Ex-Diplomat Jacques Blot: „Es geht um die deutschen Sparguthaben“

Jacques Blot, ehemaliger französischer Botschafter und heutiger Berater von Convictions Asset Management

Jacques Blot, ehemaliger französischer Botschafter und heutiger Berater von Convictions Asset Management

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DAS INVESTMENT.com: Wie schließt sich die Lücke zwischen französischen und deutschen Arbeitnehmern am Besten? Sollten die Franzosen billiger oder die Deutschen teurer werden?

Jacques Blot: Es ist zunächst wichtig, dass sich die Lücke nicht noch weiter öffnet. Schließlich leben die Länder in einer Gemeinschaft, der Europäischen Union. Man hat gesehen, dass Sparmaßnahmen ein bisschen helfen. Aber wenn Sie immer nur draufhauen, hilft das auf die Dauer auch nicht weiter. Deutschland lebt das vor und pocht auch intensiv darauf. Aber es ist wie bei einem Schüler, der etwas lernen soll. Den dürfen Sie auch nicht immer nur tadeln, sondern müssen Ihn auch mal motivieren. Es geht um den Mittelweg.

DAS INVESTMENT.com: Der wo liegt?

Blot: Es ist wichtig, dass schwächere Länder wieder mehr nach Deutschland und anderswo in Europa exportieren können. Es darf keine Beschränkungen geben. Zudem sollten die Deutschen lernen, mehr zu konsumieren.

DAS INVESTMENT.com: Sie wollen, dass ich mehr Geld ausgebe?

Blot: Der Internationale Währungsfonds hat festgestellt, dass sparen, sparen und sparen auf Dauer nicht gut ist. Sparen erzeugt keine Nachfrage. Die Deutschen sollten ruhig etwas lockerer mit ihrem Geld umgehen.

DAS INVESTMENT.com: Wenn wir jetzt ausgeben, ausgeben und ausgeben werden sich unsere nachfolgenden Generationen bei uns bedanken. Auch Deutschland ist verschuldet.

Blot: Es geht um die hohen Sparguthaben in Deutschland. Würden die Deutschen beispielsweise mehr Kleidung von Inditex aus Spanien kaufen, würde das dort den Export steigern.

DAS INVESTMENT.com: Es würde helfen, wenn die Löhne in Spanien und damit die Produktionskosten sinken würden. Dann würden mehr Leute Inditex kaufen.

Blot: Das ist richtig. Ohne den Euro wäre das automatisch gegangen. Dann hätte die Peseta abgewertet, und die spanischen Arbeiter wären automatisch billiger geworden.

DAS INVESTMENT.com: Klingt ein bisschen so, als sei Deutschland Schuld an der Krise in anderen Ländern.

Blot: Oh nein. Der Euro ist Schuld.

DAS INVESTMENT.com: Dann mögen Sie ihn wohl nicht allzu sehr.

Blot: Doch. Die Politiker haben damals nur eben nicht an mögliche Probleme gedacht. Sie haben alles rosarot gemalt. Und dann kam das einheitliche Zinsniveau. Es war für Deutschland zunächst angemessen, für das boomende Spanien aber zu niedrig. So konnte die Spekulationsblase am Immobilienmarkt entstehen.