Fabian Braun, Simon-Kucher & Partners

Fabian Braun, Simon-Kucher & Partners

„Europas Unternehmen sind langfristig orientiert“

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DAS INVESTMENT: Vor ein paar Monaten kürte das „Handelsblatt“ Europas Unternehmen zu Profit-Weltmeistern. Was macht die Europäer so gut?

Fabian Braun: Europas Unternehmen sind sehr langfristig orientiert. Erzielte Gewinne werden nicht sofort und in Gänze an die Aktionäre ausgeschüttet. Großteile des Gewinns geben sie stattdessen für Forschung und Entwicklung, weitere Produktionsanlagen sowie neue Vertriebsstrukturen aus, um den Unternehmenswert weiter zu steigern.

DAS INVESTMENT:
Und darin unterscheidet sich europäisches Unternehmertum von anderen?

Braun: Ja, langfristiges Denken ist ein Teil der europäischen Kultur. In Nordamerika ist das nicht ganz so stark und in Asien schon deutlich schwächer in der Unternehmenskultur verankert.

DAS INVESTMENT:
Gibt es weitere Stärken?

Braun:
Sowohl die Hidden Champions des Mittelstands als auch Europas Konzerne sind preisstark. Sie können die Preise ihrer Produkte bestimmen, ohne dabei große Absatzeinbrüche befürchten zu müssen. Das ist gut für die Gewinnmarge und macht sie weniger abhängig von Konjunkturzyklen und Preiskämpfen. Hinzu kommt die Internationalität der Unternehmen. Viele machen einen Großteil ihres Umsatzes im außereuropäischen Ausland. Das gilt für große Konzerne wie für kleine und mittlere Firmen.

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DAS INVESTMENT:
Um „Profit-Weltmeister“ zu werden, müssen die Unternehmen aber auch auf der Ausgabenseite gearbeitet haben.

Braun:
Das haben sie in den vergangenen Jahren kontinuierlich getan. Unsere aktuelle Studie zeigt, dass auch 2012 Gewinne verwendet werden, um noch effizienter zu werden. Ausschüttungen dagegen sind den Unternehmern eher nicht so wichtig.

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