Themen-Experte
Verantwortungsvoll anlegen

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Self Check-in am LaGuardia Airport, New York: Auch viele alternative Investments, wie Flughäfen, waren im Zuge des Pandemie-Ausbruchs unerwartet stark mit den zugrundeliegenden Aktien und Anleihen korreliert. | © imago images / Pacific Press Agency Foto: imago images / Pacific Press Agency

Expertenmeinungen

Diversifizierung neu denken

Andrew McCaffery, Global Chief Investment Officer, Alternatives and Solutions

Mit einem gut diversifizierten Portfolio wollen Anleger ihre Risiken reduzieren: Wenn sich eine Anlageklasse schlecht entwickelt, sollen andere ein Gegengewicht bilden. Doch in der Corona-Krise stieg die Korrelation zwischen verschiedenen Anlageklassen, viele Kurskurven verliefen parallel. Das ist bei Panik am Markt nicht ungewöhnlich, da Anleger unter Druck Entscheidungen treffen. Dennoch wurden viele überrascht, als sonst kaum korrelierte Bereiche nicht den erwarteten Schutz boten.

„Die Diversifizierung soll dafür sorgen, dass ein Portfolio Elemente enthält, die zu Risikopapieren wie Aktien eine geringe oder negative Korrelation aufweisen“, sagt Henk-Jan Rikkerink, Head of Solutions and Multi Asset bei Fidelity. Die traditionelle Mischung aus Anleihen und Aktien, mit der viele Anleger ihr Portfolio auf Turbulenzen vorbereiten, könnte in Zukunft diesen Zweck nicht mehr erfüllen. Je nach Anlageziel kann es daher künftig sinnvoll sein, weitere Anlageklassen beizumischen und die großen Bereiche Anleihen und Aktien differenzierter zu betrachten.

Korrelation in der Krise

Wer hochwertige Staatsanleihen hielt, konnte die Kursverluste am Aktienmarkt und in anderen Bereichen des Anleihemarkts zum Teil ausgleichen, doch nicht so gut wie erwartet. Der Grund: Vor der Krise waren die Anleihen extrem hoch bewertet. Der japanische Yen hingegen war zwar volatil, bot dank einer geringeren Ausgangsbewertung aber eine negative Korrelation zu Risikopapieren.

Auch viele alternative Investments waren unerwartet stark mit den zugrundeliegenden Aktien und Anleihen korreliert. Immobilien sind von dieser Krise sehr stark betroffen, da viele Unternehmen aufgrund der Stilllegung der Wirtschaft Schwierigkeiten haben, ihre Miete zu zahlen.

Wenn sich die Märkte erholen, werden die Korrelationen in der Regel wieder schwächer. Traditionell zur Diversifizierung genutzte Papiere wie Staatsanleihen können weiter dazu beitragen, bieten allerdings so niedrige Renditen wie nie und können Risiken wahrscheinlich nicht mehr so effektiv reduzieren wie zuvor. Senkt die US-Notenbank ihren Leitzins unter null, würden sich die Zusammenhänge wieder verändern, und darüber hinaus Probleme am Geldmarkt und im Finanzsystem insgesamt verursachen.

Diversifizierung muss detaillierter werden

Künftig werden andere Anlageklassen und Marktsegmente eine größere Rolle bei der Diversifizierung von Portfolios spielen. Welche das sind, hängt von Anlagezielen, dem Zeithorizont und dem Risiko-Rendite-Profil der Papiere ab.

Laut traditionellen Risikomaßen bieten Aktien und High-Yield-Anleihen höhere Renditen als Staatsanleihen, das jedoch bei einem höheren Verlustrisiko. Alternative Anlagen und Strategien warten mit der Chance auf noch höhere Renditen auf, sind jedoch weniger liquide. Die Spanne der möglichen Anlageresultate ist größer und der Zugang schwieriger.

Seit der Corona-Krise müssen die Risiken einzelner Anlageklassen womöglich differenzierter betrachtet werden. Länder, Branchen, Unternehmen und Devisen werden je nach Erholungsverlauf und Verschuldungsgrad unterschiedliche Risiken und Vorteile bieten. „Es ist sinnvoll, in diesem Umfeld eine größere Palette an Risikoüberlegungen anzustellen“, sagt Andrew McCaffery, Global Chief Investment Officer. „Es ist weiterhin richtig, auf Basis der Wertpapierkurse Prognosen zur erwarteten Volatilität und den langfristigen Auswirkungen auf die Gesamtrendite zu erstellen. Aber wir müssen uns auch fragen, welchen Risikofaktoren Portfolios wirklich ausgesetzt sind.“

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