Exotische Devisen

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(Quelle: DAS INVESTMENT) Der wirtschaftliche Aufschwung in den Schwellenländern hat eine Schattenseite: die Inflation. In Asien und Lateinamerika steigen Preise und Löhne und mit ihnen die Geldmenge. In China kletterten die Verbraucherpreise 2007 so emsig wie noch nie. Derzeit liegt die Inflation bei 6,5 Prozent. In Singapur erreichte die Teuerung ein Zwölf-Jahres-Hoch.

Was folgt, sind Zinserhöhungen. Sie sind ein geldmarktpolitisches Korrektiv für Volkswirtschaften, die den Turbo eingeschaltet haben. Die People’s Bank of China erhöhte 2007 fünfmal die Zinsen. In Indien stiegen sie in den vergangenen zwei Jahren gleich siebenmal. Zinserhöhungen machen Kredite teurer und sollen den Aufschwung zügeln, bevor er zügellos zu werden droht. Vorhandenes Kapital allerdings wird üppiger verzinst. Steigen die Zinsen, steigt auch der Wert der Landeswährung, da vor allem ausländisches Kapital dort investiert wird, wo der Geldmarkt hohe, stabile Erträge abwirft. Dazu muss in die jeweiligen Landeswährungen investiert werden, und diese werten dann erfahrungsgemäß auf.

Zwei Beispiele: Die indische Rupie hat 2007 gegenüber dem US-Dollar um 12 Prozent zugelegt. So stark ging es in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht aufwärts. Der brasilianische Real kletterte gegenüber dem Dollar sogar um 21 Prozent nach oben.

„Die Schwellenänder haben mehr Vertrauen in ihr Wachstum bekommen“, sagt Christoph Hott. „Das erlaubt ihnen, die Kontrolle über die Wechselkurse zu lockern“, so der Leiter des Private Bankings bei Sal. Oppenheim weiter. Hott ist auch für 2008 optimistisch für die Lokalwährungen der Schwellenländer. Sein Rat: „Investitionen in Lokalwährungsanleihen sind kein Ersatz für einen Aktienfonds der Schwellenländer; wohl aber eine sehr sinnvolle Ergänzung.“

Für deutsche Renten-Anleger war ein Engagement in den brasilianischen Real, den südafrikanischen Rand, die Währungen Asiens, aber auch in noch exotischere Zahlungsmittel wie die sambische Kwacha oder den Cedi aus Ghana in der Vergangenheit nur bedingt möglich. Schwellenländer-Rentenfonds investieren zwar in Anleihen entsprechender Länder; allerdings lauteten die Schuldscheine bisher größtenteils auf Euro oder Dollar. Zins- und Kursgewinne sind mit diesen Anleihen und entsprechenden Fonds möglich; eine Wette auf die Entwicklung der Lokalwährung indes nicht.

In den vergangenen Jahren sind die Staaten Osteuropas, Asiens, Lateinamerikas und Afrikas jedoch dazu übergegangen, Anleihen in ihrer jeweiligen Lokalwährung aufzulegen. Kurzlaufende Türkische-Lira-Anleihen lieferten in den vergangenen zwölf Monaten knapp 20 Prozent Rendite, vergleichbare brasilianische Real-Papiere 11 Prozent. Neben den Zinsen sind es gerade Währungsgewinne gegenüber dem Euro und besonders dem Dollar, die zu diesen Renditen beitragen. Lokalwährungsfonds aus dem Hochzinsbereich investieren in diese Papiere. Ziel der Fondsmanager ist es, die lokalen Zinsniveaus auszunutzen, um so einen Mehrertrag gegenüber einem europäischen Geldmarktinvestment zu erreichen.