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Eingang der Wirecard-Zentrale in Aschheim, nahe München | © Getty Images

Extrem hohe Werte Warum die Wirecard-Aktie so tief fallen konnte

Am Ende tauchen immer diese beiden Kennzahlen auf. Egal, wie ausgefeilt ein Aktieninvestor seine möglichen Kaufobjekte auseinandernimmt – ohne das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) geht nicht viel.

Ersteres vergleicht den Aktienkurs mit dem Gewinn, den ein Unternehmen je Aktie pro Jahr einfährt. Je höher das KGV, desto teurer ist die Aktie und desto größer sind die Vorschusslorbeeren auf künftige Gewinne. Oder eher: steigende Gewinne. Denn ein hohes KGV unterstellt, dass Marktteilnehmer mit kräftig steigenden Unternehmensgewinnen rechnen.

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Während der Hightech-Spekulation um die Jahrtausendwende erreichten KGVs nicht selten dreistellige Atmosphären. Wenn es überhaupt vorhanden war, denn viele Unternehmen steckten damals noch tief in den roten Zahlen. Zum Vergleich: Deutsche Aktien bringen derzeit im Schnitt ein KGV von 11,5 mit. Der 30-jährige Durchschnitt des Aktienindex Dax liegt bei etwa 19.

Insofern zeigt das KGV von Wirecard, welchen Enthusiasmus Börsianer dem Unternehmen seit Jahren entgegenbringen. Und welche Fallhöhe damit einhergeht. Denn noch immer gilt: Wenn die Leiter wackelt, ist es ein Unterschied, ob man auf der ersten oder der fünfzehnten Sprosse steht.

Das gleiche beim KBV. Diese Kennzahl zeigt, zu welchem Preis das Eigenkapital des Unternehmens an der Börse gehandelt wird. Dabei errechnet man, welches bilanzielle Eigenkapital auf jede Aktie entfällt, und setzt das mit dem Aktienkurs ins Verhältnis. Bei stark gefallenen Märkten kann es passieren, dass man für einen Euro Eigenkapital nur 80 oder sogar 60 Cent zahlt. Ein jüngeres Beispiel dafür ist der russische Aktienmarkt.

Bei deutschen Aktien zahlt man derzeit an der Börse 1,40 Euro je Euro Eigenkapital. Das ist historisch betrachtet wenig und lässt sich mit den schlechten Nachrichten aus Wirtschaft und den einzelnen Unternehmen (Bayer, Deutsche Bank, VW, etc.) erklären.

Bei Wirecard sind es hingegen trotz des Absturzes noch immer 8,50 Euro. Das ist viel, war aber mit über 13 auch schon viel mehr. Ich weiß nicht, wann ein Dax-Wert zuletzt derart teuer war, aber es erinnert verdächtig an Zeiten, als die Volksaktie der Deutschen Telekom über 100 Euro notierte.

Sicherlich lässt das alles nicht auf die Qualität von Wirecard und die Substanz der Attacken schließen. Es erklärt aber, warum sich so viele Leerverkäufer auf die Aktie eingeschossen haben und warum die Reaktionen so harsch ausfallen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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