Exoten für Exoten

Der Boom in den Schwellenländern lässt auch Hedge-Fonds mit Fokus auf Lateinamerika, Asien und Osteuropa kräftig verdienen. Das Angebot in Deutschland bleibt aber klein.

26,6 Prozent erwirtschafteten Schwellenländer-Hedge-Fonds durchschnittlich von Januar bis Ende Oktober 2007 – mehr als jede andere Hedge-Fonds-Kategorie. Allein im Oktober legten die Emerging-Markets-Fonds im Schnitt um 5,2 Prozent zu, berichtet der Indexanbieter Hedge Fund Research. Mit der Performance stieg auch das Interesse: Von den Zuflüssen in Hedge-Fonds landeten im September fast zwei Drittel in Schwellenländer- Produkten. Dabei machen sie nur 7 Prozent aller Hedge -Fonds aus und sind Exoten unter den alternativen Produkten.

Boom in Asien und Afrika


Während aber in Lateinamerika und Asien die lokalen Hedge-Fonds-Märkte boomen, immer mehr Manager Afrika erschließen und sich vor Zuspruch internationaler Investoren kaum retten können, bleibt das Angebot von Schwellenländer- Hedge-Fonds, die steuertransparent und somit für deutsche Anleger interessant sind, bislang sehr überschaubar.
Das einzige globale Aktienprodukt ist der Occo Global Emerging Markets von Charlemagne, der momentan aber kein neues Anlegergeld nimmt. Die britische Fondsboutique ist in Deutschland vor allem für ihre Schwellenländer-Aktienfonds mit dem Label „Magna“ bekannt. Manager Stefan Böttcher investiert mit dem Occo Global weitgehend marktneutral an den weltweiten Schwellenländerbörsen. Das heißt, er setzt gleichzeitig auf steigende und auf fallende Kurse. Das kostet Performance, verringert aber die Schwankungen erheblich. Schwergewicht im Portfolio sind derzeit Positionen in Russland, wo Böttcher mit 35 Prozent des Fondsvolumens auf steigende und mit 27 Prozent auf fallende Kurse setzt.
Die gleiche Strategie verfolgen Böttcher und sein Team mit den Hedge-Fonds Occo Latin America, Occo Asia und ihrem Flaggschiff, dem Occo Eastern European.
Steuertransparente Konkurrenz haben die Charlemagne-Manager fast ausschließlich bei ihrem Osteuropa-Fonds: Mit Jürgen Kirsch, Klaus Bockstaller und Jochen Wermuth investieren gleich drei weitere deutsche Manager mit ihren Hedge-Fonds in Osteuropa. Anders als Böttcher setzen alle drei aber in unterschiedlichem Maß stärker auf steigende als auf fallende Kurse.
Kirsch managt den Publikumsfonds Griffin Eastern European und in ähnlichem Stil den Hedge-Fonds Eastern European Value. „Der Eastern European Value Fund unterliegt erheblich geringeren Beschränkungen als der Eastern European Fund. Deshalb können wir hier unsere Philosophie eines aggressiv gemanagten Kapitalerhalts sehr viel flexibler umsetzen“, erklärt der Chef der Fondsgesellschaft Griffin. Um das Kapital zu erhalten, setzt auch Kirsch auf fallende Kurse. Zudem fährt er die Cash-Quote in Krisenzeiten bis auf 50 Prozent hoch. „Im Vordergrund steht gleichwohl die aktive Betreuung der Long-Positionen“, sagt Kirsch. Und das bedeutet, dass Anleger zwischen - zeitlich höhere Verluste verkraften müssen. In der Spitze waren es bis zu fast 50 Prozent während der Russland-Krise 1998.
Auch Klaus Bockstaller variiert die Cash- Quote je nach Marktlage und setzt vor allem kurzfristig auf fallende Kurse überbewerteter Aktien. Der Manager des FCM European Frontier Fund von der britischen Fleming, Family and Partners Asset Management verlässt sich dabei auf seine Erfahrung: Bevor er 2004 den Hedge-Fonds startete, war er Manager des damals sehr erfolgreichen Osteuropa- Aktienfonds Baring Eastern Europe Fund, davor als Osteuropa-Portfolio-Manager bei der UBS. Seit dem Start des Fonds im Dezember 2004 hat er mit seinem vielfach kurzfristig orientierten Ansatz durchaus Erfolg gehabt. Zwar liegt er häufig deutlich hinter Kirsch von Griffin, dafür hat er aber auch die Abwärtsphasen wesentlich besser kontrolliert: Als Kirschs Fonds im Mai 2006 um 6,6 Prozent absackte, verlor Bockstaller mit 0,6 Prozent weniger als ein Zehntel.
Jochen Wermuth verlor im gleichen Zeitraum gar fast 8 Prozent. Der Gründer von Wermuth Asset Management investiert mit seinem Greater Europe Fund noch aggressiver als Kirsch und setzt einen klaren Schwerpunkt in Russland. Auch wenn der Fonds einen signifikanten Anteil seiner Gewinne dem Russland-Engagement verdanke, investiere er je nach Marktlage auch verstärkt in andere Länder Osteuropas und der Europäischen Union, erklärt der Manager mit Büros in Wiesbaden und Moskau. „Zeitweise waren wir in Russland short, teilweise hatten wir gar keinen Russland-Anteil“, sagt er. „Diese Flexibilität unterscheidet uns klar von jedem Russland-Fonds.“ Die Performance indes nicht.

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