Burkhard Wagner

Burkhard Wagner

Europas Aktien 2014 im Rallye-Modus?

In diesem Jahr waren wir sehr positiv gegenüber europäischen Aktien eingestellt. Diese Meinung bleibt ebenso für 2014 bestehen. Allerdings könnte es zeitweise zu Rücksetzern kommen, die Anleger für sich nutzen sollten.

Rückblick

In den vergangenen Monaten haben global agierende Investoren um Europa einen großen Bogen gemacht. Institutionelle Anleger, vor allem aus den USA, hatten aus Angst vor einem Zusammenbruch der Euro-Zone ihr Engagement stark zurückgefahren. Mittlerweile hat es eine Neubewertung der Risiken und der europäischen Aktienmärkte gegeben.

Die Wende

Grund für das Umdenken und die kräftige Aufwärtsentwicklung war die Aussage von EZB- Chef Mario Draghi „alles zu tun, um den Euro zu retten“. Dieses Versprechen gilt bis heute. Mitte des Jahres bekräftigte er nochmals, die lockere Geldpolitik beizubehalten und notfalls auch Anleihen der angeschlagenen Staaten zu kaufen. Selbst über Negativzinsen denkt die Zentralbank laut nach. Wir können uns ein solches Szenario durchaus vorstellen, mit erheblichen Nachteilen für Sparer. Ein negativer Einlagensatz der Banken bei der EZB könnte für Sparer ebenfalls negative Zinsen bedeuten.

Allein die Ankündigungen Draghis reichten bis- her aus, um die im Zuge der Eurokrise stark angestiegenen Zinssätze – vor allem in Südeuropa – zu senken. Italien und Spanien zahlen heute nur etwas mehr als 4 Prozent für ihre lang laufenden Anleihen. Im Sommer 2012 waren es noch 7 Prozent.

Aktuelle Situation

Nicht nur in der Geldpolitik ist viel passiert. Auch fundamental hat die Eurozone verlorenes Anlegervertrauen zurück- gewonnen. Insbesondere in den Problemstaaten gibt es vereinzelte Sanierungs- erfolge. Die Arbeitslosigkeit ist zuletzt europaweit erstmals seit fast zwei Jahren leicht gesunken.

Grund zur Entwarnung gibt es dennoch nicht. Die Quote liegt immer noch bei 12,1 Prozent. In den Problemländern Griechenland und Spanien verharrt die Arbeitslosigkeit bei rund 27  Prozent.

Deutschland als Motor

Motor der europäischen Entwicklung ist einmal mehr Deutschland. Zwar werden die Unternehmen für ihre Exportüberschüsse heftig kritisiert; die Ausfuhren summierten sich allein im Oktober auf 99,1 Mrd. Euro. Doch damit stabilisieren sie unseres Erachtens Kerneuropa. Daran wird sich 2014 nichts ändern. Deutschland wird weiterhin die Rolle der Lokomotive im Herzen Europas übernehmen.

In der Krise steckt dagegen Frankreich. Das Land ist wirtschaftlich und politisch angeschlagen. Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau gestiegen, die Wirtschaft stagniert, dringende Reformen bleiben aus. Wir rechnen damit, dass sich das auch 2014 nicht wesentlich ändern wird. Frankreich bleibt ein Unsicherheitsfaktor.

Italien dürfte sich deutlich dynamischer entwickeln. In diesem Jahr wird die Wirtschaft in der drittgrößten Volkswirtschaft Europas noch schrumpfen, doch für die nächsten beiden Jahre erwartet die EU-Kommission positive Wachstumsraten.

Der Aktienmarkt

Wir glauben, dass die Rezession in Europa vorbei ist. Unternehmen und Verbraucher blicken optimistischer in die Zukunft; Analysten erwarten im kommenden Jahr Wachstum in ganz Europa – wenn auch teilweise mit nur geringen Wachstumsraten. Vor allem angelsächsische Investoren sind zurückgekehrt und bevorzugen in den letzten Monaten europäische Aktien. Allerdings sind erst nach Schätzungen ca. 10 Prozent der Mittelabflüsse der letzten 3 Jahre wieder zurückgekehrt. Damit sollten die Aktienmärkte trotz der teilweise erheblichen Kursgewinne auch 2014 noch genügend Potenzial haben. Wir erwarten den EuroStoxx50 bis Ende 2014 bei etwa 3.350 Punkten.

2014 – Rücksetzer vorprogrammiert

Nachdem sich der Euro in den vergangenen Monaten verteuert hat, können mittlerweile ausländische Investoren Kurs- und Währungs- gewinne verbuchen. Das könnte im ersten Halbjahr zu Gewinnmitnahmen und Korrekturen führen. Vor allem erwarten wir, dass der US- Dollar gegenüber dem Euro wieder Aufwertungs- potenzial signalisiert. Das Wechselkursverhältnis könnte unserer Ansicht nach auf 1,25 US-Dollar je Euro hinauslaufen. Zu erwartende Rücksetzer an den Aktienbörsen sollten Anleger unserer Meinung nach nutzen, um Bestände in ausgesuchten europäischen Aktien auf- und aus- zubauen.

Die fundamentale Bewertung der Aktienmärkte liegt immer noch knapp unter dem langjährigen Durchschnitt. Das rechtfertigt unserer Meinung nach Käufe – sei es in ETFs, Fonds, Zertifikate oder Direktanlagen.

Für eine weitere positive Entwicklung sind jedoch anhaltend positive konjunkturelle Impulse wichtig. Das dürfte insbesondere in Deutschland der Fall sein. Die Unternehmensgewinne und die gesamte Wirtschaft werden im kommenden Jahr erneut schneller wachsen als im Rest der Euro-Zone. Allerdings wird dieses ehrgeizige Ziel mit einem leichteren Euro gegenüber alle anderen Währungen (vor allem US-Dollar und Emerging Markets) einfacher zu erreichen sein. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2013 spürten viele europäische Unternehmen die Nachteile eines zu starken Euro.

Wir rechnen damit, dass zyklische Branchen zukünftig deutlich mehr profitieren werden. Defensive Branchen dürften dagegen eher über unterdurchschnittliches Potenzial verfügen, da diese Unternehmen in der Regel schon ambitioniert bewertet erscheinen. Mit den Unternehmensgewinnen werden auch die Dividenden weiter steigen. Durchschnittliche Dividendenrenditen sind also trotz der Kurs- anstiege immer noch attraktiv und bieten meist höhere Renditen als die jeweiligen Staatsanleihen.

FAZIT: Deutsche und europäische Aktien bleiben auch in 2014 attraktiv. Korrekturen bis zu 10 Prozent sollten zu Nachkäufen genutzt werden.

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