Nach über zwei Jahren hat die Baloise wieder ein umfangreiches Update Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung auf den Markt gebracht. Der Anbieter ist dabei einer der Biometrieversicherer am Markt sein, welcher besonders auf die Stimme des Maklers hört. Man sitzt nicht im stillen Kämmerlein, sondern zeigt sich bei Kritik absolut offen und nimmt auch nimmt aktiv Ideen an – auch von meiner Seite. Herausgekommen ist ein Tarifwerk mit noch stärkerer Positionierung in der Zielgruppe.
Einführung einer Karrieregarantie
Eine Leistung, die sich am Markt immer größerer Beliebtheit erfreut, ist die Karrieregarantie. Nicht umsonst haben die Stuttgarter sowie die Bayerische selbige 2024 eingeführt. Sie sorgt dafür, dass die BU-Rente bei steigendem Gehalt angehoben werden kann, obwohl die übliche Nachversicherungshöhe schon erreicht wurde. Eine absolut sinnvolle Regelung.
Bei der Baloise gilt die Karrieregarantie nun ab 4.000 Euro bis insgesamt 6.000 Euro. Ein marktüblicher Wert. Für Personen, die einen Kammerberuf ausüben (wie zum Beispiel Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte oder Notare), sind sogar bis zu 7.500 Euro möglich. Das geht für mich als Alleinstellungsmerkmal durch, auch wenn die LV 1871 die Karrieregarantie sogar bis 7.800 Euro anbietet, aber stark abhängig vom Studiengang und ausgeübten Beruf, zudem mit einer anderen Zielgruppe.
Die Erhöhung erfolgt ohne erneute Risikoprüfung und gilt erstmals für alle unbefristet Angestellten. Befindet man sich in Befristung, muss diese mindestens zwei Jahre erfolgen. Hier fände ich ein Jahr praktikabler, denn gerade viele Ärzte im Krankenhaus dürften nur Jahresverträge bekommen. Selbstständige profitieren auch von der Karrieregarantie, die Selbstständigkeit muss aber mindestens seit sechs Jahren bestehen. Da ist im Moment noch eine übliche Regelung.
Großer Schwachpunkt in der Nachversicherung wurde beseitigt
Mir missfiel bisher extrem, dass jede gezogene Nachversicherung in einem extra Vertrag mündete. Sprich, der Kunde wollte seine BU-Rente von 2.000 auf 2.300 Euro erhöhen und besaß in der Folge zwei Verträge. Das treibt zum einen die Stückkosten des Vertrages an, zum anderen wird es auf Dauer für den Makler wie auch für den Kunden sehr unübersichtlich, wenn man mehrere Male die sinnvolle Nachversicherung nutzt. Mit dem aktuellen Update erfolgt die Nachversicherung jetzt im bestehenden Vertrag. Diese Regelung gilt übrigens auch rückwirkend ab dem Tarifwerk 2018.
Marktübliche Anpassung bei der Beitragsdynamik
Ein weiterer Kritikpunkt war die Tatsache, dass die Beitragsdynamik bei der Baloise schon mit 55 Jahren endete. Das hieß, dass man beim ideal ausgewählten Endalter von 67 Jahren, zwölf Jahre lang keine Erhöhung seiner Absicherung hatte. Doch realistischerweise hört die Inflation und der Kaufkraftverlust mit 55 Jahren natürlich nicht auf.
Nun gibt es die verbesserte Regelung, dass die Beitragsdynamik erst fünf Jahre vor Vertragsende stoppt, also bezogen auf das Endalter mit 62 Jahren. Eine gute und im Moment übliche Verbesserung. Leider bleibt ein Kritikpunkt von meiner Seite bestehen. Wurden schon mal Leistungen aus dem Vertrag erbracht (das kann auch „nur“ die Arbeitsunfähigkeitsklausel sein), so entfällt die Beitragsdynamik. Das ist keine gute Regelung.
Alleinstellungsmerkmal: keine Anrechnung des Versorgungswerkes
Manche Versicherer rechnen die BU-Rente vom Versorgungswerk ab dem ersten Euro zu 100 Prozent an, etwas üblicher ist die Anrechnung von 50 Prozent ab einer privaten BU-Rente zwischen 30.000 und 50.000 Euro im Jahr. Bisher gibt es am Markt keine einheitliche Regelung. Kenner der Szene wissen sicherlich, dass das Versorgungswerk erst ab einer 100-prozentigen Berufsunfähigkeit leistet und diese sehr unwahrscheinlich ist. Die Absicherung wird deshalb auch gerne als löchriger Käse bezeichnet.
Die Baloise bietet nun die extrem kundenfreundliche Regelung an, dass die Absicherung des Versorgungswerks keine Anrechenbarkeit mehr nach sich zieht. Das erleichtert das Maklerleben, reduziert Verwirrung beim Kunden und ist auch einfacher für die Baloise bei der Antragsprüfung und Nachversicherung. Leider gilt diese einzigartige Neuerung aber nur für Neuverträge.
