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Yul Brynner in „Noch einmal mit Gefühl“, 1959: Kurz vor seinem Tod 1985 trat der Schauspieler in einer Anti-Raucher-Werbung auf. Bis vor rund fünf Jahren war die Tabakindustrie dennoch international erfolgreich. | © Imago Images / Everett Collection Foto: Imago Images / Everett Collection

Experte über Öl- und Tabakaktien

Darum verschwinden Exxon und Philip Morris von den Märkten

Für die Umwelt war es eine Katastrophe, für die langjährigen Aktionäre hingegen nicht: Als der Öltanker Exxon Valdez im Jahr 1989 vor der Küste Alaskas havarierte, kostete die Beseitigung der Schäden 2,5 Milliarden US-Dollar. Und doch schuf Exxon Mobil in den Jahren 1926 bis 2016 mehr Wert als jedes andere Unternehmen in der Börsenhistorie.

Eine vergleichbare Geschichte bieten Tabakkonzerne: Kurz nach dem Tod des lebenslangen Rauchers Yul Brynner, dem Star aus dem Westernstreifen „Die glorreichen Sieben“, wurde sein letztes Fernsehinterview als Anti-Raucher-Werbung veröffentlicht. Doch der Besitz der Aktien des Tabakgiganten Philip Morris war alles andere als schädlich. Es war der sechstgrößte Zuwachs von Börsenwert, den ein Unternehmen in den USA in den 1990er Jahren bis 2016 geschafft hat. Trotz der jährlich sieben Millionen Todesfälle weltweit, die auf das Rauchen zurückzuführen sind.

Diese enormen finanziellen Erfolge sündiger Unternehmen in den vergangenen Jahren stützen die weit verbreitete Auffassung, dass Investitionen in Unternehmen, die etwas Gutes tun, den Verzicht auf Rendite bedeuten würden.

Tatsächlich haben Anleger, die so argumentieren, wohl einfach Angst, etwas zu verpassen. Und historisch gesehen würden es Investoren und Fondsmanager angesichts des Aufstiegs von Exxon Mobil und Philip Morris tatsächlich bereuen, wenn sie fossile Energien und Tabak aus grundsätzlichen Überlegungen heraus gemieden hätten.

Aber heute gilt das nicht mehr: Exxon schneidet seit mehr als einem Jahrzehnt unterdurchschnittlich ab. Obwohl es ein riesiges und profitables Unternehmen ist, ist es in eine lange Abwicklungsphase eingetreten. Die Aktionäre werden wohl noch eine Zeit lang anständige Dividenden erhalten, aber wachsen wird es nicht mehr.

Ein ähnliches Bild bietet Philip Morris (heute Altria), das größte Tabakunternehmen der Welt. Das unterdurchschnittliche Abschneiden am Aktienmarkt hält hier zwar erst seit fünf Jahren an, aber das Volumen der gerauchten Zigaretten geht jährlich um 4 Prozent zurück. Die E-Zigarette mag den Rückgang verlangsamen, aber „Big Tobacco“ stirbt.

Die ohnehin anrüchige Legende vom Sünder als Renditebringer ist also inzwischen veraltet. Viel bessere Renditen kommen heute vom anderen Ende des Spektrums: von Unternehmen, die einen erfreulichen Beitrag zur Gesellschaft leisten.

Die Suche nach diesem positiven Beitrag ist die Extrameile im nachhaltigen Investieren anhand der ESG-Dimensionen – also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Erfolgreichen ESG-Strategien geht es heute mehr darum, Gutes zu fördern als Schlechtes zu vermeiden.

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