Experten uneinig Stagflation: Aufziehender Sturm oder heiße Luft?
Begrenzte Gefahr
Für den Rest der Welt scheint es auf den ersten Blick Entwarnung zu geben. Laut GAM-Chefökonom Larry Hatheway seien vor allem die Industrieländer durchaus in der Lage, Negativ-Schocks standzuhalten. Zurückzuführen sei die Stärke auf das Wachstum, die geringeren wirtschaftlichen Ungleichgewichte sowie die niedrigeren Ölpreise und Inflationsraten.
Ähnlich optimistisch ist das Multi-Asset-Team von Fidelity International: Sowohl in der Eurozone als auch in den USA zeichne sich ein nachhaltiger konsumgetriebener Aufschwung ab, Konjunkturpakete und lockere Geldpolitiken würden das Verbrauchervertrauen stärken. Auch für China und die Schwellenmärkte sehe es gut aus. Die chinesische Wirtschaft habe sich stabilisiert und profitiere von den weltweit niedrigeren Renditen und der Zinszurückhaltung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Auch das Rohstoff-Tief sei überwunden – ein Segen für die Schwellenländer.
Zu früh gefreut?
Jedoch ist der Optimismus mit Vorsicht zu genießen. Die Erholung nach dem Brexit ist „keineswegs Ausdruck einer inhärenten Stärke Eurolands”, sondern sei vor allem der verbesserten Stimmung in Asien zu verdanken, warnt Martin Hübner, Geschäftsführer des Analysehauses Sentix, in Bezug auf die Konjunkturerwartungen. Auch BlackRock-Kapitalmarktstratege Martin Lück äußerte sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung skeptisch. „Der Optimismus fußt nicht etwa auf großartigen Wachstums- und Gewinnaussichten der Unternehmen; hinter der Aktienrally steckt vielmehr die Erwartung, dass alles nicht so schlimm kommen werde wie befürchtet.“
