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Expresszertifikat auf gereifte Tiger

Expresszertifikat auf gereifte Tiger

Was verbindet Hong Kong Singapur und Taiwan? Zum einen bildete dieses Trio in den achtziger Jahren zusammen mit Südkorea eine Ländergruppe, die unter dem Begriff Tigerstaaten zusammengefasst wurde. Der Grund: Die hohen Wachstumsraten und der rasante wirtschaftliche Aufholprozess gegenüber den entwickelten Industriestaaten erinnerten an die Dynamik und Entschlossenheit eines Tigers. Zum anderen fungieren deren Aktienmärkte als Basiswerte für das neue Multi-Expresszertifikat von Nomura. 

Die damals hageren asiatischen Kätzchen sind mittlerweile zu gestandenen Raubkatzen mit leichtem Bauchansatz herangewachsen. Doch obwohl die Aufmerksamkeit der Emerging Markets-Investoren  längst zu den neuen Wachstumsregionen wie den sogenannten Next11-Statten übergegangen ist, weist das gereifte Trio immer noch überdurchschnittliche Wachstumsraten von um die fünf Prozent auf. Auch die Aktienmärkte, in deren Verlauf sich sowohl die Boomphasen als auch die Depression in den neunziger Jahren widerspiegelt haben einen gewissen Reifprozess vollzogen. Auch wenn die Zeiten der ganz großen Kurssprünge wahrscheinlich vorbei sind, ist doch mit einer positiven und vor allem stabileren Entwicklung zu rechnen. 

Das Tiger Expresszertifikat (WKN: NM0TGR) von Nomura verspricht bei steigenden, seitwärts laufenden oder leicht fallenden Märkten attraktive Kuponzahlungen und eine vorzeitige Rückzahlung. Basiswerte sind der Tracker Fund of Hong Kong (ein Indexfonds auf den Hang Seng), der MSCI Singapur Free Index und sowie MSCI Taiwan Index. Während der dreijährigen Laufzeit bis zum 15. Juli 2011 sind halbjährliche Kuponzahlungen in Höhe von 8 Prozent vorgesehen, wenn alle drei Basiswerte an den jeweiligen Stichtagen (14. Januar 2008, 15. Juli 2009, 13. Januar 2010, 15 Juli 2010, 12. Januar 2012) gegenüber ihrem Startkurs nicht mehr als 40 Prozent verloren haben. Gibt nur ein Basiswert stärker nach, fällt die Kuponzahlung aus, und das Papier läuft mindestens ein halbes Jahr weiter. 

Belaufen sich die Verluste an einem der Beobachtungstage auf maximal 15 Prozent, wird das Zertifikat vorzeitig fällig, und Anleger erhalten zum Kupon den Nominalwert zurück. Dies könnte zum ersten Mal bereits im Januar 2008 der Fall sein, womit gleichzeitig die höchste jährliche Rendite von 16,6 Prozent (ohne Agio) vereinnahmt würde. 

Bleibt eine vorzeitige Tilgung aus kommt es am Tag der Endfälligkeit zur finalen Anrechnung. Für eine Rückzahlung des Nominalwerts plus Kupon reicht es dann schon aus, wenn alle Indizes über der 60 Prozent ihres Startniveaus notieren. Ist dies nicht der Fall entfällt der letzte Kupon und Anleger bekommen den Nominalbetrag abzüglich des Verlustes des schwächsten Basiswerts wieder. Beläuft sich dieser beispielsweise auf 45 Prozent, werden 55 Euro zurückbezahlt. 

Das Papier kann noch bis zum 14. Juli mit einem Ausgabeaufschlag von einem Prozent gezeichnet werden. Anschließend soll es im Stuttgarter Freiverkehr gehandelt werden.

Fazit: Alle drei Indizes haben nach starken Kurssteigerungen der vergangenen Jahre in den letzten Monaten mehr oder weniger stark korrigiert. Das weitere Verlustpotenzial scheint demnach zumindest begrenzt. Die Sicherheitspuffer für die großzügigen Kuponzahlungen muten mit 40 Prozent recht komfortabel an, müssen jedoch im Zusammenhang mit der Multi-Struktur bewertet werden, die ein deutlich erhöhtes Basiswertrisiko mit sich bringt. Wer allen drei Aktienmärkten die Gefahr eines Einbruchs abspricht, kann sich auf die Jagt nach attraktiven Express-Renditen begeben.