2025 jährte sich die Auflage des ersten europäischen ETFs zum 25. Mal – ein Jubiläum, das der Markt mit einem Allzeithoch beim verwalteten Vermögen feierte. Wohin die Reise bis 2030 geht, hat PwC in seiner Studie „ETFs 2030: Capitalising on Disruptive Innovation“ untersucht.

Dafür befragte das Unternehmen 72 Führungskräfte aus der ETF-Branche weltweit – darunter ETF-Manager, Sponsoren, Market Maker und Dienstleister – und ergänzte die Ergebnisse mit Marktdaten von LSEG Lipper. 20 Prozent der Befragten stammen aus Europa. Für den europäischen Markt zeigt die Studie: starkes Wachstum, ein aufholender Privatanlegermarkt und ein zunehmend technologiegetriebener Wettbewerb.

Verdoppelung bis 2030

Das verwaltete Vermögen kletterte bis Ende 2025 auf ein Allzeithoch von 3,2 Billionen US-Dollar, nach 2,2 Billionen im Vorjahr – ein Plus von 42 Prozent. Dieser Aufwärtstrend soll sich fortsetzen: Mehr als ein Drittel der europäischen Studienteilnehmer erwartet, dass das verwaltete Vermögen bis Juni 2030 auf mindestens 5,5 Billionen US-Dollar ansteigt – ausgehend von rund 2,6 Billionen im Juni 2025 wäre das mehr als eine Verdoppelung.

Erwartungen an die Entwicklung des europäischen ETF Marktes.
Erwartungen an die Entwicklung des europäischen ETF-Marktes. | Bildquelle: PwC

Ein wesentlicher Treiber soll der Privatanleger sein. Mehr als drei Viertel der europäischen Befragten rechnen in den nächsten zwei bis drei Jahren mit signifikant steigender Nachfrage seitens privater Anleger und über Sparpläne.

Rückenwind kommt dabei von politischer Seite: Die Europäische Kommission unterstützt mit ihrer Spar- und Investitionsunion neue Spar- und Anlagekonten in den EU-Mitgliedstaaten, verbunden mit steuerlichen Anreizen und Programmen zur Steigerung der Finanzbildung. Der Europäische Rat schätzt, dass rund 10 Billionen Euro in gering verzinsten Bankeinlagen liegen, die in Kapitalmarktprodukte umgelenkt werden könnten.

Ähnliche Impulse kommen aus dem Vereinigten Königreich, wo die Regelungen für Investment- und Sparkonten angepasst wurden. Fast die Hälfte der europäischen Befragten rechnet entsprechend mit signifikanter Nachfrage nach ETFs über Sparpläne.

Digitale Vermögenswerte drängen in den Markt

Neben dem Wachstum im Bereich der Privatanleger verändert sich auch die Produktlandschaft. ETFs auf digitale Vermögenswerte zählen laut Studie global zu den drei gefragtesten Produkttypen – und auch in Europa wächst das Interesse. Derzeit ist der Zugang zu digitalen Vermögenswerten hierzulande über börsengehandelte Schuldverschreibungen und -produkte möglich.

Ob die europäischen Regulatoren dem Vorbild der USA folgen und digitale Vermögenswerte in regulierten Fondsprodukten zulassen werden, bleibt offen. Ungeachtet dessen plant bereits fast die Hälfte der europäischen Befragten, in den nächsten 12 bis 18 Monaten einen entsprechenden ETF aufzulegen – sofern es der regulatorische Rahmen erlaubt. Gegenüber der Vorjahresstudie stieg dieser Anteil von 38 auf 55 Prozent.

Eng mit der Produktentwicklung verbunden ist die Frage, wie ETFs künftig gehandelt und abgewickelt werden. Tokenisierung gilt dabei als zentrales Thema: 14 Prozent der europäischen Befragten sehen darin eine signifikante Auswirkung auf das ETF-Ökosystem, weitere 43 Prozent eine moderate.

Als Vorteile nennt die Studie grenzüberschreitende Distribution, niedrigere Vertriebskosten und einen Handel rund um die Uhr. Als größtes Hindernis gilt weiterhin die regulatorische Unsicherheit – wenngleich die Europäische Kommission im Dezember 2025 ein Marktintegrationspaket vorlegte, das auf einen einheitlichen EU-Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen abzielt. Es sieht unter anderem einen EU-weiten Verwahrstellen-Pass vor, Verbesserungen beim europäischen konsolidierten Datenticker sowie einen klareren rechtlichen Rahmen für Technologien auf Basis verteilter Datenspeicherung.

Expansion und künstliche Intelligenz als operative Hebel

Parallel zur technologischen Entwicklung verschiebt sich auch die Vertriebsarchitektur. ETF-Anteilsklassen sind in Europa bereits etabliert, und 29 Prozent der europäischen Befragten erwarten, dass sie einen signifikanten Einfluss auf ihre Vertriebsstrategien haben werden. Bei der geografischen Expansion setzen europäische Anbieter bevorzugt auf die Zulassungserweiterung von Ucits-ETFs, die bereits in mehr als 90 Ländern vertrieben werden. Als wichtigste Zielregion gilt der asiatisch-pazifische Raum: Mehr als 60 Prozent der europäischen Befragten sind dort bereits aktiv oder erwägen dies konkret.

Während sich Produkte und Vertriebswege wandeln, verändert künstliche Intelligenz die operativen Abläufe. 22 Prozent der europäischen Befragten rechnen mit einem signifikanten Einfluss auf den ETF-Betrieb, weitere 64 Prozent mit einem moderaten. Als konkrete Anwendungsfelder nennt die Studie die automatisierte Neugewichtung von Portfolios, die Überwachung regulatorischer Vorgaben und das Meldewesen.