Ex-EZB-Chefökonom Otmar Issing, Foto: Getty Images

Ex-EZB-Chefökonom Otmar Issing, Foto: Getty Images

Ex-EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing

„Auch mit einem Vergrößerungsglas sehe ich die Gefahr einer Deflationsspirale nicht"

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Als der erste Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank EZB legte Otmar Issing das Inflationsziel von 2 Prozent fest. Kurzfristig werde die Notenbank dieses Ziel nicht mehr erreichen, gibt Issing im Gespräch mit dem Handelsblatt zu. Man bräuchte noch Geduld, so Issing. Er könne nicht vorhersagen, wie lange die Notenbank für das Erreichen des Inflationsziels brauchen könnte. Trotzdem hält Issing an dem Ziel fest: Um es aufzugeben, wisse man noch zu wenig. 

Besonders gefährlich sei eine sich selbst beschleunigende Deflationsspirale, so Issing weiter. Während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre seien in Deutschland die Großhandelspreise um über 30 Prozent gesunken. „In einem solchen Umfeld ist zu erwarten, dass die Investoren und Konsumenten ihre Käufe verschieben, weil sie davon ausgehen, dass es morgen billiger wird“, sagt Issing. Der einzige Trost: „Eine solche Situation hat es weltweit aber bisher nur ein einziges Mal gegeben.“

„Ich kann keine selbstverstärkende Deflation diagnostizieren“

Und nach Issings Überzeugung wird es sie so bald kein zweites Mal geben. „Ich kann keine selbstverstärkende Deflation diagnostizieren“, sagt er. Selbst in Japan, das immer als Beispiel für deflationäre Gefahren dargestellt wird, habe es das nicht gegeben. Die Japaner hätten Käufe nicht aufgeschoben. Und die Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens dort könne sich durchaus sehen lassen. 

„Mir ist oft vorgeworfen worden, ich sei auf dem Auge der Deflation blind“, sagt der Ex-EZB-Chefvolkswirt. „Ich bin da nicht blind, aber auch mit einem Vergrößerungsglas sehe ich die Gefahr einer deflationären Abwärtsspirale nicht“.

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