Die Sonderaktionen zahlreicher Versicherer am Markt in der Risikolebensversicherung, welche eine Immobilienfinanzierung als Ereignis voraussetzen, erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Verständlich, denn gerade die Belastung durch einen Immobilienkredit ist für viele der Anlass darüber nachzudenken, wie die Situation wäre, wenn Einkommen durch den Todesfall eines Familienmitgliedes wegfällt.

Die staatliche Absicherung hilft nicht viel weiter, zu gering sind die Summen der Witwen- und Waisenrente. Wie kann also in diesem schlimmen Fall das Immobiliendarlehen weiter abgezahlt werden? Weil eine Risikolebensversicherung für Familien mit einem laufenden Immobilienkredit so wichtig ist, haben die Versicherer diese Zielgruppe für sich entdeckt und bieten erleichterte Zugangsvoraussetzungen an. So auch die Ergo, die ihr Angebot jetzt überarbeitet hat.

Verbesserte Konditionen

Bislang konnten mit einfachen Gesundheitsfragen 400.000 Euro Todesfallsumme abgesichert werden. Das war angesichts der immer höheren Preise am Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren für viele Kunden zu wenig. Die Ergo erhöhte jetzt auf 500.000 Euro. Das liegt etwas über dem Marktdurchschnitt. Nur einzelne Anbieter bieten mit einfachen Gesundheitsfragen deutlich mehr an. 800.000 Euro sind es bei Europa, sogar 850.000 Euro bei der Hannoverschen. Das maximale Eintrittsalter wurde auf 50 angepasst, zuvor lag es bei 45. Damit liegt die Ergo an der Marktspitze.

Gesundheitsfragenkatalog solide wie bisher

Am Fragenkatalog hat sich, soweit erkennbar, nichts geändert. Es wird weiterhin nur eine konkrete Gesundheitsfrage mit einem Abfragezeitraum von zwei Jahren gestellt. Dabei wird nach Behandlungen und Untersuchungen gefragt in verschiedenen Bereichen (Herz, Tumor, chronische Atemwegserkrankungen, Verdauung, Harnwege, Stoffwechsel, Immunsystem, Psyche und Nervensystem). Gut geregelt ist, dass bestimmte – weniger risikorelevante - Erkrankungen nicht angegeben werden müssen (zum Beispiel Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, Allergien), was den Aufwand bei der Aufbereitung der Historie erleichtert. Gefährliche Hobbys werden ebenso abgefragt, wie Körpergröße und Gewicht sowie der Raucherstatus und ob die versicherte Person Motorradfahrer ist.

Insgesamt handelt es sich im Marktvergleich um sauber gestellte, rechtssicher zu beantwortende Gesundheitsfragen. Sicherlich gibt es noch stärker vereinfachte Fragen am Markt. Von Vorteil bei der Ergo ist jedoch, dass auch eine Risikovoranfrage im Rahmen der vereinfachten Fragen möglich ist, was wiederum bei einigen Anbietern mit noch stärker vereinfachten Fragen nicht möglich ist.

Kurioser Familienantrag mit kurzer Frist

Der Aktionsantrag enthält eine kleine Kuriosität: Er erweckt durch die Überschrift „Risikolebensversicherung zur Absicherung von Immobilienfinanzierungen und eines Familienantrags“ den Eindruck, dass die gleichen verkürzten Fragen auch gelten, wenn die versicherte Person in den vergangenen sechs Monaten Mutter oder Vater geworden ist. Das wäre insofern bemerkenswert, als viele Anbieter zwischen diesen Ereignissen differenzieren und die Gesundheitsfragen bei jungen Eltern nicht im gleichen Maße vereinfacht sind wie bei Immobilienfinanzierern.

Eine Nachfrage bei der Ergo hat ergeben, dass dies (jedenfalls noch) nicht so ist. Es gebe wohl Ende des Jahres einen umfassenden Produkt-Relaunch, und dieser Antrag greift dem schon vor. Erst den Antrag und dann ein halbes Jahr später das eigentliche Produkt auf den Markt zu bringen, finde ich sehr ungewöhnlich.

Was die Frist sind, sind einige Anbieter ohnehin deutlich großzügiger geworden und haben diese auf zwölf oder sogar 24 Monate (Europa) erhöht. Das kommt denjenigen zugute, die erst spät an eine Absicherung denken. Bei Ergo können sie schon sechs Monate nach der Kreditaufnahme nicht mehr von dem Angebot profitieren.

 

Unklarheit bei fremd genutzten Immobilien

Eine weitere Anpassung der Ergo besteht darin, dass nun auch neben der Finanzierung einer Wohnimmobilie oder einer Praxis die Finanzierung einer Apotheke als Ereignis zulässig ist. Das ist zu begrüßen. Offen bleibt anhand der Ankündigung des Versicherers zum Update, ob auch eine fremd genutzte Immobilie abgesichert werden kann, also in der Regel eine Immobilie, die als Kapitalanlage gedacht ist.

Nur einige Mitbewerber der Düsseldorfer differenzieren hier nicht mehr, sodass auch Kapitalanleger von dem vereinfachten Antragsprozess profitieren können. Marktüblich ist allerdings die Regelung, dass die Immobilie selbst genutzt werden muss, wobei ich mich schon immer gefragt habe, wie die Nutzungsart nachgewiesen werden könnte, denn üblicherweise steht diese weder im Kaufvertrag noch im Darlehensvertrag. Außerdem könnte der Versicherungsnehmer die Nutzung nach Abschluss der Risikoleben einfach ändern, ohne dass der Versicherer etwas dagegen tun könnte. Insofern erschließt sich der Sinn dieser Beschränkung nicht.

Das Fazit

Die Risikolebensversicherung der Ergo für Immobilienfinanzierer und junge Eltern hat nach meiner Auffassung durch das jüngste Update einige recht wichtige Verbesserungen erfahren. Wie fast immer gibt es aber noch Luft nach oben bei den Punkten Frist nach Eintritt des Ereignisses, Höhe der Versicherungssumme und auch Fremdnutzung der Immobilie. Generell steht die Ergo vom Beitrag her gut am Markt da. Was mir persönlich nicht so gut gefällt, sind die drei Tarifvarianten. Das macht das Angebot recht unübersichtlich. Außerdem haben wir mit der Risikoprüfung nicht die allerbesten Erfahrungen, die medizinischen Einschätzungen sind bei Mitbewerbern oft besser nachvollziehbar.

Über den Autor:

Frederik Borchardt, Jahrgang 1977 ist Versicherungsmakler mit den Schwerpunkten Arbeitskraftabsicherung, Krankenversicherung und Risikoleben. Nach Abitur und einem abgebrochenen Jura-Studium wurde er Versicherungsfachmann nach § 34d GewO. Nach langjähriger Tätigkeit für das Maklerunternehmen des Vaters ist er seit 2024 Inhaber des Unternehmens Borchardt Versicherungsmakler in Frankfurt am Main.  Zwischenzeitlich arbeitete er auch als Autor und Berater für eine Weiterbildungsplattform.