Die VPV Versicherungen erweitern ihr Portfolio um zwei klassische Rentenprodukte: „VPV Flex Garant Invest“ und „VPV Flex Garant Rente“. Mit den neuen Tarifen ersetzt das Unternehmen die bisherigen klassischen Policen und will nach eigenen Angaben „verlässliche und zugleich flexible Vorsorgelösungen“ bieten. Doch in einem Umfeld gestiegener Zinsen stellt sich die Frage: Lohnt sich das noch?
Zwei Varianten – ein Prinzip
Beide Tarife basieren auf dem Sicherungsvermögen der VPV, das strengen aufsichtsrechtlichen Vorgaben unterliegt. Die Kapitalanlage erfolgt überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren, Schuldscheindarlehen und Immobilien – rund 7,5 Prozent der Mittel fließen laut VPV in nachhaltige Anlagen. Damit sind die neuen Produkte klassische Zinsversicherungen – also sicherheitsorientiert und damit auch klar in der Rendite begrenzt.
So funktioniert das Produkt „Flex Garant Invest“
„Flex Garant Invest“ richtet sich an Sparer, die über mehrere Jahre Kapital aufbauen möchten. Es handelt sich um eine klassische Rentenversicherung mit aufgeschobener Auszahlung und flexiblen Elementen: Zuzahlungen, Beitragspausen, Teilentnahmen und die Wahl zwischen lebenslanger Rente oder Kapitalabfindung beim Rentenbeginn. Eine Option auf den Entnahmeplan fehlt.
Ein Beispiel aus einem aktuellen Angebot zeigt die Dimensionen: Ein 30-Jähriger zahlt monatlich 500 Euro über 37 Jahre, also insgesamt 222.000 Euro. Laut VPV ergibt das am Ende 246.648 Euro garantiert oder 405.823 Euro inklusive Überschüsse. Umgerechnet entspricht das einer garantierten Verzinsung von rund 0,56 % per annum und einer prognostizierten Gesamtrendite von etwa 3,0 Prozent per annum. Das ist in der heutigen Zeit schlicht zu wenig, um Altersvorsorge sinnvoll aufzubauen.
Gerade bei einem solchen Tarif wie dem „Flex Garant Invest“ dürften viele Kunden enttäuscht reagieren, wenn sie mit 50 oder 60 Jahren feststellen, dass ihr Geld real weniger wert ist als beim Start. Gleiches gilt, wer nach zehn Jahren in den Vertrag schaut. Das Guthaben wird dann unter den Einzahlungen liegen. Solche Tarife sollten nicht auf Provisionsbasis vertrieben werden, denn kein Mensch versteht, warum dann weniger drin ist als eingezahlt wurde.
So funktioniert das Produkt „Flex Garant Rente“
„Flex Garant Rente“ dagegen startet sofort mit der Rentenzahlung. Kunden zahlen einen Einmalbeitrag und erhalten ab dem Folgemonat eine lebenslange Rente – wahlweise mit oder ohne Rentengarantiezeit. Diese Variante soll insbesondere Menschen ansprechen, die kurz vor dem Ruhestand stehen und ihr vorhandenes Kapital verrenten möchten. Hier sehe ich eher noch einen möglichen Vorteil für Versicherte. Die Wirtschaftslage ist derzeit eher durcheinander. Sicherheit wird ein hohes Gut werden in Zukunft.
Im Beispiel investiert eine 58-jährige Kundin 100.000 Euro einmalig und erhält ab dem ersten Monat eine garantierte Rente von 238 Euro, möglicherweise 476 Euro mit Überschüssen, und das mindestens 27 Jahre lang. Die garantierte Auszahlung summiert sich auf rund 78.000 Euro, die Prognose auf etwa 154.000 Euro. Das entspricht einer negativen Rendite von –1 Prozent per annum im Garantiefall und etwa 1,7 Prozent per annum bei Überschüssen. Wer maximale Sicherheit will und planbare Zahlungen sucht, findet mit der Sofortrente zumindest ein solides, risikoarmes Produkt.
Einordnung im Vergleich zu anderen Produkten
Ein global diversifiziertes Fondsportfolio – etwa ein klassischer Weltfonds mit Aktien- und Anleiheanteilen – kann langfristig mit 6 bis 7 Prozent Rendite rechnen. Selbst bei konservativer Rechnung bleibt die VPV-Rendite deutlich hinter der Kapitalmarktrendite zurück. Berücksichtigt man zusätzlich eine Inflationsrate von aktuell rund 2,5 bis 3 Prozent, ergibt sich real sogar ein Kaufkraftverlust. Sparende sollten beachten, dass in Zukunft das Zinsniveau eher wieder sinkt als steigt. Deswegen ist die Berechnung mit Überschüssen eher der Maximalwert.
Mein Fazit
Die neuen VPV-Produkte stehen beispielhaft für das Dilemma der klassischen Lebensversicherung: Sie bieten Stabilität, aber kaum Ertrag. Solche Produkte sind erst seit dem Zinsanstieg wieder möglich. Was passiert, wenn die Zinsen wieder auf null sinken? Die VPV begegnet dem mit mehr Flexibilität – Zuzahlungen, Entnahmen, Kapitalwahlrecht – doch das Grundprinzip bleibt ein Zinsprodukt, und das ist 2025 einfach kein tragfähiges Vorsorgekonzept mehr.
Sicherheit allein genügt heute nicht mehr, wenn sie realen Wertverlust bedeutet. Während die Sofortrente als konservative Lösung für sicherheitsbewusste Anleger vertretbar ist, wirkt die aufgeschobene Variante „Flex Garant Invest“ wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Sicherheit ist sinnvoll, aber der Kaufkraftverlust muss ausgeglichen werden.
Über den Autor:
Björn Kotzan, geboren 1977, ist ausgebildeter Versicherungskaufmann. Er arbeitet seit 1999 im Versicherungsbereich und betreibt zusammen mit Anja Glorius und Bert Kotzan die Webseiten KVoptimal.de und LVoptimal.de. Die Beratungsschwerpunkte „bis zum Rentenalter“ und „ab dem Rentenalter“ umfassen die Themen PKV, Krankentagegeld- und Arbeitskraftabsicherung sowie Ruhestandsplanungen und werden unter dem Stichpunkt Finanzklarheit zusammengefasst.
