Externer Run-Off Werden LV-Abwicklungsplattformen zum neuen Trend?

Firmenschild der vom Londoner Private-Equity-Unternehmen Cinven und der Hannover Rück gegründeten Viridium-Gruppe aus Neu-Isenburg: Die Teilgesellschaften des spezialisierten Bestandsmanagern führen geschlossene Lebensversicherungsbestände fort. Vor dem jüngsten Erwerb der Policen der Generali Leben verwaltete die Holding mehr als 960.000 Versicherungsverträge und ein Vermögen von rund 16 Milliarden Euro. | © Viridium-Gruppe

Firmenschild der vom Londoner Private-Equity-Unternehmen Cinven und der Hannover Rück gegründeten Viridium-Gruppe aus Neu-Isenburg: Die Teilgesellschaften des spezialisierten Bestandsmanagern führen geschlossene Lebensversicherungsbestände fort. Vor dem jüngsten Erwerb der Policen der Generali Leben verwaltete die Holding mehr als 960.000 Versicherungsverträge und ein Vermögen von rund 16 Milliarden Euro. Foto: Viridium-Gruppe

Das Modell eines externen Run-Offs von Beständen in der Lebensversicherung ist viel diskutiert – der erfolgreiche Abschluss des Inhaberkontrollverfahrens zum Erwerb der Generali Leben durch die Viridium-Gruppe könnte den Bann für den deutschen Versicherungsmarkt jetzt brechen und weitere Nachahmer auf den Plan rufen.

De facto befinden sich bereits mehr Versicherungsbestände im Run-Off als öffentlich wahrgenommen. So bieten viele Gesellschaften das klassische Geschäft mit Lebensversicherungen gar nicht mehr an, sondern haben Produkte mit alternativen, kapitalschonenderen Garantiekonzepten im Programm – der alte Bestand läuft aus.

Besonders weitreichend ist die Entscheidung für den vollständigen Run-Off eines einzelnen Lebensversicherers einer Gruppe oder gar, das Neugeschäft in der Lebenssparte einer Versicherungsgruppe komplett zu stoppen. Der Weg zum externen Run-off ist dann nicht mehr weit.

Die Kunden als Nutznießer des Run-Offs

Michael Klüttgens, Willis Towers Watson

Der externe Run-Off – wie jüngst bei der Basler oder der Arag Leben und jetzt auch bei der Generali Leben – zieht die größte Aufmerksamkeit auf sich, denn ein Bestand wird in fremde Hände gegeben. Doch ist die Kritik von Medien und Verbraucherschützern gerechtfertigt? Run-off Plattformen wie Viridium, Athora oder Frankfurter Leben argumentieren, dass sie deutlich effizienter arbeiten. So entstehen Kostenüberschüsse, die auch den Versicherungsnehmern ausgezahlt werden können.

Die Kapitalanlage wird ertragsorientierter gestaltet. Auch davon profitiert der Versicherungsnehmer, da diese Überschüsse zum großen Teil an ihn weitergegeben werden. Die Nutznießer des externen Run-Offs sind neben den Versicherern und den Plattformen vor allem auch die Kunden: Sie behalten die Sicherheit ihrer Garantien und haben darüber hinaus Chancen auf höhere Überschüsse.

Fazit: Effizienzsteigerungen müssen her

Ganz gleich, welche Run-Off Variante im Einzelfall gewählt wird: Am Ende stehen die Interessen des Versicherungsnehmers und der auszuzahlenden Garantien im Fokus. Um diese zu wahren, bedarf es in Zeiten von Niedrigzins, Kostendruck und zunehmender Zwänge durch Regulierung einer effizienten Strategie für das Bestands-Management.

Und daher werden wir auch in Zukunft – nach dem jüngsten weitreichenden Schritt sicher vermehrt – weitere Transaktionen sehen, in denen sich einzelne Versicherer von Lebensversicherungsbeständen oder Teilen ihrer Bestände trennen werden.