Hayden Briscoe, Director of Asia Pacific Fixed Income bei AB

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Expertenkommentar AB

Chinas Reformen: Werden sie greifen?

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Von allen Reformen wird wohl die Liberalisierung der chinesischen Kapitalmärkte weltweit die größte nachhaltige Wirkung zeigen. In nur wenigen Jahren dürften die chinesischen Anleihen- und Aktienmärkte in die globalen Indizes aufgenommen werden und für eine massive Neugewichtung der Portfolios sorgen, da sich benchmarkorientierte Investoren gezwungen sehen werden, Anlagen nach China umzuschichten, nur um marktneutral zu bleiben.

Um die potenziellen Auswirkungen besser abschätzen zu können, hilft ein Blick auf die bisher erzielten Fortschritte Chinas.

China hat die Tore geöffnet

China begann die Liberalisierung seiner Kapitalmärkte 2002 mit der Einführung des Programms „Qualified Foreign Institutional Investor“ (QFII), das ausländischen Anlegern ermöglichte, an den Börsen von Shanghai und Shenzhen mit auf Yuan Renminbi (RMB) lautenden A-Aktien sowie Staats- und Unternehmensanleihen zu handeln. Seither wurde das Programm kontinuierlich erweitert. 2011 führte die Regierung das Programm „Renminbi Qualified Foreign Institutional Investor“ (RQFII) ein, um es nicht- chinesischen Finanzinstituten zu ermöglichen, auf RMB lautende Fonds für Anlagen in Festland-China aufzulegen. Wie QFII wuchs RQFII kontinuierlich durch eine Reihe von Regeländerungen und Quotenerhöhungen (Grafik).



Ende 2014 nahm der Prozess mit der Einführung von Shanghai-Hong Kong Stock Connect Fahrt auf. Dieses System ermöglicht den Aktienhandel zwischen den Börsen von Hongkong und Shanghai.

Für die Teilnehmer gelten Quoten und sehr restriktive Regeln. Wie bei QFII und RQFII rechnen wir jedoch mit einer Lockerung im Laufe der Zeit, um die Teilnahme zu steigern. Die Fortschritte Chinas in diesen Bereichen werden von den Zentralbanken weltweit anerkannt und viele halten mittlerweile einen bedeutenden Anteil ihrer Devisenreserven in RMB (in einigen Fällen bis zu 20%).

Positiver Schritt für kleinere Unternehmen

Von ebenso großer Bedeutung wie die grenzübergreifenden Entwicklungen sind Chinas Schritte zur Liberalisierung seiner einheimischen Märkte. Diese Entwicklung ist Teil der Regierungspolitik, um von einer vornehmlich vom Export getriebenen Wirtschaft zu einem Modell überzugehen, in dem die Nachfrage einheimischer Verbraucher eine viel größere Rolle spielt als in der Vergangenheit. Dies ist auch wichtig, um die einheimische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen und ausländisches Kapital anzuziehen.

2014 beispielsweise ging die People’s Bank of China (PBC) hart gegen den Sektor der Schattenbanken vor und die Regierung verabschiedete einen neuen Haushalt, in dem die Nutzung von Finanzierungsvehikeln für die Kommunen begrenzt wurde. Dieser Schritt wird Provinzregierungen zwingen, sich am Markt für Kommunalanleihen Geld zu leihen, wofür sie zunächst eine Erlaubnis von Peking einholen müssen. Dieses Verfahren soll unter anderem gewährleisten, dass die Mittel weniger in unproduktive Vorhaben, sondern gezielter in die Infrastruktur fließen.

Chinas letztes Unterfangen zur Liberalisierung seines Inlandsmarkts war die überraschende Senkung des Leitzinses durch die PBC im November 2014. Dadurch durften Banken als Einlagenzins das 1,2-Fache eines festgelegten Satzes zahlen, nachdem zuvor das 1,1-Fache erlaubt war. Diese Zinssenkung stellte für kleinere Banken einen starken Anreiz dar, Einlagen anzuziehen und günstige Kredite anzubieten, und wirkte sich positiv auf den Sektor der kleinen und mittleren Unternehmen aus, dessen Dynamik für die wirtschaftliche Neuausrichtung Chinas entscheidend sein wird.

China wird seine Ziele erreichen

Diese Entwicklungen belegen hinreichend, dass die Internationalisierung des RMB, die Liberalisierung der inländischen und internationalen Kapitalströme und die Neuausrichtung der Wirtschaft planmäßig gelingen dürften. Dieser Prozess ist nicht ohne Risiken und es bestehen gewisse Unsicherheiten bezüglich der Dauer. Allerdings hat er bereits eine beeindruckende Dynamik erlangt.

All diese Faktoren bestärken uns weiter in der Überzeugung, dass China seine derzeitigen Probleme überwinden und für die Weltwirtschaft und die globalen Finanzmärkte die Rolle einer wesentlichen stabilisierenden Kraft übernehmen wird.

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