Hendrik Leber hat die Mehrheit der Acatis-Anteile in die Araucaria Familienstiftung überführt. Im Interview spricht der 67-jährige Gründer über seinen schrittweisen Rückzug, die neue Führungsstruktur und erklärt, warum er die Firma nach einem Nadelbaum der Südhalbkugel benannt hat.
DAS INVESTMENT: Herr Leber, Sie haben die Mehrheit der Acatis-Anteile in eine Familienstiftung überführt. Was ändert sich dadurch für Sie persönlich?
Hendrik Leber: Wir sind jetzt nicht mehr Eigentümer, sondern Nutznießer. Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Firma soll in der Zukunft nicht durch Nachfolgekämpfe oder steuerliche Forderungen zerrissen werden. Die Stiftungslösung überführt sie in eine stabile Struktur. Wir wollen auch unsere Familienmitglieder zweiten und dritten Grades (die Lebers sind kinderlos, Anm. d. Red.) stärker in die Stiftung einbeziehen.
Sie sprechen von einem schrittweisen Rückzug aus dem operativen Geschäft. Wie sieht dieser konkret aus?
Leber: Ich will das operative Geschäft, vor allem das Verwaltungsgeschäft, nach und nach abgeben. Ich möchte mich nicht mehr um Reisekosten kümmern oder Sitzungen vorbereiten. Die Übertragung ist ein mehrstufiger Prozess. Die Aufgaben sollen ordentlich übergeben werden.
Wie organisieren Sie diese Übergabe?
Leber: Ganz praktisch frage ich mein Team: Wer will welche Aufgaben übernehmen? Wer möchte sich um neue Bewerbungen oder um das Organisieren von Events kümmern? Es geht darum, echte Verantwortung zu übertragen. Johannes Hesche zum Beispiel kümmert sich wunderbar um den Acatis Value Event Fonds, da rede ich ihm nicht rein. Oder wenn David Houdek bei seinen Acatis Small Diamonds etwas umsetzen will, dann trifft er die inhaltlichen Entscheidungen selbst.
Sie haben aber nicht vor, sich komplett zurückzuziehen?
Leber: Nein, meine Freude am Investieren will ich mir nicht nehmen lassen. Wissen Sie: Ich saß vor eineinhalb Jahren, da war ich 65, auf einem extrem langweiligen Kongress und dachte mir: Das willst du in ein paar Jahren nicht mehr machen. Mein Plan ist, mit 70 Jahren nur noch 50 Prozent der Arbeitszeit zu haben. Ich werde Mandate und Nebentätigkeiten abbauen, um genug Zeit zu haben, um weiterhin gute Investments zu tätigen. Allerdings muss ich aufpassen, dass ich erkenne, wenn ich in meinem Job nicht mehr so gut bin. Das sagt mir die Performance.
Sie haben eine neue Führungsstruktur mit verschiedenen Partnerstufen eingeführt. Wie ist diese aufgebaut?
Leber: Wir haben vor zwei Jahren ein ausgeklügeltes Partnermodell aufgesetzt. Es gibt sechs Executive Partners, das sind Johannes Hesche, Kevin Endler, Eric Endreß und Stefan Riße, nun sind mit Marco Schuhmacher und Lothar Filbert zwei neue dazugekommen. Daneben haben wir Associate Partners, die ebenfalls am Gewinn beteiligt sind. Das sind Mitarbeiter, die mehr als zehn Jahre dabei sind, mehr als 80 Prozent ihrer Zeit für Acatis arbeiten und ein klares Profil für unsere Firma zeigen.
Es gab Mutmaßungen, Ihre Familienstiftung habe sich Liechtenstein als Standort ausgesucht.
Leber: Ach, was. Was immer geredet wird! Nein, die Stiftung sitzt in München, in der Königinstraße, um genau zu sein. Dort ist Professor Cramer (Jörg Engelbrecht-Cramer ist ehemaliger Chef von Hauck Aufhäuser, Anm. d. Red.) ansässig. Er ist ideal, weil er viel Erfahrung mitbringt, wenn es um zukunftsgewandte, stabile Familienstiftungen geht.
Araucaria – woher kommt eigentlich der Name der Stiftung?
Leber: Das ist ein Nadelbaum der Südhalbkugel, den meine Frau und ich sehr mögen. Er hat einen festen, dornigen Stamm und geht auf den alten Gondwana-Kontinent zurück – auf Deutsch heißt der Baum wohl Chiletanne. Ein exotischer Seitenweg der Evolution.
Schränkt die Stiftungsstruktur die unternehmerischen Möglichkeiten von Acatis ein?
Leber: Nein, die Stiftung bedeutet nicht, dass wir keine anderen Firmen kaufen dürfen. Wir sind kapitalmarktmäßig nicht gehindert. Es geht vor allem darum, eine stabile Struktur für die Zukunft zu schaffen.

