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Ex-Hedgefondsmanager Florian Homm „Nur ein Ecstasy-Junkie sieht noch Chancen des Entkommens“

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Bekommen Sie immer noch Anfragen in Finanzangelegenheiten von Superreichen?

Regelmäßig. Selbst meine übelsten Feinde sprechen mir meine Kernkompetenzen nicht ab. Mandate, die keinen höheren Sinn haben oder breit aufgestellt sind, mache ich nicht mehr.

Ihr Erfolg als Hedgefondsmanager basierte auf harter Arbeit und in gewissem Maße auf der Flucht von moralischer Verantwortung. Stimmt das?

Nein. Es geht um Wahrscheinlichkeiten, Chancen-Risiko-Verhältnisse. Das Geschäft ist nicht unmoralisch, sondern amoralisch, de facto emotionslos. Just Business, meistens sinnlos, aber hochprofitabel.

Karl Lagerfeld sagte: „Skandale schaden nur dem, der keine hat.“ Fühlen Sie sich geschmeichelt?

Lustiges Zitat! Andy Warhol sagte mal: „Beschäftige dich nicht mit den Kritiken, sondern messe die Höhe des Stapels, der über dich geschrieben wird.“ Mir ist heute wichtig, dass ich Gott gefalle. Was soll ich dieser absurden Welt denn noch beweisen?

Wie sind Sie mit dem Verlust ihres enormen Vermögens fertig geworden?

Es sind halt etliche Nullen weniger. Die Spielzeuge vermisse ich weniger, die wirtschaftliche Unabhängigkeit schon mehr. Mir geht es gut und ich habe wichtige, sinnvolle Aufgaben und einige, wenige gute Freunde.

Angenommen, man könnte die Zeit zurückdrehen. Hätten Sie alles ganz genauso gemacht oder lieber einige Entscheidungen im Rückblick revidiert? Oder hätten Sie eine komplett andere Laufbahn eingeschlagen?

2000 lebte ich im Paradies auf 2.200 Quadratmeter Wohnfläche auf Mallorca, mit einem Privatzoo, einer guten Frau, zwei Kindern und fünf Hektar Land, zwei Pools und so weiter, gerade mal fünf Kilometer von der Kathedrale in Palma entfernt. Nur wusste ich das damals nicht, denn in dieser Phase war zu viel niemals genug. Damals wollte ich nichts anderes als maximalen Erfolg, aber nicht maximale Glückseligkeit. Heute ist mir die Erfüllung, Liebe, Geben, Vertrauen, Zeit viel wichtiger. Ich bin glücklicher. Ohne die Sanierung des BVB und die enorm wichtige Entwicklung in der Behandlung von Vitiligo, Hautkrebs und EPP-Kranken durch Clinuvel Pharmaceuticals, in die ich 90 Millionen Dollar investiert hatte, war ich prinzipiell ein Finanzsöldner. Die Laufbahn war okay. Ich habe enorme Höhen und Tiefen erlebt, eine fantastische Lebensintensität und habe letztlich das entdecken können, auf was es wirklich ankommt: lieben, vertrauen und geben. Das ist doch okay.

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