Ex-IWF-Chef

Dominique Strauss-Kahn wegen Zuhälterei angeklagt

//
In den vier Jahren, seit ein Vorwurf der versuchten Vergewaltigung seine Ambitionen als Präsidentschaftskandidat ausgehebelt hatte, konnte Dominique Strauss-Kahn einem Strafprozess wegen seines Sexlebens entgehen. Das endet diesen Montag, wenn er wegen seiner Rolle in einem internationalen Prostitutionsring vor französische Richter tritt.

Strauss-Kahn ist einer von 14 angeklagten Männern und Frauen im Zusammenhang mit der so genannten “Carlton-Affaire”. Diese ist nach dem Vier-Sterne-Hotel in der nordfranzösischen Stadt Lille benannt, in dem angeblich Begegnungen organisiert wurden und wo auch einige der Angeklagten arbeiteten.

Seit Strauss-Kahn im Jahr 2011 als geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgetreten war, damals inhaftiert nach dem Vorwurf sexueller Übergriffe gegen ein New Yorker Zimmermädchen, hatte der 65-Jährige auch im privaten Bereich zu kämpfen. Im Oktober schied er aus einer Investmentfirma aus, kurz bevor sein Geschäftspartner, mutmaßlich durch Selbstmord, starb. Leyne Strauss Kahn & Partners meldete wenige Tage später Konkurs an, und Luxemburg untersucht den Zusammenbruch des Unternehmens.

“Es ist Teil dieser Seifenoper - oder menschlichen Tragödie, je nachdem wie man es betrachtet - einer Person, die Frankreichs nächster Präsident hätte werden können”, sagte Christopher Mesnooh, ein Anwalt in Paris, der nicht an den Strauss-Kahn-Fällen beteiligt ist. “Das als ’shakespearisch’ zu bezeichnen wäre wahrscheinlich untertrieben.”

Als ehemaliger Finanzminister von Frankreich wurde Strauss-Kahn einst als der führende Sozialist für die Nachfolge von Nicolas Sarkozy als Präsident gehandelt. Mit der Frau aus New York erzielte er zwar einen zivilrechtlichen Vergleich, nachdem die strafrechtliche Anklage fallengelassen wurde, und spätere Untersuchungen in Paris wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung wurden wegen Verjährung eingestellt, doch mit seinen Chancen als Präsidentschaftskandidat war es vorbei.

Im Zusammenhang mit dem Lille-Fall wurde Strauss-Kahn 2012 angeklagt. Den Ermittlern zufolge soll er eine organisatorische Rolle im Prostitutionsring übernommen haben. In Frankreich sind Prostitution und das Bezahlen für Sex zwar nicht illegal, Zuhälterei aber schon.

Die Anwälte von Strauss-Kahn lehnten einen Kommentar zu dem Verfahren ab und erklärten, er selbst werde keine Fragen beantworten. Strauss-Kahns Sprecherin und Beraterin Anne Hommel antwortete nicht auf Anfragen. Im Dezember 2012 hatten seine Anwälte in einer Mitteilung erklärt, die Anschuldigungen “widersprechen jedem guten Rechtssinn”. Im Oktober hatte Strauss-Kahn der Tageszeitung Le Parisien gesagt, er blicke dem Prozess “gelassen” entgegen und sei zuversichtlich, dass er freigesprochen werde.

Der Prozess ist bis zum 20. Februar angesetzt, könnte nach Aussage eines Gerichtssprechers aber um eine Woche verlängert werden. Das Urteil der Richter werde erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Wie immer das Urteil auch ausfallen sollte, Strauss-Kahn wird es schwer haben, seine Karriere ein drittes Mal wieder in die Gänge zu bringen, sagte Stephane Bonifassi, Anwalt bei Lebray & Associates in Paris, der nicht an dem Fall beteiligt ist. “Genug ist genug.”

Mehr zum Thema
Details nach dem Tod von Thierry LeyneDominique Strauss-Kahn und sein zwielichtiger GeschäftsfreundNach Selbstmord seines PartnersDominique Strauss-Kahns Firma ist pleite