Evy Hambro, Investmentchef des Rohstoffteams von Blackrock

Evy Hambro, Investmentchef des Rohstoffteams von Blackrock

Evy Hambro über Rohstoff-Fonds

„Ein dramatischer Wandel“

DAS INVESTMENT.com: Das Volumen Ihres BGF World Mining Fund (WKN: 986932)  ist vom Rekordwert von 13 Milliarden Euro im Sommer 2011 auf aktuell 5,6 Milliarden Euro gefallen. Welche Gründe gibt es dafür?

Evy Hambro:
Der Großteil dieser Veränderungen geht auf Marktschwankungen zurück, so wie die Volatilität bei Rohstoff-Fonds generell eine große Rolle spielt. Natürlich sehen wir auch immer wieder Abflüsse, wenn der Sektor bei Anlegern gerade nicht im Fokus steht.

In den vergangenen Jahren haben sich Rohstoffe im Vergleich mit anderen Märkten unterdurchschnittlich entwickelt. Für Anleger war dies eine schwierige Erfahrung. Wir sind aber zuversichtlich, dass sich der Rohstoffmarkt 2014 stabilisiert. Optimistisch stimmt uns, dass die Produzenten das operative Geschäft verbessert haben

DAS INVESTMENT.com:
Bevorzugen Sie derzeit Minen- oder reine Explorationsunternehmen?

Hambro:
Ich würde ungern generalisieren. Stattdessen ein Beispiel: Den BGF World Gold Fund betrachten wir als Unternehmen und managen ihn entsprechend. Das heißt, wir teilen das Portfolio in ein Fundament, einen Überbau und die Verzierungen.

Das Fundament besteht aus Aktien von Unternehmen mit hohem Produktionswachstum und gleichzeitig aussichtsreichen Explorationsprojekten. Den Überbau bilden werthaltige Unternehmen mittlerer Größe, die als Fundament nicht groß genug sind.

Die Verzierungen umfassen Unternehmen mit höheren Risiken, deren Aktien spektakuläre Wertentwicklungen zeigen dürften, sobald ihre Investitionen sich auszahlen.

DAS INVESTMENT.com:
Für welche Rohstoffe erwarten Sie stagnierende oder weiter fallende Preise?

Hambro:
Man sagt, dass wenn die Flut kommt, alle Boote steigen. Viele der Themen, welche die Preise 2013 belastet haben, waren externe Faktoren und unabhängig von den Rohstoffen selbst. Beispiele sind die konjunkturelle Abkühlung Chinas, die hohen Rohstoffvorräte, fehlendes Interesse vonseiten der Investoren und ein starker Dollar.

Kehren sich diese Themen ins Gegenteil um, sollte dies allen Rohstoffen Rückenwind verleihen. Nichtsdestotrotz gilt es, spezielle Einflussfaktoren der einzelnen Rohstoffe im Auge zu behalten.

DAS INVESTMENT.com:
Viele Minenunternehmen haben Probleme mit ihrem Geschäftsmodell und den Kosten. Ist Besserung in Sicht?

Hambro:
In den vergangenen sechs Monaten hat ein drastischer Wandel stattgefunden. Die augenfälligste Veränderung sind die Verbesserungen in den operativen Kosten und Geschäftsergebnissen sowie den Kapitalkosten. Zudem haben die Unternehmen ihre Produktionsziele durch die Bank weg erfüllt oder übertroffen.

DAS INVESTMENT.com:
Haben Sie ein Beispiel?

Hambro:
Nehmen Sie die Fortescue Metals Group. Das Bergbau-Unternehmen hat seine Kosten erfolgreich verringert und gleichzeitig die Produktion erhöht. Es hat in den sechs Monaten bis Januar 2014 freiwillig Schulden in Höhe von 3,1 Milliarden Dollar zurückgezahlt.

Zudem hat es die Kosten, die aus den verbleibenden Schulden resultieren, heruntergefahren. Dadurch spart es jährlich 300 Millionen Dollar an Zinsen ein.

DAS INVESTMENT.com: Welches sind 2014 die wichtigsten Treiber für den Markt der Energierohstoffe?

Hambro: Das globale Wachstum dürfte sich positiv auf die Nachfrage auswirken. Auch der Wandel Chinas hin zu einer eher konsumgetriebenen Volkswirtschaft dürfte dem Energiemarkt zugutekommen. Denn Rohöl ist enger mit dem privaten Konsum verknüpft als andere Rohstoffe.

DAS INVESTMENT.com:
Welche fundamentalen Gründe für einen weiter steigenden Goldpreis sehen Sie?

Hambro:
Die Unsicherheit in den Schwellenländern hat erneut Bedenken hinsichtlich der Stabilität des globalen Finanzsystems geschürt. Weitere Währungen könnten abwerten.

Gleichzeitig ist das Schuldenproblem in der Eurozone noch nicht gelöst, und die wirtschaftliche Erholung in den USA verläuft zaghaft. Diese Faktoren haben die Erwartungen auf steigende Zinsen gedämpft. Dies könnte dem Goldpreis Rückenwind verleihen.

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