer der Eurozone weiter zurück: Frankreich und Italien befinden sich in einer Phase der Stagnation. Der neue italienische Ministerpräsident kündigt zwar viele Reformen an, sie bleiben aber vielfach im Dickicht der staatlichen Ineffizienz stecken.

Auch Frankreich kommt nur sehr zögerlich voran. Die Maßnahmen zur Deregulierung von freien Berufen sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch die wesentlichen Probleme des Arbeitsmarktes mit einer sehr hohen strukturellen Arbeitslosigkeit stehen nicht auf der politischen Agenda.

Deutschland wird sich 2015 im Mittelfeld der EWU befinden. Während die niedrigen Zinsen und die solide Verfassung des Arbeitsmarktes dem privaten Verbrauch weitere Impulse geben, werden Investitionen weiter schwach bleiben wegen der generellen Nachfrageschwäche in Europa. Insgesamt rechnen wir daher 2015 in der Eurozone nur mit einem BIP-Wachstum von 0,9 Prozent, nur unwesentlich mehr als in diesem Jahr. Insofern bleibt der Ausblick weiter enttäuschend.

EZB weiter auf Expansionskurs

In einem solchen konjunkturellen Umfeld wäre es notwendig, dass Geld- und Fiskalpolitik an einem Strang ziehen. Eine aktive Konjunkturpolitik von Seiten der Staaten entfällt aber wegen der hohen eigenen Verschuldung. Mit dem Juncker-Plan sollen gerade Infrastrukturinvestitionen angeschoben werden.

Da aber voraussichtlich erst ab Mitte 2015 Mittel abgerufen werden können und zudem die meisten Investitionen ohnehin geplant sind, ist erst 2016 mit einem kleinen konjunkturellen Effekt daraus zu rechnen. Damit liegt der schwarze Peter wiederum bei der Notenbank, die eine noch expansivere Geldpolitik ergreifen wird.

Die EZB will Anfang 2015 eine Neubewertung ihrer der geldpolitischen Ausrichtung vornehmen. Der Rückgang der Ölpreise wird zu einem weiteren Rückgang der Inflationsrate führen, und auch die Kernrate dürfte vor allem wegen des schwachen Wachstums unter Druck bleiben.

Damit bleibt die Inflation nicht nur sehr niedrig, es erhöhen sich auch die Gefahren einer Entankerung der Inflationserwartungen. Dem will die EZB entgegenwirken. Nachdem konventionelle Mittel ausgeschöpft sind und der Ankauf von ABS und Covered Bonds erst längerfristige Effekte auf die Kreditvergabe haben wird, rechnen wir damit, dass die EZB Anfang 2015 den Ankauf von Unternehmens- und Staatsanleihen beschließen wird – trotz fehlender Einigkeit innerhalb des EZB-Rates.

Ziel ist es letztlich, über einen schwächeren Euro-Wechselkurs die Wirtschaft in der Währungsunion anzukurbeln. Vor allem ab der zweiten Jahreshälfte 2015 sollte sich dies in einem Zuwachs der Exporte niederschlagen.

Die Abwertung kann aber nur eine Brücke sein. Ob die Eurozone letztlich dauerhaft wieder mehr Wachstum generieren kann, wird entscheidend von dem Willen der Mitgliedsstaaten abhängen, konsequent strukturelle Reformen durchzuführen. Diese Antwort steht noch aus.


Quelle:  Sal. Oppenheim

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