Florian Artinger forscht an der Schnittstelle zwischen Ökonomie, Management und Psychologie mit Fokus auf Entscheidungsstrategien unter Unsicherheit. Er ist Gründungsmitglied des Entscheidungsinstituts Simply Rational, einer Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, an dem Artinger forscht.

Experte über unkalkulierbare Risiken

„Einfache Strategien sind oft erfolgreicher als komplexe“

DAS INVESTMENT: Bei den Anlageentscheidungen von Investoren spielt das Risiko eine wichtige Rolle. Entsprechend hohen Wert legen viele daher auf Kennziffern wie die Risikoklasse oder den Maximum Drawdown. Doch was ist Risiko eigentlich?

Florian Artinger: Risiken können in zwei Klassen eingeteilt werden: kalkulierbare und unkalkulierbare. Von kalkulierbaren Risiken ist immer dann die Rede, wenn man alle Handlungsoptionen, deren Konsequenzen und die Wahrscheinlichkeit, mit der diese Konsequenzen eintreten, präzise berechnen kann. Im Finanzkontext trifft dies häufig nicht zu.

Stattdessen trifft man hier häufig unkalkulierbare Risiken an, die auch als Entscheiden unter Unsicherheit bezeichnet werden. Bei unkalkulierbaren Risiken werden häufig ungefähre Schätzungen angegeben, allerdings sind diese oft wenig seriös. Kennziffern können den Unterschied zu kalkulierbaren Risiken verschleiern und eine gefühlte Sicherheit vorgaukeln, die es in Wahrheit nicht gibt.

Welche Rolle spielt dabei die Persönlichkeit des Anlegers?

Artinger: Es gibt sicher unterschiedliche Einstellungen beziehungsweise Risikotoleranzen. Dies muss nicht notwendigerweise nur mit der Persönlichkeit eines Anlegers zu tun haben.

Mehr zum Thema
Börsenkenner Robert HalverCorona-Virus kann ein besonders großer schwarzer Schwan werdenKarsten Matt zum schwarzen Montag„Der Homo Oeconomicus funktioniert an der Börse nicht“Professor für Entscheidungsfindung im Interview„Menschen überschätzen sich“