EZB-Präsident Mario Draghi

Weitere geldpolitische Maßnahmen im Juni

EZB-Präsident Mario Draghi hat signalisiert, dass die Währungshüter im nächsten Monat gegebenenfalls bereit sind, die Zinsen zu senken. Zudem verstärkte er seine Wortwahl bezüglich der Besorgnis über den Euro-Wechselkurs.

“Der Rat fühlt sich wohl damit, beim nächsten Mal zu handeln, aber zuvor wollen wir die Mitarbeiter-Prognosen sehen, die Anfang Juni herauskommen”, sagte Draghi auf einer Pressekonferenz in Brüssel. “Es gab heute keine Entscheidung. Das ist eine Vorschau auf die Diskussion, die wir nächsten Monat haben werden.”

Die Währungshüter debattieren, wieviel Stützen sie der Euroraum-Wirtschaft geben sollen, die von Deflationsgefahr heimgesucht wird. Während Draghi keinen Hinweis gab, dass radikale Schritte wie eine quantitative Lockerung unmittelbar bevorstehen, könnten die neuen Konjunkturprognosen im nächsten Monat der EZB Spielraum geben, die Einlagenzinsen in den negativen Bereich zu bringen.

Draghi sagte auch, dass der Euro “Anlass zu ernsthafter Sorge” gebe, nach dem Anstieg von 6 Prozent in den letzten zwölf Monaten, der ihn in die Nähe von 1,40 Dollar brachte.

Der Euro fiel nach den Äußerungen von Draghi bezüglich einer Entscheidung im nächsten Monat. Die europäische Gemeinschaftswährung sank bis auf 1,3873 Dollar, verglichen mit 1,3946 Dollar vor der Pressekonferenz.

Die EZB hat am Donnerstag den Leitzins auf einem Rekordtief von 0,25 Prozent belassen und den Einlagensatz bei Null. Der Spitzenrefinanzierungssatz blieb unverändert bei 0,75 Prozent.

Die Deflationsgefahr bereitet den Währungshütern Kopfzerbrechen, der südliche Teil des Euroraums erholt sich nur schwer von der Eurokrise, die noch vor zwei Jahren drohte, die Währungsunion auseinanderzureißen.

Mit 0,7 Prozent im April beläuft sich die Inflation auf weniger als die Hälfte des EZB-Ziels, das bei nahe aber unter 2 Prozent liegt. Gleichzeitig lag der Wert jedoch über dem Niveau vom März von 0,5 Prozent.

Die jüngsten Konjunkturdaten signalisieren, dass der Euroraum sich von der bisher längsten Rezession erholt, die im vergangenen Jahr endete. Umfrageindikatoren deuten auf ein weiteres Anziehen der Wirtschaftsaktivität hin.

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