Die Europäische Zentralbank kommt in einem als vertraulich eingestuften Dokument zu der vorläufigen Einschätzung, dass es „keinen Grund zur Ablehnung“ der Kontrollübernahme der Commerzbank durch die Unicredit gebe. Das berichten übereinstimmend Handelsblatt, Börsen-Zeitung – und Reuters, deren Mitarbeitenden das als vertraulich gekennzeichnete Papier demnach vorliegt. Die Mailänder Großbank sicherte sich inzwischen 48 Prozent der Commerzbank-Anteile.
Eine Warnung, die nichts blockiert
Der Konflikt verläuft derzeit zwischen zwei Aufsichtsbehörden. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin habe dem italienischen Institut ein aggressives Vorgehen vorgeworfen und fordere eine Strategie, mit der die Unicredit das Vertrauen von Management, Mitarbeitern und Politik zurückgewinnen könne. So schildern es die berichtenden Medien unter Berufung auf das Papier.
Doch die Bafin sitzt am kürzeren Hebel. Für ein Blockieren der Übernahme reiche ihre Position den Berichten zufolge nicht aus. Entscheidend sei die EZB – die beide Institute ohnehin seit 2014 beaufsichtige, weshalb mit einer Genehmigung von vielen Branchenkennern von vornherien gerechnet wurde.
Freigabe heißt nicht Fusion
Grünes Licht für den Anteilserwerb bedeutet nicht, dass eine spätere Fusion reibungslos verliefe. Die EZB warnt demnach in dem Dokument davor, dass der Unicredit ein „herausfordernder und langwieriger“ Integrationsprozess bevorstehe. Das Papier sei im Juni im Aufsichtsgremium der Notenbank besprochen worden, in dem Vertreter der EZB-Bankenaufsicht und der nationalen Behörden sitzen.
Eine förmliche Entscheidung stehe noch aus: Die abschließende Prüfung solle nach Darstellung der Süddeutschen Zeitung im September oder Oktober folgen, ein Abschluss des Verfahrens werde demnach für Ende 2026 erwartet.
Ob aus der aufsichtsrechtlichen Freigabe des Anteilserwerbs eine vollständige Übernahme wird, ist damit noch offen. Eine weitere entscheidende Hürde aber, so legt es das vertrauliche Papier nahe, dürfte die Unicredit genommen haben.