Unterstützung im Leistungsfall: gutes Marketing, aber geringer Mehrwert
Diverse Versicherer übernehmen bis zu einer gewissen Höhe die Kosten für einen Versicherungsberater, Rechtsanwalt oder Verbraucherzentrale, wenn es zu einer Leistungsablehnung des Antrags kommt. Meistens gedeckelt auf 500 Euro. Das Problem daran – es wird unterstützt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Die Baloise macht es ganz geschickt und unterstützt vor dem Stellen des Leistungsantrags den Besuch bei einer Verbraucherzentrale oder einem Versicherungsberater mit bis zu 250 Euro.
Aus meiner Sicht ist dies vor allem Marketing, da viele Kollegen mittlerweile mit einem Versicherungsberater kooperieren und die Erstberatung im Leistungsfall kostenfrei anbieten (meistens ebenso 250 Euro). Aber es schafft Vertrauen in den Versicherer und wird sicherlich von Ratingagenturen, Verbraucherzentralen und letztendlich auch vom Kunden positiv gesehen. Und in der Sparte Berufsunfähigkeit ist Vertrauen im Leistungsfall bekanntlich besonders wichtig.
Was wäre ein Update ohne das Drehen an der Preisschraube?
Als die Baloise 2016 mit Pauken und Trompeten in den BU-Markt (wieder) eintrat, hatte das Unternehmen ein Image aus spezialisierten Maklerkreisen als Billigheimer. Schon früh setzte man auf sehr günstige Beiträge für attraktive Zielgruppen wie Ingenieure, Informatiker oder Mediziner. Die Entwicklung gab der Baloise recht, der gesamte Markt wurde bei diesen Berufsgruppen massiv günstiger.
Ich sehe diese Entwicklung durchaus kritisch, aber das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. So gibt es auch im jetzigen Update teilweise erhebliche Beitragsreduzierungen, ein bisschen aber natürlich auch der Rechnungszinserhöhung geschuldet. So profitieren unter anderem Rechtsanwälte, Diplom-Informatiker oder auch Schüler am Gymnasium von Beitragsreduzierungen von über zehn Prozent.
Weitere Verbesserungen im Detail:
- Die erreichte BU-Rente im Leistungsfall mithilfe der garantierten Rentensteigerung kann nun bei Rückkehr ins Berufsleben weiterhin aufrechterhalten werden (natürlich gegen Mehrbeitrag).
- Die Verlängerungsoption bei Erhöhung der Regelaltersgrenze bekam eine marktübliche Regelung. Jetzt kann auch die Versicherungsdauer und nicht nur die Leistungsdauer erhöht werden. Die Option kann bis fünf Jahre vor Vertragsende gewählt werden – einzigartig am Markt (bisher sind 50 Jahre marktüblich, nur zwei Anbieter sind bei 55 Jahren mit der HDI sowie der Stuttgarter).
- Es können nachträglich auch weitere Bausteine wie die Leistungsdynamik, Arbeitsunfähigkeitsklausel, „Cash+“ , Pflegeschutz, sowie der Krankheitenschutz eingebaut werden. Nachvollziehbarer Schönheitsfehler dabei – nur mit kompletter Risikoprüfung.
- Verzicht auf die Umorganisation bei Kammerberufen und für alle Inhaber eines Betriebes mit weniger als zehn (bisher fünf) Mitarbeiter.
Mein Fazit
Es gibt faszinierende Verbesserungen, welche durchaus den Markt in der Berufsunfähigkeitsversicherung noch weiter beleben werden. Dass das Versorgungswerk nicht mehr angerechnet wird, ist ein echter Coup der Baloise. Nachahmer dürfte es bald geben.
Grundsätzlich merkt man bei der Baloise die Nähe zum Vertrieb und versierten Versicherungsmaklern mit Schwerpunkt Biometrie. Man achtet aber auch auf die Vergleichsrechner. Die Fokussierung auf Kammerberufe ist unverkennbar, aber auch für so gut wie alle weiteren Berufsbilder kann die Baloise in der Beratung durchaus in Erwägung gezogen werden, falls man die kleinen Nachteile der Bedingungen akzeptieren kann. Eine individuelle Risikoprüfung, welche eher aus- statt abgebaut wird, rundet das positive Ergebnis ab.
Über den Autor:
Tobias Bierl wurde 1984 geboren. Als ausgebildeter Versicherungsfachmann und Finanzanlagenfachmann gründete er mit seinem Bruder 2008 Stefan die Finanzberatung Bierl in Walderbach in der Oberpfalz. Als einer der Geschäftsführer liegt sein Schwerpunkt im Bereich Biometrie / Berufsunfähigkeitsversicherung. Bierl gewann 2019 den OMGV Makler-Award für den besten Blog / Content auf der Homepage und 2021 für die besten Kundenbewertungen.



