Exoten, Nischen, Alternativ

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Standardwerte aus Kasachstan, Immobilienwerte aus den Arabischen Emiraten, Eisenbahn- und Siliziumaktien oder Hedge-Fonds: Zertifikate bieten Zugang zu fast jedem Nischenthema.

30 Werte umfasst der Crobex – genauso viele wie der deutsche Dax. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 3,3 Milliarden Euro hätte allerdings der gesamte kroatische Index keine Chance auf eine Dax-Mitgliedschaft: Im deutschen Leitindex hat schon der kleinste der 30 Werte einen höheren Börsenwert. Ein typischer Fall für die Zertifikatebranche, die eifrig dabei ist, die letzten Börsen zu erobern, an denen deutsche Privatanleger bislang nicht investiert haben. 2007 unter anderem hinzugekommen: Pakistan, Kasachstan, Kroatien, Zypern sowie Körbe mit afrikanischen Aktien.
„Unser 3rd Wave Africa Zertifikat wäre als Publikumsfonds gar nicht möglich gewesen“, erklärt Claus Gruber, Sprecher von DWS Go. „Wir können Aktien an den afrikanischen Börsen nicht so schnell handeln, wie wir es mit einem Fonds müssten, um Zu- und Abflüsse zu managen.“ Gleiches gilt für viele andere Nischenmärkte, die teilweise durch geringen Handel, kurze Öffnungszeiten der Börsen und strikte Beschränkungen für Ausländer glänzen.
Bei vielen Themenzertifikaten, etwa dem Holz-Papier von HSBC Trinkaus (TB0 KWA) oder dem Silizium-Korb von ABN Amro (AA0 QLB), kommt hinzu, dass sich für einen entsprechenden Fonds kaum genügend Aktien finden ließen – anders als ein Fonds sind Zertifikate rechtlich nicht an eine Mindestzahl von Aktien oder eine maximale Gewichtung einzelner Titel gebunden. So können sie nicht nur thematisch, sondern auch was die Zahl der Aktien angeht, sehr konzentrierte Portfolios konstruieren.

Trendsetter Zertifikatebranche

Nicht immer ergeben solche Portfolios Sinn. Für jeden noch so kleinen Trend gibt es heute ein Zertifikat, und viele Themen werden von der Zertifikatebranche schlicht zum Trend gemacht. Den Gipfel erreichte die Deutsche-Bank-Tochter DWS Go mit dem Papier zum Telefon, dem I-Phone-Zertifikat, dessen einziger Sinn darin besteht, vom Erfolg des Apple-Handys zu profitieren.
Anleger sollten daher genau überlegen, ob ein Nischenprodukt tatsächlich halten kann, was imposante Rückrechnungen häufig versprechen.
Doch gerade exotische Börsen können für Liebhaber viel Charme haben. So sind beispielsweise die Vietnam-Zertifikate von DWS Go (DWS 0GB) und Landesbank Berlin (LBB 1XG) gerade angesichts schwacher Performance 2007 wieder einen Blick wert. Auch Papiere für neue Emerging Markets wie das DWS Go 3rd Wave (DWS 0GM) oder das Next 11 Zertifikat von Goldman Sachs (GS8 N11) sind für risikofreudige Anleger nicht uninteressant.
Vorteilhaft ist die größere Flexibilität von Zertifikaten in jedem Fall im Bereich von Hedge-Fonds. Anders als Dachfonds können sie auch auf Zielfonds setzen, die nicht steuertransparent sind. Diese Freiheit zeigt sich am im Vergleich zu Fonds umfangreicheren Angebot. Hedge-Fonds-Zertifikate gibt es auf einzelne Fonds, auf Dachfonds und auf Fondskörbe. Viele Produkte haben indes bislang enttäuscht, einige erfolgreichere wie das Xavex Hedge Select und das Dresdner Strategie AI II laufen bald aus.
Zu den konstantesten Papieren zählt das SG Hedgeindex Zertifikat (711 711), das allerdings ausverkauft ist und daher nur noch mit Glück an der Börse gekauft werden kann; empfehlenswert ist zudem das bei Hauck & Aufhäuser aufgelegte Matterhorn-Index-Zertifikat (806 044). Es bildet den gleichnamigen Dachfonds der Schweizer Fondsgesellschaft Reichmuth & Co. ab. Seit Auflegung des Zertifikats Ende 2003 hat es im Schnitt jährlich 11,1 Prozent zugelegt und dabei fast nicht geschwankt.