Bezüglich der Wirkung der EZB-Anleiheaufkäufe auf das Renditeniveau sind Finanzanalysten geteilter Meinung. Foto: Fotolia

Bezüglich der Wirkung der EZB-Anleiheaufkäufe auf das Renditeniveau sind Finanzanalysten geteilter Meinung. Foto: Fotolia

EZB-Anleihe-Aufkäufe

„Negativzinsen haben schreckliche Chance/Risiko-Charakteristika“

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Die EZB unter der Führung von Präsident Mario Draghi ersteht jeden Monat Anleihen im Volumen von 60 Milliarden Euro und will die Käufe bis September nächsten Jahres fortsetzen. Die Wucht der Käufe könnte jedoch die Renditen nach unten drücken, sagt David Tan, Leiter Zinsen bei JPMorgan Asset Management.

Das wirkt abschreckend auf Händler, die darauf setzen, dass der Bondmarkt-Ausverkauf aus dieser Woche ein Ende für die rekordniedrigen Fremdkapitalkosten in der Region bedeutet. Der Ausverkauf hatte die Renditen deutscher Bundesanleihen so stark nach oben getrieben hat wie seit August 2013 nicht mehr.

Einen Rutsch der Bondkurse erwarten unter anderem Jeffrey Gundlach von Doubleline Capital, der sagte, er erwäge verstärkte Wetten gegen kurzfristige Papiere, und Bill Gross von Janus Capital, der Bunds als „einmalige Short-Chance“ bezeichnete.

„Ich respektiere, was sie sagen. Aber man muss bedenken, dass man die EZB auf der anderen Seite des Geschäfts hat“, sagt Tan. „Wir scheuen uns zu sagen, dass wir definitiv das Renditetief gesehen haben.“

Die Renditen von deutschen Bundesanleihen, der Benchmark der Region, sind in dieser Woche um 21 Basispunkte auf 0,37 Prozent gestiegen. Und außer Griechenland ist kein Markt verschont worden: Die Rendite von fünfjährigen spanischen Papieren ist um fünf Basispunkte auf 0,63 Prozent geklettert, während die Rendite von 30-jährigen französischen Bonds um 27 Basispunkte auf 1,33 Prozent zugelegt hat.

Die Bewegung war zwar groß, aber die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen blieb niedriger als zum Handelsschluss am 6. März, dem letzten Handelstag, bevor die EZB mit dem Kauf von Staatspapieren im Rahmen des erweiterten Aktiva-Kaufprogramms begonnen hat. Während die Rendite gegenüber dem Rekordtief von 0,049 Prozent vom 17. April zugelegt hat, liegt sie dennoch fast 1,5 Prozentpunkte unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Die Rendite von zweijährigen Bundesschatzanweisungen lag bei minus 0,22 Prozent.

Ein Argument für höhere Renditen ist das Potenzial für eine Wiederbelebung des Preiswachstums im Euroraum, was den Wert der festverzinslichen Zahlungen auf Anleihen schmälern würde. Zuletzt veröffentlichte Daten zeigten, das die Jahresrate der deutschen Inflation im April auf 0,3 Prozent gestiegen ist, verglichen mit 0,1 Prozent im März.

Die Verbraucherpreise im Euroraum haben im April stagniert, nach einem Rückgang über vier Monate in Folge, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten hervorgeht. Das entsprach den Erwartungen von Ökonomen aus einer Bloomberg-Umfrage. Das EZB-Ziel für Inflation liegt bei knapp 2 Prozent.

„Wir sind weiterhin der Ansicht, dass es zumindest in Europa keine drastische Inflationswende geben wird und dass die EZB-Käufe weiterhin dominieren dürften“, sagt Bert Lourenco, Leiter Zinsanalyse Europa, Naher Osten und Afrika bei HSBC Holdings. „Längerfristig sind wir weiterhin für Euroraum-Bonds positiv gestimmt“, erklärte er.

Aber nicht jeder teilt die Meinung. Gundlach sagte am 28. April in einem Interview mit Bloomberg Television bezüglich deutschen Papieren: „Sie reden von etwas, das schreckliche Chance/Risiko-Charakteristika hat, es sind diese Negativzinsen bei europäischen Bonds“, erklärte er.

Allianz Global Investors erwartet, dass die Euroraum-Renditen der Verzinsung der US-Papiere nach oben folgen werden, nachdem die Federal Reserve sich einer Zinserhöhung nähert.

Zuletzt wiesen zehnjährige US-Treasuries einen Renditeaufschlag von 174 Basispunkten gegenüber Bundesanleihen gleicher Laufzeit auf. Der fünfjährige Durchschnitt liegt bei 62 Basispunkten.

Dei EZB-Käufe werden weiterhin auf die Bondrenditen drücken, bis es deutlichere Anzeichen für Wirtschaftswachstum im Euroraum gibt.

„Niemand glaubt, dass die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen langfristig bei 25 Basispunkte sein werden“, erklärte Gundlach. Und er sagte weiter: „Um den Tiefpunkt auszurufen, müssen wir etwas mehr Anzeichen bei der Inflation und den Inflationserwartungen sowie dem Wachstum sehen.“

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