„Die Beschlüsse zur Rückführung der Wertpapierbestände, die über das Anleihekaufprogramm APP erworben wurden, werden die Renditen an den Kapitalmärkten tendenziell steigen lassen.“ Das sei der Preis für viele Jahre einer super-expansiven Geldpolitik, die die Bilanz der Zentralbank aufgebläht habe.

„Ein Ende der Zinssteigerungen in der Eurozone ist angesichts der hartnäckigen Inflation noch nicht absehbar.“ Dieser Zeitpunkt werde voraussichtlich auch erst später eintreten als in den USA.

Michael Holstein, Chefvolkswirt der DZ Bank sagt:

„Die Zentralbank betont, dass sich der Inflationsausblick weiter verschlechtert hat und dass weitere Zinsanhebungen künftig nötig sein dürften, um die Teuerung wieder in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels einzufangen.“ Ein Ende des Zinserhöhungszyklus sei damit also auch seiner Meinung nach erstmal nicht in Sicht. „Es wäre ein Fehler, die geldpolitische Wende zu früh zu signalisieren.“ Vor allem, nachdem die Währungshüter zu lange mit der ersten Zinsanhebung gewartet hätten.

Auch Markus Ferber, CSU-Europaabgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, bewertet die Entscheidung der Notenbank ähnlich:

„Aus dem Mini-Rückgang der Inflation im November nun eine Trendwende herauszulesen, ist genau die falsche Strategie.“ In den vergangenen Monaten hätte man mehr als einmal gesehen, mit welcher Unsicherheit die Inflationsprognosen behaftet sind. „Die EZB muss das Zinsniveau weiter straffen.“

 

Hetal Mehta von LGIM erläutert: 

„Die EZB stellt alle Signale auf restriktiv: Mit dem Hinweis, dass die Zinssätze deutlich weiter steigen müssen und dass sie im Frühjahr mit der quantitativen Straffung beginnen werde, schließt die EZB zu anderen Zentralbanken auf, die ebenfalls die Zügel angezogen haben.“ Der Grund: Obwohl sich der Euroraum höchstwahrscheinlich bereits in einer Rezession befinde und obwohl die kurzfristigen Spotpreise für Energie in den vergangenen Monaten gesunken seien, mache die EZB sich weiterhin Sorgen um die Inflation.

Luke Bartholomew, von Abrdn gibt zu bedenken:

„Sollte die Wirtschaft in eine tiefere Rezession fallen als von der EZB prognostiziert, werden die Zinssätze nicht ganz so aggressiv steigen, da die wirtschaftliche Schwäche das zugrunde liegende Inflationsproblem löst.“

Die Finanzprofis von FCF erwarten eine nicht ganz so aggressive Geldpolitik im kommenden Jahr:

„Die Zinserhöhungen im nächsten Jahr werden wohl nicht mehr so hoch ausfallen.“ Dennoch gehen sie zumindest für die nächsten sechs bis zwölf Monate noch von weiter steigenden Zinsen aus, da einerseits von den Zentralbanken weitere Zinsschritte erwartet werden und andererseits die Beendigung des Anleihekaufprogramms zu einem sinkenden Nachfrage-Niveau für Unternehmensanleihen – und damit indirekt auch für Unternehmenskredite – und somit steigenden Rendite- und Zinsanforderungen führen werde.